Frage: Was erleben Sie bei der KI-Transformation bei Mittelständlern in der Praxis?
Matthias Bauhammer: Die erste Hürde bei Mittelständlern sehe ich immer ganz am Anfang in der fehlenden Planung mit der Integration der KI-Lösung in das Tagesgeschäft. Wenn ich keinen klaren Strategieplan mit Strukturen und Verantwortlichkeiten schaffe, fährt ein KI-Projekt zuverlässig vor die Wand. Unsere globale AI-Studie mit 2.496 Unternehmen zeigt, dass 94% in der Umsetzung scheitern – meist aus strukturellen, nicht technischen Gründen. Das wird anschaulich, wenn wir sehen, wie eine Pilotphase häufig aufgesetzt wird. Ein Proof-of-Concept für die Pilotphase wird entwickelt und alle am Experiment beteiligten freuen sich, wenn auch die selbst gesteckten Ziele erreicht sind. Überraschend stellt man anschließend aber fest, dass für den nächsten Schritt die konkrete Nutzbarkeit im produzierenden Betrieb vergessen wurde. Das ist ein KI-Pilot in der klassischen Sackgasse. Das ist der Kern des AI Execution Gap.
Frage: Was ist zu tun?
Jürgen Friedrich: Eine professionelle Roadmap für ein KI-Projekt ist nach unseren Erfahrungen unverzichtbar. Ein solcher Plan reicht vom Board bis in den Betrieb und sollte dabei den Faktor Zeit berücksichtigen: Denn wer nicht zügig mit der KI-Strategie anfängt, wird sich spätestens in drei Jahren die Frage stellen müssen, ob die eigene Lieferfähigkeit im Wettbewerb noch gegeben ist.
Frage: Wie reagieren die Kunden auf den ersten KI-Plan?
Matthias Bauhammer: Ein Aha-Moment bei der Roadmap-Planung ist häufig die Erkenntnis, dass KI nicht als reine Technologie eingeführt wird, sondern eine Organisationsentwicklung darstellt. In vielen Organisationen glauben 73 %, KI sollte von technischen Teams geführt werden – genau dort entsteht die Lücke. Erfolgreiche
Unternehmen lassen die Fachbereiche Problem und Ziel formulieren; die Technik gestaltet das Wie. Das beschleunigt Entscheidungen und erhöht die Trefferquote bei echten Werttreibern.
Frage: Welche Rolle spielen Menschen und Qualifizierung?
Jürgen Friedrich: Eine entscheidende. 87 % der fortgeschrittenen Unternehmen investieren aktiv in Upskilling und neue Rollenprofile für Human‑AI‑Teams. Das verschiebt Arbeit von Routine zu höherwertigen Tätigkeiten und macht KI tragfähig im Alltag.
Frage: Und Governance – Pflicht oder Bremse?
Matthias Bauhammer: Weder noch. Richtige Governance ist ein Enabler. 98 % der Unternehmen haben heute Governance‑Ansätze; wirksam wird das, wenn Verantwortlichkeiten, Transparenz und Ethik in Entscheidungen und Prozesse eingebettet sind. Mit Blick auf neue agentische Lösungen braucht es zudem klare Regeln, wann Systeme autonom agieren dürfen und wann Menschen entscheiden.
Frage: Wie gehen Mittelständler mit gewachsenen IT‑Landschaften um?
Jürgen Friedrich: Realistisch und iterativ. Gerade im Mittelstand ist die Integration in hybride/Legacy‑Umgebungen erfolgskritisch. Statt ´Big Bang´ empfehlen wir Pilot‑auf‑Produktion mit wiederverwendbaren Bausteinen: Datenprodukte, wiederverwendbare Komponenten und CI/CD für Modelle. So entsteht Tempo ohne Kontrollverlust.
Frage: Wie lautet Ihr Fazit?
Matthias Bauhammer: Die gute Nachricht: Eine systematische Arbeit lohnt sich. Wir bringen in unseren Kundenprojekten Industrie-Know-how und die Kompetenz für eine End-to-End-KI-Plattform zusammen. Im Ergebnis sehen wir bei der Einführung von KI-Strategien im Mittelstand regelmäßig schnellere Realisierung für das Tagesgeschäft. Damit gelingt es, KI-Visionen zügig in die Praxis umzusetzen.
Jürgen Friedrich: Um das zu erreichen, bietet DXC vom Prozess über die Daten bis zu den Modellen ein durchgängiges Operating-Model an. KI wird damit zum Prozessbestandteil. Ein KI-Modell das operativ läuft ist ein echtes Asset.
Auf der WirtschaftsWoche/Handelsblatt‑Konferenz „KI im Mittelstand“ (19.–20. Mai 2026, Düsseldorf) vertiefen wir diese Themen in unserer Keynote „KI im Mittelstand: Von der strategischen Vision zur realen Umsetzung“ sowie in einer DXC‑Masterclass – mit Live‑Benchmark, Praxisbeispielen und konkreten Templates für den Weg in den Betrieb.