Artikel aus
vom 15. Juli 2026 zur Tagesspiegel Background Konferenz „KRITIS 2026“.
Autorin: Cornelia Last
Die Euroforum Deutschland GmbH, eine Tochtergesellschaft der Handelsblatt Media Group GmbH & Co. KG, hatte zur diesjährigen Veranstaltung „KRITIS 2026“ in Düsseldorf eingeladen. Die Tagesspiegel-Background-Konferenz fand vom 16. bis 17. Juni statt. Mit dabei waren Partner und Förderer aus der Wirtschaft sowie Medienpartner wie beispielsweise der Sicherheits-Berater. Die jährlich stattfindende Veranstaltung dient als Plattform, auf der Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Sicherheitsbehörden zusammenkommen, um Deutschlands kritische Infrastruktur zukunftsfest zu machen.
Es waren zwei intensive Tage voller Inspiration, Neuigkeiten und Networking mit rund 150 Teilnehmenden. Charlotte Morré, die zum 1. August 2026 die Position der Chefredakteurin bei Tagesspiegel Background übernimmt, begrüßte die Teilnehmenden. Lisa Oder und Karsten Wiedemann führten durch das vielfältige Programm mit Keynotes, Impulsvorträgen, Praxisberichten und Diskussionsrunden.
Inhaltliche Bandbreite
Im Fokus standen folgende Themenblöcke:
- Neue Spielregeln für KRITIS-Betreiber: KRITIS-Dachgesetz und NIS-2 in der Praxis
- Resilienz als Führungsaufgabe: Wie Gesellschaft und Unternehmen widerstandsfähig werden
- Digitale Resilienz statt IT-Silos: Sicherheit ganzheitlich denken – von IT bis Betrieb
- Vorbereitet auf den Ernstfall: Resilienz als gesamtgesellschaftliche Übung
- Resilienz neu denken: Europäische Innovationen für KRITIS
- Angriff aus der Luft: Drohnen als hybride Bedrohung für kritische Infrastruktur.
Zu Beginn der Veranstaltung hielt Generalleutnant André Bodemann eine Keynote, in der er die Sicherheitslage Deutschlands aus der Perspektive der Bundeswehr beleuchtete. Er berichtete von hybriden Bedrohungen durch Cyberangriffe, Sabotage und Spionage sowie von der Verbreitung von Fake News. Hinzu kommen gezielte Desinformationskampagnen, die darauf abzielen, Unsicherheit in der Bevölkerung zu schüren.
Die allgemeine Feststellung – nicht nur der Bundeswehr – ist, dass die Angriffe auf kritische Infrastruktur stetig ansteigen und bezüglich Qualität und Quantität zunehmen, wobei das Täterbild diffus ist. In unseren Nachbarländern finden vergleichsweise weniger solcher Aktionen statt und es gibt auch weniger Medienbeeinflussung.
Sicherheitskultur
Konsens der Veranstaltung war, dass Deutschland vor zahlreichen Herausforderungen steht. Unsere Sicherheitskonzepte wurden für Friedenszeiten entwickelt. Die fehlende oder zu niedrig angesetzte Sicherheitskultur wird daher zum strategischen Schwachpunkt. Versorgungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit – man muss etwas dafür tun. Die neuen Erkenntnisse der Informations- und Situationsbewertung müssen genutzt werden, um Sicherheit in komplexen Situationen zu gewährleisten. Dafür ist ein ganzheitliches Lagebild notwendig, um sowohl branchenbezogen als auch sektorübergreifend/vernetzt vorausschauend eine strategisch fundierte Planung zu entwickeln und beispielsweise Awarenesskampagnen und Schulungen aufzusetzen.
