Die Energiebranche steht mehr denn je im Zeichen vielfältiger Veränderungen. Neue Technologien, steigende regulatorische Anforderungen und wachsende gesellschaftliche Erwartungen erweitern das Spektrum an Themen, die Stadtwerke heute und in Zukunft bewältigen müssen. Seit 2012 bündeln mittlerweile 64 Trianel-Gesellschafter und -Partner im Trendscouting ihr Know-how in diesem Bereich. Ein zentraler Bestandteil dieses Wissensaustausches ist der seit 2017 erscheinende Trianel Trendradar.
Mit dem Trendradar 2026–2027 veröffentlicht das Trendscouting bereits die sechste Ausgabe dieser Analyse und gibt einen Überblick über die 40 wichtigsten Makrotrends mit Relevanz für Stadtwerke. Die Makrotrends sind entlang der Wertschöpfungskette strukturiert: von Erzeugung über Netze und Vertrieb bis hin zu Arbeitswelten. Neu hinzugekommen sind in dieser Ausgabe erstmals die übergeordneten Kategorien „Optimiertes Versorgungssystem“ und „Resiliente Unternehmen und Systeme“.
In einem strukturierten Prozess priorisiert Trianel alle zwei Jahre gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus dem Stadtwerke-Netzwerk die für Stadtwerke relevanten Trends. Grundlage ist die Einschätzung, welchen Einfluss die Entwicklungen auf das Stadtwerkegeschäft haben und in welchem Zeithorizont diese wirksam werden. In der diesjährigen Ausgabe wurde die Bewertung um ein drittes Kriterium ergänzt: den Grad der Umsetzung. Er macht sichtbar, wie weit Stadtwerke einzelne Themen heute bereits vorangetrieben haben. Insgesamt beteiligten sich in diesem Jahr 65 Stadtwerke-Mitarbeitende an den Bewertungen.
Aus den Bewertungen leitet Trianel konkrete Handlungsempfehlungen ab: Act, Prepare und Watch. Abbildung 1 gibt einen Einblick in die identifizierten Makrotrends der Kategorien Vertrieb sowie Resiliente Unternehmen und Systeme (Abb. 1).

Abbildung 1: Ausgewählte Makrotrends in den Kategorien Vertrieb sowie Resiliente Unternehmen und Systeme
Act – Jetzt ist Zeit zu handeln
Trends in der Kategorie Act wirken kurzfristig innerhalb der nächsten fünf Jahre und mit hoher Relevanz. In den zwei ausgewählten Kategorien sind dies insbesondere Künstliche Intelligenz im Kundenservice und Sicherheit kritischer Infrastrukturen:
- Künstliche Intelligenz hebt den Kundenservice auf ein neues Effizienzniveau. Chatbots, Sprachassistenten und virtuelle Helfer bearbeiten Standardanliegen (etwa zu Zählerständen, Tarifen oder Rechnungen) rund um die Uhr, verkürzen Wartezeiten und stabilisieren den Service bei hoher Auslastung. Trianel beschäftigt sich bereits seit 2018 mit Anwendungsfällen künstlicher Intelligenz. Im Trianel Digital Lab wurden dazu mehrere Pilotprojekte umgesetzt, unter anderem ein KI-Chatbot im Kundenservice. Mit der deutlich gestiegenen Relevanz treibt Trianel das Thema nun in einer Arbeitsgruppe mit Stadtwerken intensiv weiter voran. Während der Makrotrend Künstliche Intelligenz (KI) im letzten Trendradar noch der Handlungsempfehlung Prepare zugeordnet war, hat sich die Entwicklung seither spürbar beschleunigt. KI wirkt inzwischen auf viele Makrotrends des Trendradars ein und rückt im Kundenservice in Act. Gleichzeitig sehen die Trianel-Trendscouts in KI kein Allheilmittel. Entscheidend sind saubere Daten, klare Prozesse und eine realistische Abgrenzung dessen, was KI übernehmen kann und was bewusst beim Menschen bleibt.
- Die Sicherheit kritischer Infrastrukturen erfordert ein Zusammenspiel aus physischen, digitalen und organisatorischen Schutzmaßnahmen. Neben zunehmenden Cyberrisiken rücken auch Extremwetter, Vandalismus oder Sabotage stärker in den Fokus. Digitale Resilienz wird damit zum zentralen Erfolgsfaktor: Netzsegmentierung, robuste IT/OT‑Architekturen, konsequentes Schwachstellenmanagement und belastbare Notfallpläne sichern den Betrieb. Regelmäßige Übungen mit Einsatzkräften und Kommunen stärken die Reaktionsfähigkeit für eine schnelle Wiederherstellung der Versorgung im Krisenfall.
Prepare – Vorbereitet in die Zukunft gehen
Trends der Kategorie „Prepare“ entfalten ihr volles Potenzial voraussichtlich innerhalb der nächsten sieben Jahre. Stadtwerke sollten deshalb frühzeitig Grundlagen schaffen – etwa durch Pilotierungen, Kompetenzaufbau und passende Systemvoraussetzungen. Im Bereich Vertrieb zählt dazu der Makrotrend Innovative Ladetechnologien und Ladeinfrastruktur. Der Ausbau öffentlicher Ladepunkte wird zur kommunalen Infrastrukturaufgabe und erfordert koordinierte Standortplanung, leistungsfähige Netzanschlüsse sowie intelligentes Lastmanagement. Parallel entwickeln sich ultraschnelles DC‑Laden und insbesondere bidirektionales Laden weiter und eröffnen zusätzliche Flexibilitäts- und Vermarktungsoptionen. Bei Neu- und Ersatzinvestitionen empfiehlt sich die gezielte Auswahl von bidi-ready-Ladesäulen. Ergänzend gewinnen Tarifmodelle für Flexumer an Bedeutung: Sie schaffen Anreize für flexible Verbrauchsverschiebungen und können perspektivisch auch Rückspeisung einbeziehen – als Brücke zwischen Kunden‑ und Systemnutzen.
Watch – Entwicklungen mit Weitblick begleiten
Diese Trends sind Richtungspfeile: sie werden langfristig relevant, erfordern aber noch Grundlagenarbeit. Ein Beispiel ist die ESG‑basierte Unternehmensführung. Viele Stadtwerke arbeiten bereits im Kontext von Bankenanforderungen und Nachhaltigkeitsberichterstattung mit ESG‑Kennzahlen. Perspektivisch entwickeln sich diese jedoch vom reinen Reporting‑Baustein zum zentralen Steuerungsinstrument. Dafür braucht es belastbare Daten, klare Prozesse, definierte Verantwortlichkeiten und ein konsistentes Ziel‑ und Kennzahlensystem, damit ESG‑Kennzahlen in der Unternehmenssteuerung wirksam werden.
Jetzt die Zukunft gestalten
Die Ergebnisse zeigen, wie vielfältig die Transformationsaufgaben für Stadtwerke sind und wie wichtig eine systematische Priorisierung ist. Der Trianel Trendradar 2026-2027 liefert dabei Impulse für die zukünftige strategische Ausrichtung von Stadtwerken. Im Rahmen des Partnerprogramms Trianel Connect ermöglicht Trianel seit 2023 auch Stadtwerken außerhalb ihres Gesellschafter-Kreises, die Erkenntnisse des Trendscoutings für sich zu nutzen.