Daimler auf dem Weg zur CO2 armen Produktion – Schwedischer Hersteller liefert grünen Stahl

Der Autobauer treibt die Dekarbonisierung seiner Lieferkette voran: Ab 2026 will Daimler CO2-freien Stahl von SSAB aus Schweden beziehen.

Die Dekarbonisierung der Stahlproduktion ist eine der größten industriellen Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts: Riesige Anlagenparks müssen umgerüstet und für den Einsatz von Wasserstoff fit gemacht werden, um die hohen CO2-Emissionen der Branche bis spätestens 2045 auf null zu senken.

Der Autobauer Daimler will in seiner Produktion bereits deutlich früher sogenannten grünen Stahl einsetzen. Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, hat der Konzern deshalb eine Kooperation mit dem schwedischen Stahlhersteller SSAB gestartet und will sich bereits ab 2026 mit Stahl aus der Wasserstoffproduktion beliefern lassen.

„Wir wollen bis 2039 unsere gesamte Lieferkette dekarbonisieren“, sagte Daimler-Vorstand Markus Schäfer, der für die Ressorts Einkauf und Entwicklung verantwortlich zeichnet, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Dafür ist es nötig, dass wir eng mit unseren Lieferanten zusammenarbeiten und früh in die gemeinsame Entwicklung einsteigen.“

Schon im kommenden Jahr sollen erste Prototypenteile für Rohbauumfänge aus grünem Stahl gefertigt werden. SSAB betreibt bereits seit Anfang des Jahres eine Pilotanlage im schwedischen Lulea. In den kommenden fünf Jahren will der Konzern den Markt im industriellen Maßstab mit grünem Stahl beliefern.

ür Daimler ist die Kooperation bereits der dritte Schritt auf dem Weg zu einer klimaneutralen Stahllieferkette. Bereits vor einigen Wochen vergab der Konzern einen Auftrag an den niedersächsischen Stahlhersteller Salzgitter, der die Tochter Mercedes-Benz mit einem um zwei Drittel verringerten CO2-Fußabdruck beliefert.

Grüner Wasserstoff soll klimaschädliche Kohle ersetzen
Zudem beteiligte sich Daimler zuletzt auch an der Neugründung H2 Green Steel, die ebenfalls in Nordschweden ein klimaneutrales Stahlwerk aufbauen will. „Das Thema hat für uns eine hohe Priorität. Dabei sind wir auch bereit, mit Lieferanten zusammenzuarbeiten, mit denen wir bislang keine enge Beziehung gepflegt haben“, sagte Schäfer.

Wie Stahl grün werden soll:

1.Bilanzierungsmethode:
Arcelor-Mittal, der größte Stahlkocher der Welt, hat sich ein konkretes Ziel gesetzt: Bereits im Jahr 2021 will der Konzern 120.000 Tonnen CO2-freien Stahl an die Kunden bringen. Ein Jahr später soll sich die Menge verfünffachen. Dabei setzt das Unternehmen auch auf die Bilanzierungsmethode: Im ersten Schritt wird dabei nicht die gesamte Stahlproduktion selbst dekarbonisiert, sondern es werden lediglich verschiedene Teileinsparungen auf die Gesamtproduktion umgerechnet. Das bedeutet, je stärker die Emissionen im Durchschnitt sinken, desto mehr Stahl kann Arcelor-Mittal als grün deklarieren.

2. CO2 abfangen und speichern:
Der britisch-niederländische Stahlkonzern Tata Steel verfolgt verschiedene Wege, um seine CO2-Emissionen zu senken. Der wichtigste: Das CO2 wird in seinen Prozessen so weit wie möglich reduziert, um es dann abzufangen. Anschließend soll das Gas unterirdisch gelagert werden. Vor allem die Niederlande, aber auch Länder wie Norwegen verfügen über leere Gasfelder in der Nordsee, die sich dafür eignen. Der Vorteil: Die Prozesse ließen sich weitgehend beibehalten, ohne dass CO2 in die Atmosphäre gelangt. Ab spätestens 2027 will Tata so klimaneutralen Stahl in Europa anbieten. Dabei geht es etwa um rund ein Drittel der eigenen Produktion.

3. Umstieg auf Wasserstoff:
Wasserstoff ist der teuerste und aufwendigste Weg, die Stahlproduktion zu dekarbonisieren. Langfristig wird wohl kein Hersteller darum herumkommen, seine Prozesse entsprechend umzustellen. Die Frage ist, wann das passiert. Mit ersten Versuchsprojekten beschäftigt sich fast die gesamte Branche, allerdings eher in kleinem Maßstab. Vorn dabei ist der schwedische Hersteller SSAB, der ab 2026 wasserstoffbasierten Stahl in großen Mengen anbieten will.

Bei der Dekarbonisierung der Stahlproduktion sind schwedische Hersteller derzeit gegenüber ihren mitteleuropäischen Konkurrenten im Vorteil, weil das Land über große Mengen klimaneutral produzierter Energie verfügt. Denn Strom spielt bei der Emissionssenkung eine entscheidende Rolle: Er wird benötigt, um grünen Wasserstoff zu produzieren.

Der wiederum soll die klimaschädliche Kohle im Produktionsprozess ersetzen. Dabei braucht allein die deutsche Stahlindustrie perspektivisch rund 12.000 neue Windräder, um ihre Prozesse auf die Wasserstoffproduktion umzustellen – ganz zu schweigen von den milliardenschweren Investitionen in neue Produktionsanlagen.

SSAB hat daher eine Kooperation einerseits mit dem schwedischen Staatsbergbaukonzern LKAB geschlossen, um sich mit klimaneutral gefördertem Eisenerz zu versorgen. Andererseits arbeitet das Unternehmen auch mit dem Versorger Vattenfall zusammen, um eine grüne Energieversorgung sicherzustellen.

„Solche branchenübergreifenden Projekte werden in Zukunft immer wichtiger“, so die Einschätzung von Daimler-Vorstand Schäfer. „Denn die Klimaziele lassen sich nur erreichen, wenn wir die CO2-Emissionen über die gesamte Prozesskette eliminieren – vom Fördern der Rohstoffe bis zum Recycling des Endprodukts.“

Originalquelle: Daimler sichert sich grünen Stahl aus Schweden (handelsblatt.com)