Druck durch Regularien
Doch nicht nur geopolitische Spannungen, sondern auch der Klimawandel – insbesondere in Form von Starkregenereignissen – sowie neue gesetzliche Vorgaben setzen kritische Infrastrukturen unter (Zeit-)Druck. Die NIS-2-Richtlinie und das KRITIS-Dachgesetz fordern von Unternehmen ein stärkeres Engagement und Verantwortungsübernahme. Politische und regulatorische Entwicklungen wurden geschaffen. Jetzt gilt es, das Tempo zu erhöhen, um gegensteuern zu können. Tempo ist entscheidend.
Notwendig sind mehr Dialog und auch mehr Personal. Aufgrund der Komplexität und der vielen Schnittstellen sind mehr Abstimmungen erforderlich. Daher ist der Informationsfluss das größte Problem. Der Hierarchiekanal ist zu langsam, sodass derzeit Mängel nur gemanagt, aber nicht beseitigt werden.
Gesetze und Verordnungen bieten keinen ausreichenden Schutz, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden. Die geschaffenen Stellen, z. B. im BBK, reichen zur Unterstützung und Kontrolle von Unternehmen nicht aus. Es fehlt an fachlichen Referenzrahmen, die auf Schutzzielen basieren, sowie an Audits und Zertifizierungen als fachliche Standards. Als weiteres Manko wurde die fehlende Rechtsdurchsetzung und -prüfung für Behörden festgestellt.
Resilienz ist angesichts der Vielzahl von Themen im Dauerfokus. Vor dem Hintergrund der sich rasant verändernden Risikolandschaft ist Tempo erforderlich. Auch ohne die Möglichkeiten durch KI und die sich damit verschärfende Brisanz hervorzuheben. Beginnen könnte man mit einer Stärkung des Grundschutzes und dem Aufbau physischer Resilienz durch Corporate Security. Die Nationale Wirtschaftsschutzstrategie des BMI vom 6. März 2026 zeigt Wege und Handlungsfelder für den Aufbau eines kohärenten Schutzes auf.
Gewiss ist, das Sicherheit nur durch gemeinsames Handeln getragen wird. Und durch eine Sicherheitskultur, die von der Führung getragen wird. Wichtig ist der Blick über den eigenen Tellerrand. Die Bemühungen jedes einzelnen Unternehmens sind erforderlich. Gleichzeitig sollte man die Chance nutzen, sich mit Partnern, z. B. aus demselben Sektor, auszutauschen und gemeinsam zu agieren. Im Rahmen einer Diskussion wurde beispielsweise vorgeschlagen, kein SOC (Security Operations Center) pro Unternehmen aufzubauen, was teuer wäre, sondern eines für den Zusammenschluss branchengleicher Unternehmen. Dadurch könnten Angriffe, die Lage und der notwendige Handlungsbedarf erfasst und Maßnahmen gebündelt erfolgen.
Auf der Agenda der „KRITIS 2026“ standen viele weitere spannende Themen, die von den sehr fachkundigen Referenten als Insider der Behörden und Branchen vorgetragen wurden. Ein Rückblick auf die Veranstaltung zeigt, dass die Schwachstellen und der Handlungsbedarf erkannt sind und nun Maßnahmen folgen müssen.
Gelegenheit zum Austausch
Es lag sehr im Interesse des Veranstalters, das gegenseitige Kennenlernen und eine lockere Atmosphäre zu fördern. Die Pausen sowie die Abendveranstaltung im Biergarten des Frankenheim Stammhauses standen daher unter dem Motto „Get-together“. Auch nach Veranstaltungsende am zweiten Tag wurde von vielen Teilnehmenden weiterdiskutiert, ohne auf die Uhr zu schauen, um den Zug für die Heimreise pünktlich zu erreichen.
Die Veranstaltung bleibt ein fester Bestandteil im Jahreskalender. So steht der Termin für die Tagesspiegel Background Konferenz „KRITIS 2027“ bereits fest: 17. und 18. Juni 2027 in Düsseldorf. Es wird spannend sein, zu erfahren, was sich bis dahin geändert bzw. verbessert hat.
