Altersvorsorgereform: Berlin setzt auf Anreize – und den Kapitalmarkt

Artikel aus dem Handelsblatt Journal Betriebliche Altersversorgung

Am 8. Mai stimmte der Bundesrat der Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (pAV) zu. Nach Auffassung des Finanzministeriums bietet das Gesetz eine höhere Flexibilität und bessere Renditechance, und soll so die unpopuläre Riester-Rente ablösen. Dabei hofft Berlin auf eine höhere Akzeptanz. Dafür soll eine reformierte Zulagenförderung Anreize schaffen. Für jeden gesparten Euro soll es künftig bis zu 50 Cent aus der Kasse des Finanzministeriums geben.

Vor allem der Kapitalmarkt soll stärker mit einbezogen werden: Aktienfonds und ETFs sollen mehr in den Fokus der Anleger rücken. Um die Renditen zu erwirtschaften, sollen im Gegenzug die Garantien fallen. Das Altersvorsorgedepot der Zukunft könnte der Durchbruch für die kapitalmarktorientierte Vorsorge werden, vorausgesetzt, die Umsetzung erfolgt einfach, kosteneffizient und verständlich.

 

Das Altersvorsorgedepot der Zukunft könnte der Durchbruch für die kapitalmarktorientierte Vorsorge werden.

Martin StengerDirector Sales und Business Development Insurance & Retirement Solutions Germany, Austria & Switzerland, Franklin Templeton

 

pAV-Reform soll Zugang und Wettbewerb stärken

Für die Asset-Management-Industrie ergeben sich damit neuartige Impulse, wobei standardisierte Produkte mit Kostendeckel den Zugang erleichtern und das Vertrauen stärken sollen. Damit greift das Finanzministerium einen der wichtigsten Kritikpunkte auf: die zu hohe Kostenbelastung. Mit dem künftig besser vergleichbaren Sparprodukt soll Druck auf Produktanbieter ausgeübt werden, günstiger und transparenter zu werden. Die Effektivkosten beim Standarddepot wurden dabei auf ein Prozent begrenzt.

Ganz abschaffen will man die Garantieprodukte jedoch nicht. Stattdessen soll das Angebotsspektrum insgesamt breiter aufgestellt werden. Das Finanzministerium hat dabei neue Zielgruppen im Visier: So soll die pAV auch Selbständigen und Freiberuflern zugänglich gemacht werden, die bisher oft nicht förderberechtigt waren. Weitere Zulagen warten auf Berufseinsteiger und Familien mit Kindern.

Kritisiert wird, dass die Förderung allein nicht alle Menschen erreicht, auch die Forderung eines automatischen Zugangs mit Widerspruchsmöglichkeit, die sogenannte Opt-out-Regelung, steht im Raum. Als problematisch könnte sich zudem das Nebeneinander an Alt-Riester-Verträgen, Garantie- und Standardprodukten erweisen, was die Transparenz auf Verbraucherseite nicht gerade verbessert. Es bleibt abzuwarten, wie kreativ die Produktanbieter mit diesem rechtlichen Rahmen umgehen. Bleiben Prozesse zu komplex oder Kosten zu hoch, könnte auch dem neuen Depot das Riester-Schicksal drohen. Gelingt jedoch eine einfache und transparente Umsetzung, könnte die Reform einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der Aktien- und Fondskultur in Deutschland leisten.


www.franklintempleton.de

Franklin Templeton

Das aktuelle Handelsblatt Journal
Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „Betriebliche Altersversorgung und Kapitalanlage“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
Zum Journal