Zeit zu handeln

Trotz vieler Unklarheiten kurz vor der Wahl in Deutschland gibt es noch Gewissheiten. Eine ist: Die industrielle Gesundheitswirtschaft bringt Deutschland Gesundheit und Wohlstand zugleich. Damit es so bleibt, ist es wichtig, jetzt für die richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen, fordert Heinrich Moisa, Vorsitzender der Geschäftsführung von Novartis Deutschland.

Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs: In Deutschland finden bald Bundestagswahlen statt, und auch für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in unserem Land werden Weichen gestellt. Während vieles noch diskutiert wird – unumstritten ist die fundamentale Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft (IGW):  Sie leistet gleich doppelt wertvolle Beiträge – für jeden Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes.

Zuallererst verbessern ihre Innovationen die Gesundheit und können den Menschen viele Lebensjahre ohne oder mit nur geringer Krankheitslast bescheren. Gab es in der Medizin in den letzten Jahrzehnten schon viele und große Errungenschaften, nimmt gerade durch Digitalisierung, Big Data und Künstliche Intelligenz eine weitere Revolution an Fahrt auf. Krebserkrankungen etwa sind schon heute in einigen Fällen kein Todesurteil mehr. In Zukunft könnten sie – nicht zuletzt durch datengetriebene Forschung und KI – in noch weit mehr Bereichen heilbar oder zumindest zu behandelbar chronischen Krankheiten werden. Und auch bei großen Volkskrankheiten kann der digitale Fortschritt eine deutliche Entlastung bringen: Durch wirksamere Therapiemöglichkeiten, aber auch durch genauere Risikoprofile und somit eine verbesserte Früherkennung. Wir werden in immer mehr Fällen Krankheiten verhindern können, bevor sie überhaupt entstehen.

Zugleich schafft die IGW mit mehr als einer Million Beschäftigten in Deutschland wachsenden Wohlstand. 2023 ist die Zahl der Beschäftigten in pharmazeutischen Unternehmen um weitere 7,4 Prozent gestiegen. Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 95 Milliarden Euro in Deutschland leistet die IGW einen großen Beitrag zu unserem Wohlstand und unserer Zukunft. Kein Wunder, dass die Pharmaindustrie als Eckpfeiler für Gesundheit und einen hohen Lebensstandard in Deutschland von der Bundesregierung als Schlüsselindustrie für die Zukunft eingestuft wird. Zukunft bedeutet für uns Fortschritt, und Fortschritt bedeutet Wissen und Innovation. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung der IGW liegen mit über 16 Prozent des Umsatzes weit über anderen Branchen wie dem Fahrzeugbau oder der Elektroindustrie.

Die IGW als brummender Jobmotor, eine Branche, die für Wertschöpfung in Deutschland sorgt, mit einer hohen Innovationskraft, die der Gesundheit der Menschen zugutekommt – so könnte und sollte es weitergehen. Doch das wird nur gelingen, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Hier stehen wir an einem Scheidepunkt. Als Optimist will ich es so formulieren: Wir haben jetzt noch die Chance, entscheidende Weichen richtig zu stellen und die Erfolgsgeschichte der IGW in Deutschland fortzuschreiben.

Dabei geht es einerseits darum, für Innovation ein Umfeld zu schaffen, in dem sie gedeihen kann. Denn Innovationen sind mit großen und langfristigen Investitionen und Risiken verbunden. Die Entwicklung eines Arzneimittels bis zur Marktreife kostet im Durchschnitt 2,3 Milliarden US-Dollar. Da von 10.000 untersuchten Molekülen nur ein bis zwei als Medikament auf den Markt kommen, ist die Finanzierung von Pharmaforschung riskant. Eine erfolgreiche Innovation muss daher die zahlreichen Forschungsprojekte mittragen, die es nicht auf den Markt schaffen.

Stabile Rahmenbedingungen und Verlässlichkeit seitens der Politik sind unerlässlich, damit wir die Risiken von Innovation eingehen können: Zusagen müssen eingehalten werden, Vereinbarungen verbindlich sein.

Sie sind auch entscheidend in Bezug auf die Digitalisierung: Es braucht Standards, um die Interoperabilität von Daten zu gewährleisten; es braucht entsprechende Förderung und Anforderungen für die Verbesserung der digitalen Infrastruktur. Und, wichtig: Es braucht noch bessere Möglichkeiten zur Nutzung von Gesundheitsdaten. In letzter Zeit ist bereits eine Menge geschehen, auch aufseiten der Gesetzgebung. Mit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDND) und dem Digitalgesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung im Gesundheitswesen (DigiG) haben sich die Rahmenbedingungen bereits deutlich verbessert. Und auch die neu auf den Weg gebrachte elektronische Patientenakte (ePA) hat mit ihrem riesigen Schatz an Daten das Potenzial, ein Schlüssel für Innovationen in der Medizin zu werden.

Dabei hilft die Politik mit einer Förderung von KI und Digitalisierung nicht nur der IGW –Fortschritte in diesen Feldern entlasten das ganze System. Denn Datennutzung und Digitalisierung spielen eine tragende Rolle bei einer nicht nur optimalen, sondern auch kostengünstigeren Gesundheitsversorgung. Studien zufolge lässt sich mithilfe der Digitalisierung ein Großteil der dringend benötigten Einsparungen im Gesundheitssystem erreichen.

Wenn wir jetzt die Weichen richtig stellen, eröffnen sich also gleich auf zwei Ebenen viele Chancen: für das Leben der Menschen und ihre Gesundheit sowie für unsere wirtschaftliche Zukunft. Die IGW steht bereit, unter den richtigen Rahmenbedingungen Deutschlands Stellung im weltweiten Spitzenfeld in Bezug auf Gesundheitsversorgung zu festigen und gar auszubauen. Packen wir es gemeinsam an!