Digitale Führungsfähigkeit: Warum sichere, mobile Kommunikation das Rückgrat der Gesamtverteidigung ist

Die sicherheitspolitische Zeitenwende hat deutlich gemacht, dass Verteidigungsfähigkeit heute mehr ist als militärische Stärke. Sie entscheidet sich zunehmend daran, ob sicherheitskritische Akteure – Bundeswehr, KRITIS-Unternehmen, Behörden und Industrie – verlässlich miteinander kommunizieren und führen können.

Bei der gemeinsamen sicheren Kommunikation der Akteure der Gesamtverteidigung bestehen weiterhin strukturelle Schwachstellen. Isolierte Systeme, fehlende Schnittstellen und unklare Zuständigkeiten erschweren im Ernstfall den schnellen Austausch sicherheitsrelevanter Informationen. Die Folgen können erheblich sein: Verzögerungen, Kompetenzlücken und eine eingeschränkte Handlungsfähigkeit über Organisationsgrenzen hinweg. Hinzu kommt eine mögliche weitere Verunsicherung der Zivilbevölkerung durch wahrgenommene eingeschränkte Handlungsfähigkeit der Behörden.

Was Entscheider jetzt bewegt

Die Ergebnisse unserer aktuellen Voice of Our Clients-Studie zeichnen ein klares Bild: Für Führungskräfte im Verteidigungs- und Sicherheitsumfeld stehen drei Prioritäten im Zentrum – Cyberresilienz, IT-Modernisierung und interorganisationale Zusammenarbeit.

Besonders relevant ist dabei die Frage, wie sich bestehende Insellandschaften zu einem funktionalen, sicheren Gesamtsystem verbinden lassen. Denn angesichts globaler Krisen, hybrider Bedrohungslagen und wachsender Abhängigkeiten zwischen staatlichen und zivilen Akteuren wird deutlich: Führungsfähigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Der Engpass: eine gemeinsame Kommunikationsbasis

Deutschland verfügt über leistungsfähige Plattformen wie HaFIS/GMN und arbeitet an souveränen Cloud-Infrastrukturen. Dennoch bleibt ein entscheidender Punkt ungelöst: Der sichere und verbindliche Austausch sensibler Daten zwischen Organisationen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, Sicherheitsstufen und technischen Voraussetzungen.

Das Problem ist nicht das Fehlen von Technologie. Es ist das Fehlen einer gemeinsamen, tragfähigen Kommunikationsbasis, die sowohl militärische als auch zivile Akteure einschließt – und das insbesondere mobil, flexibel und in sicherheitskritischen Szenarien, über mehrere Sicherheitsdomänen hinweg.

Mobile Führungsfähigkeit: Was wir aus Hermes lernen können

Ein Beispiel, wie mobile und sichere Kommunikation im multinationalen Kontext funktionieren kann, ist das NATO-Projekt Hermes. Hier wurde im ersten Schritt für die Führungskräfte aller NATO-Kommandos eine Lösung geschaffen, die hochsichere Kommunikation auf einem speziell geschützten Laptop ermöglicht – orts- und zeitunabhängig und auf einem Sicherheitsniveau, das den Anforderungen internationaler militärischer Führungsstrukturen entspricht.

Hermes demonstriert, dass bisherige standortgebundene Kommunikationsprozesse erfolgreich in eine moderne, mobile Führungsumgebung überführt werden können. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie eng Technologie, Organisation und Betrieb zusammenspielen müssen, um Verlässlichkeit auch im Krisenfall sicherzustellen.

Sichere Kommunikation braucht mehr als Technologie

Für die Gesamtverteidigung wird entscheidend sein, wie schnell und konsequent Organisationen künftig in gemeinsame Strukturen eingebunden werden. Dazu gehört, dass Schnittstellen zwischen staatlichen Stellen, Industrie und KRITIS-Akteuren frühzeitig abgestimmt werden, ebenso wie Rollen, Verantwortlichkeiten und die Einbindung von Fachkräften, die im Verteidigungs- oder Krisenfall benötigt werden.

