Die Unternehmen der Pharmabranche wollen Deutschland als Gesundheits- und Innovationsstandort weiterbringen und erleben dabei überbordende Bürokratie und einen massiven Reformstau bei Nutzenbewertung und Erstattung moderner Therapien.
Deutschland und Europa stehen im Standortwettbewerb mit großen, einheitlich organisierten Märkten wie den USA oder China, die allein durch ihre Größe und kohärente Rahmenbedingungen attraktiv sind. Die Fragmentierung des europäischen Marktes und eine ausufernde Bürokratie zählen aus Sicht der Mitgliedsunternehmen von Pharma Deutschland, dem mitgliederstärksten Verband der deutschen Pharmabranche, zu den größten Hemmnissen für Investitionen und neue Projekte.
Geopolitische Ordnung verschiebt sich
Gleichzeitig verschiebt sich die geopolitische Ordnung: Mit Maßnahmen wie dem „Most Favorite Nations Act“ holt der US‑Präsident innovative Unternehmen in die USA. „Dem müssen wir etwas entgegenstellen und selbst Tatsachen schaffen“, stellt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland dazu fest. Sie betont, dass Europa Antworten auf diese veränderten Rahmenbedingungen in den internationalen Handelsbeziehungen finden müsse. Europa und Deutschland müssen die veränderten geopolitischen Realitäten anerkennen und eine eigene, verbindliche Standortstrategie definieren – und diese auch konsequent umsetzen. Dazu gehören spürbare Erleichterungen für Forschung, Entwicklung und Produktion in Deutschland und Europa aber auch konkrete Maßnahmen für eine resiliente Versorgung mit Basisarzneimitteln und Signale für Innovatoren, dass Deutschland weiterhin Innovationen wertschätzt – in jeglicher Hinsicht!
Stimmung „wachsam optimistisch“
Trotz dieser unübersichtlichen geopolitischen Lage beschreibt die Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland die Stimmung der Branche als „wachsam optimistisch“. Die Investitionsbereitschaft sei durchaus da, hänge aber entscheidend von konkreten Ergebnissen aus dem laufenden Pharmadialog der Bundesregierung ab.
Positiv wertet Pharma Deutschland, dass die industrielle Gesundheitswirtschaft politisch stärker in den Fokus rückt und als wichtiger Wachstumsmotor wahrgenommen wird. Gleichzeitig besteht die Sorge, dass sich dies nicht in konkreten Maßnahmen niederschlägt und dass dieser Fokus noch nicht vollständig in den zuständigen Behörden angekommen ist und sich dort in effizienteren Verfahren und schnelleren Entscheidungen niederschlägt.
Pharmadialog: Chance, aber kein Selbstläufer
Mit dem neuen, interministeriell angelegten Pharmadialog verbindet Pharma Deutschland erhebliche Erwartungen.
Positiv bewertet der Verband, dass neben dem Bundesgesundheitsministerium auch das Wirtschafts- und Forschungsministerium aktiv eingebunden sind und die Federführung im Kanzleramt liegt. Dies wird als deutliches Signal gewertet, dass die Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft für Wachstum, Innovation und Versorgungssicherheit erkannt wird. Gleichzeitig warnt Brakmann davor, dass der Dialog im „Klein‑Klein“ und in reinen Kostendebatten stecken bleiben könnte. „Wir dürfen nicht nur die Themen der Vergangenheit auf den Tisch bringen und erneut an kleinen Stellschräubchen drehen mit kurzfristigen Effekten. Wir müssen das große Ganze in den Blick nehmen“, Entscheidend sei, dass der Pharmadialog zu konkreten Ergebnissen führt – also zu spürbaren Verbesserungen bei Bürokratieabbau, Planungssicherheit, Standortbedingungen und Nutzenbewertung. „Wir müssen jetzt sehr schnell ins Tun und Handeln kommen, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können“, fordert Brakmann. „Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, können wir zu einem global führenden Gesundheits- und Healthcare‑Standort werden“, lautet ihr Ausblick.