Interview
Frage 1
Iman, als Geschäftsführerin und Chief Growth Officer verantwortest Du zentrale Bereiche der Stadtwerke Karlsruhe. Welche Rolle spielt Digitalisierung für die Zukunftsfähigkeit eines kommunalen Versorgers?
Antwort: Eine sehr einfache: Ohne Digitalisierung sind wir nicht zukunftsfähig. Punkt.
Das liegt nicht nur an uns, sondern vor allem an unseren Kundinnen und Kunden. Sie erwarten heute, dass Dinge einfach funktionieren, jederzeit verfügbar sind und schnell gehen. Diese Erwartungshaltung kommt aus ihrem Alltag, und die bringen sie ganz selbstverständlich auch zu uns mit.
Für uns ist Digitalisierung deshalb kein Zusatz mehr, sondern die Art, wie wir unser Geschäft steuern: vom Kundenkontakt bis in unsere internen Prozesse. Gerade als kommunales Unternehmen können wir es uns nicht leisten, ineffizient zu arbeiten.
Digitalisierung ist für uns deshalb kein „Nice-to-have“, sondern die Voraussetzung dafür, Versorgung sicher, bezahlbar und gleichzeitig wirklich kundenorientiert zu gestalten.
Frage 2
Ihr habt viele digitale Lösungen umgesetzt – von App bis Chatbot. Was hat sich konkret für Eure Kundinnen und Kunden verbessert?
Antwort: Vor allem eines: weniger Aufwand.
Unsere Kundinnen und Kunden wollen keine Energieversorger managen: sie wollen, dass Dinge einfach funktionieren. Genau da setzen wir an: Prozesse müssen intuitiv sein, Informationen schnell verfügbar und Anliegen möglichst ohne Umwege lösbar.
Ein gutes digitales Angebot merkt man daran, dass man es eigentlich gar nicht bemerkt, weil es einfach läuft.
Frage 3
Was bedeutet Kundenzentrierung für Dich konkret im Alltag?
Antwort: Kundenzentrierung heißt für mich nicht, dass wir alles „nett“ machen. Sondern dass wir konsequent aus Kundensicht entscheiden, auch wenn das intern manchmal unbequem ist.
Die wichtigste Frage ist immer: „Löst das wirklich ein Problem, oder machen wir es nur komplizierter?“
Ich sage es ganz offen: Viele digitale Projekte scheitern genau daran, dass sie aus der Organisation heraus gedacht sind, nicht vom Kunden.
Frage 4
Digitalisierung ist auch ein Thema der Organisation. Wie nimmst Du Deine Mitarbeitenden mit?
Antwort: Indem wir ehrlich sind, und Unterstützung in Haltung und Methodik anbieten.
Digitalisierung verändert den Kontext und damit auch die Arbeit, und das spürt jeder. Deshalb geht es nicht nur um Tools, sondern vor allem um ein anderes Mindset: Dinge ausprobieren, schneller entscheiden und auch akzeptieren, dass nicht alles sofort perfekt ist.
Wir fördern bewusst eine Kultur, in der Testen erwünscht ist. Denn Geschwindigkeit entsteht nicht durch perfekte Planung, sondern durch kluge, fokussierte Umsetzung.
Gleichzeitig geben wir Orientierung: Was bedeuten die neuen Anforderungen konkret für meinen Job? Was kann ich morgen einfacher oder besser machen?
Unser Ziel ist nicht, dass alle alles können, sondern dass jeder versteht, wo er mit Technologie echten Mehrwert schafft – und den Mut hat, Dinge auch anders anzugehen.
Frage 5
Welche Rolle spielt die IT-Infrastruktur bei dieser Transformation?
Antwort: Eine sehr große, aber nicht die einzige.
Ohne eine moderne, stabile IT kannst Du keine Geschwindigkeit aufbauen. Aber nur gute IT reicht eben auch nicht.
Der entscheidende Punkt ist: Wie gut verbinden wir Technologie mit unseren Prozessen und Entscheidungen?
Für uns war ein wichtiger Schritt, wegzukommen von Insellösungen hin zu einer integrierten Sicht auf unsere Kunden und Prozesse.
Frage 6
Ihr habt mit dem „KI-Kompass“ eine SWK-weite Initiative gestartet. Wie gehst Du das Thema Künstliche Intelligenz an?
Antwort: Sehr pragmatisch.
KI ist kein Selbstzweck, und ehrlich gesagt auch kein Hype-Thema, das man einfach „einführt“. Die entscheidende Frage ist immer: Wo hilft uns KI konkret, schneller, besser oder effizienter zu werden?
Deshalb gehen wir strukturiert vor: Wir identifizieren konkrete Use Cases und testen sie gezielt.
Und ganz wichtig: KI funktioniert nur, wenn die Menschen im Unternehmen verstehen, wie sie damit arbeiten können. Sonst bleibt es ein schönes Konzept, aber ohne Wirkung.
Frage 7
Wenn Du auf die nächsten drei bis fünf Jahre blickst: Wo liegen die größten Hebel?
Antwort: Für mich sind es drei Dinge:
Erstens: konsequente Vereinfachung. Wir müssen Prozesse radikal aus Kundensicht denken.
Zweitens: bessere Nutzung von Daten. Wir haben viele Informationen, aber der Unterschied entsteht erst, wenn wir daraus bessere Entscheidungen machen.
Und drittens: Geschwindigkeit. Wir können nicht mehr jahrelang an Lösungen arbeiten. Wir müssen schneller lernen, schneller entscheiden und schneller umsetzen.
Wenn uns das gelingt, dann entsteht echter Unterschied.
Unser Anspruch ist nicht, einfach digitaler zu werden. Unser Anspruch ist, unser Geschäft so zu steuern, dass es für unsere Kunden einfacher, für unser Unternehmen effizienter und für die Zukunft stabil bleibt.