Drei Fragen an Eva Weikl…

Was empfehlen Sie, um Digitalisierung in Stadtwerken voranzubringen?

Eine klare Strategie und ein klares Zielbild geben Orientierung. Wirklich voran kommt man, wenn man darauf aufbauend beginnt und dranbleibt. Ein Konzept ist gut. Wirkung entsteht allerdings dann, wenn wir Prozesse standardisieren, automatisieren und konsequent umsetzen. Gerade in der aktuellen Transformation mit vielen parallelen Anforderungen. Und: Es geht nicht darum, sofort das große Ganze umzusetzen. Es beginnt mit Leuchttürmen und Multiplikatoren.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen in der Praxis? Welche typischen Fallstricke sehen Sie?

Die größte Herausforderung ist das Zusammenspiel von IT und Betrieb. Digitalisierung scheitert selten an der Technologie, sondern daran, dass sich komplexe Prozesse nicht einfach digital abbilden lassen – sie müssen zuerst vereinfacht werden. Das erfordert Abstimmung, Klarheit und auch Geduld. Und es bedeutet, gewohnte und lange erfolgreiche Pfade zu verlassen. Aber es lohnt sich und zeigt, was Smart Utility in der Praxis leisten kann.

Ein typischer Fallstrick ist das Denken im Konjunktiv: Hätte. Sollte. Würde. Könnte. Das hält alles offen – aber nichts bewegt sich. Entscheidungen werden vertagt oder nie getroffen, statt Bewegung entsteht Stillstand. Wichtig ist, dass man anfängt und ins Tun kommt.

Was sind für Sie entscheidende Erfolgsfaktoren, damit Digitalisierung in Stadtwerken gelingt?

Es sind drei Dinge, an denen wir von den Erlanger Stadtwerken sehr bewusst arbeiten.

Erstens: klare Prioritäten setzen. Wir haben irgendwann gemerkt, dass zu viele Themen parallel laufen. Heute entscheiden wir fokussierter und vor allem konsequenter.

Zweitens: Verantwortung eindeutig klären. Digitalisierung funktioniert nicht, wenn sich alle zuständig fühlen, aber niemand entscheidet. Wir haben klare Verantwortlichkeiten geschaffen und damit auch die Grundlage für Geschwindigkeit.

Und drittens: Mutig entscheiden und konsequent umsetzen. Gerade in Transformationszeiten. Wir warten nicht, bis alles perfekt ist, sondern setzen um. Natürlich funktioniert nicht alles sofort, aber wir lernen daraus und werden besser.