Wer heute Energie- und Infrastrukturprojekte entwickelt, betreibt Hochleistungssport: Netzkapazitäten, Restriktionen, Bebauungspläne und Marktbedingungen ändern sich laufend – und wer zuerst am richtigen Standort ist, gewinnt. Diese Datenlage aktuell zu halten und daraus schnell die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist mit Erfahrung und Einzelrecherche allein nicht mehr zu leisten. Wer ohne Daten- und KI-Strategie antritt, verliert Zeit dort, wo sie am teuersten ist.
Das Muster ist bekannt: Eine Fläche wirkt geeignet, und erst nach Wochen der Prüfung zeigt sich, dass der Netzverknüpfungspunkt überlastet ist, eine Restriktion greift oder der Bebauungsplan etwas anderes vorsieht. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits Zeit und Kapital gebunden.
Die Daten liegen vor – nur überall verteilt
Der Grund ist selten fehlende Information, sondern ihre Verteilung. Alles, was eine Standortentscheidung braucht, existiert bereits: Netz- und Netzausbaudaten, Flächenrestriktionen, Flurstücksinformationen, Bebauungspläne, Landbedeckung, sozioökonomische Kennzahlen. Diese Daten liegen jedoch in Dutzenden Quellen, Formaten und Zuständigkeiten vor – als PDF, als Fachkataster, als Amtsdatensatz. Sie zusammenzuführen und vergleichbar zu machen, ist die eigentliche Arbeit. Genau daran, nicht an der Projektidee, scheitern Vorhaben.
Ein digitaler Zwilling der Standortfaktoren
Wir führen diese Quellen in einem digitalen Zwilling der Standortfaktoren zusammen, bundesweit und einheitlich aufbereitet. Dazu gehören die digitalisierten Netzausbaupläne von 82 Verteilnetzbetreibern, deren Gebiete zusammen 94 Prozent der Fläche Deutschlands abdecken, rund 150.000 digitalisierte Bebauungspläne sowie flächendeckende Daten zu Restriktionen, Flurstücken, Landbedeckung und Netzinfrastruktur. Einen Teil davon zeigen die deeeper energy maps, unsere frei zugängliche interaktive Karte. Der Zwilling ist mehr als eine Karte: Auf ihm lassen sich Standorte nicht nur finden, sondern bewerten.
Vom Bundesgebiet zur Shortlist
Damit wird Standortsuche zu einem systematischen, mehrstufigen Prozess, der den Suchraum verengt – vom Land bis zum einzelnen Flurstück. Zuerst bestimmen wir unter den Netzgebieten diejenigen, in denen ein Projekt unter Netz-, Markt- und regulatorischen Bedingungen überhaupt lohnend ist. Innerhalb dieser Gebiete lokalisieren wir die konkreten Netzpunkte und Kapazitätscluster, an denen ein Anschluss realistisch ist. Erst dann prüfen wir die Flächen im Umfeld dieser Punkte – anhand von über 50 Parametern je Fläche, von Netzdaten über Restriktionen und Flurstücksinformationen bis zu Landbedeckung und sozioökonomischen Kennzahlen.
Die Verengung ist drastisch: 30 Millionen Flurstücke gehen in die Analyse, zehn Standorte kommen heraus. Und sie ist schnell: über 1.000 Flächen für einen Windprojektentwickler, bewertet in zwei Wochen statt in Monaten. Der Mehrwert liegt nicht in der Datenmenge, sondern in der belastbaren Entscheidung.
Dieselbe Methodik, weit über Erneuerbare hinaus
Diese Logik ist nicht auf Erzeugung beschränkt. Dieselbe Standortanalyse setzen wir in Ansiedlungsstudien für Batteriespeicher, Ladeparks, Rechenzentren und Elektrolyseure ein – überall dort, wo Netzverfügbarkeit, Fläche und Regulierung gemeinsam über die Machbarkeit entscheiden. Für Projektentwickler, Energieversorger, Kommunen und Investoren verschiebt sich die Arbeit damit von der Datensuche hin zur strategischen Bewertung.
Zur Konferenz
Die Handelsblatt-Konferenz „AI in Energy“ stellt die richtige Frage: nicht ob KI relevant ist, sondern wie sie in Investitions- und Planungsentscheidungen einfließt. Standortintelligenz ist darauf eine konkrete Antwort – KI, die verteilte Daten in nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen übersetzt. Als Partner der Konferenz freuen wir uns auf den Austausch in Düsseldorf.