Sicherheitstechnologien wie SINA Managed Service leisten hierfür einen wichtigen Beitrag, weil sie einen geschützten Zugriff auf unterschiedlich klassifizierte Informationen ermöglichen – auch mobil und über Organisationsgrenzen hinweg. Doch technologische Lösungen entfalten ihren Wert erst, wenn sie eingebettet werden in robuste Prozesse, klare Governance und nachhaltige Betriebsstrukturen.

Raumfahrt als strategischer Enabler

Satellitenunterstützte Kommunikations-, Navigations- und Zeitdienste (SATCOM/GNSS/PNT) sowie Erdbeobachtung und Aufklärung ermöglichen Reichweite, Resilienz und ein belastbares Lagebild auch dann, wenn terrestrische Netze degradiert, überlastet oder gezielt angegriffen werden. In einem realistischen Krisenszenario muss die Kommunikation vom strategischen Entscheidungszentrum bis zur mobilen Einheit durchgängig vertrauenswürdig, priorisierbar, erklärbar und schnell skalierbar funktionieren. In föderierten und multinationalen Einsatzszenarien ist dabei entscheidend, dass Zusammenarbeit über nationale und organisatorische Grenzen hinweg möglich ist, ohne zentrale Abhängigkeiten oder Souveränitätsverluste zu erzeugen.

Dafür braucht es das Zusammenspiel aus satellitengestützter Konnektivität, robustem Identitäts- und Schlüsselmanagement sowie mandantenfähiger, sicherheitsdomänenübergreifender Zusammenarbeit. Als Beispiel zeigt die Pooling-&-Sharing-Lösung von CGI, wie sich Ressourcen, Sicherheitsservices und Betriebsmodelle bündeln lassen, sodass mehrere Bedarfsträger auf einer gemeinsamen, abgesicherten Plattform interoperabel kommunizieren können, ohne Souveränität, Separierung oder Compliance einzubüßen.

Gleichzeitig reduziert die Lösung die hohe technische Komplexität interoperabler, domänenübergreifender Kommunikationsarchitekturen auf ein Maß, das für Anwender beherrschbar und im Einsatzalltag praktikabel ist. So entsteht ein wesentlicher Hebel für Tempo und Wirtschaftlichkeit in der Breite der Gesamtverteidigung.

Gleichzeitig ist es notwendig, Übergangstechnologien pragmatisch mitzudenken: Bis QKD-basierte Lösungen (Quantum Key Distribution) in missionstauglichen, breit verfügbaren und interoperablen Ausprägungen marktreif sind, müssen quantenresiliente Kryptoverfahren (PQC), hybride Schlüsselvereinbarungen, die Härtung der Endgeräte sowie resiliente Multi-Bearer-Architekturen (SatCom plus terrestrisch) die Sicherheits- und Verfügbarkeitslücke schließen.

So kann sichergestellt werden, dass Verteidigungsfähigkeit nicht auf ein zukünftiges Technologieversprechen wartet, sondern bereits heute in skalierbaren, einsatznahen Kommunikationsverbünden wirksam wird.

Fazit: Führung beginnt mit Verbindlichkeit

Die Gesamtverteidigung wird nur dann funktionieren, wenn Akteure in einem gemeinsamen Informationsraum arbeiten können. Dafür braucht es eine Kommunikationsarchitektur, die sicher, mobil, interoperabel und praxistauglich ist – und die den realen Anforderungen von Bundeswehr, Behörden, Hilfsorganisationen, KRITIS und Industrie gerecht wird.

Die Technologien dafür existieren bereits. Jetzt kommt es darauf an, sie konsequent zu integrieren und Rahmenbedingungen zu schaffen, die im Ernstfall das ermöglichen, was heute oft noch fehlt: klare, belastbare und gesicherte Führungsfähigkeit über alle Ebenen hinweg.