Rüstungsstandort Deutschland: Zeit zu handeln

Die Rückkehr des Krieges nach Europa, hybride Bedrohungen und die rasante technologische Entwicklung fordern von uns, schneller, smarter und stärker zu reagieren. Und die Nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie gibt uns hierfür einen klaren Plan. Die eigentliche Herausforderung lautet aber: Wie setzen wir diese Strategie in wirkungsvolle Maßnahmen um? Auf dem Pfad zu einer zukunftsfähigen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sollten uns die folgenden Faktoren leiten:

Verlässliche Beschaffung und Partnerschaften

Die beschleunigte Umsetzung von Rüstungsprojekten ist ein erkennbares Ziel der neuen Strategie. Es zeigt sich ein gesteigertes Bewusstsein dafür, dass Mut zur Innovation und zur Abkehr von traditionellen Verfahren notwendig ist. Eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Industrie ist jedoch unabdingbar. Frühzeitige Einbindung der Industrie – etwa durch wettbewerbliche Dialoge oder Innovationspartnerschaften – könnte die Effizienz und Zielgenauigkeit der Beschaffung deutlich steigern.

Ein mögliches Instrument hierfür wäre ein Rüstungsbeschleunigungsgesetz. Dies könnte nicht nur rechtliche und organisatorische Hürden abbauen, sondern auch die Basis für einen schnelleren Kapazitätsaufbau in der Industrie schaffen. Gleichzeitig muss bei der Auswahl der Beschaffung zwischen marktverfügbaren Lösungen und Investitionen in heimische Unternehmen abgewogen werden.

Kontinuierliche Produktion für nachhaltige Einsatzfähigkeit

Für die Industrie ist Planungssicherheit unabdingbar. Langfristige Rahmenverträge und klare Abnahmemengen sind essenziell, um Kapazitäten optimal auszunutzen. Insbesondere bei Flugkörpern und Luftverteidigungssystemen zeigt sich, wie wichtig eine kontinuierliche Fertigung ist: Sie verhindert Engpässe in Krisenzeiten, reduziert Produktionszeiten und realisiert Skaleneffekte.

Hierzu bedarf es jedoch politischer Unterstützung in Form von langfristigen Finanzierungszusagen und der Bereitschaft zur Risikoteilung. Nur durch stabile Rahmenbedingungen können Unternehmen wie MBDA ihre Ressourcen effizient einsetzen und ihre Innovationskraft nachhaltig entfalten.

Unterstützende Rahmenbedingungen, agile Prozesse und langfristige Finanzierungszusagen sind der Schlüssel zum Erfolg.

Thomas GottschildGeschäftsführer MBDA Deutschland GmbH und Executive Group Director Strategy MBDA

Forschung und Entwicklung als Treiber technologischer Souveränität

Auch Innovationen können nur dann gelingen, wenn die Industrie langfristig auf die Unterstützung der Politik zählen kann. Der Ukraine-Krieg hat eindrücklich gezeigt, dass moderne Konflikte maßgeblich durch Luftangriffe geprägt werden. Diese Erkenntnis spiegelt sich nun auch in der Nationalen Sicherheitsstrategie wider. Erstmals werden Flugkörper und deren Abwehrsysteme ausdrücklich als nationale Schlüsseltechnologien definiert.

Dieser wichtige Schritt unterstreicht nicht nur ihre Bedeutung für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr, sondern auch ihre zentrale Rolle für die technologische Souveränität Deutschlands. Forschung und Entwicklung in Schlüsseltechnologien – etwa bei hypersonischen Flugkörpern oder modernen Abwehrsystemen – erfordern jedoch stabile Finanzierungszusagen.

Stärke durch europäische Zusammenarbeit und verbesserte Exportbedingungen

Auf dem globalen Markt ist der Wettbewerb um technologische Führungspositionen groß. Eine verstärkte europäische Zusammenarbeit ist daher von zentraler Bedeutung. Programme wie die European Sky Shield Initiative (ESSI) sind hierfür ein Vorbild. Die gemeinsame Beschaffung von 1.000 Patriot PAC-2 GEM-T Flugkörpern durch mehrere NATO-Partner hat nicht nur zur Errichtung einer Produktionsstätte bei MBDA in Deutschland – der einzigen außerhalb der USA – geführt, sondern auch die weltweite Produktionskapazität verdoppelt.

Solche Erfolge zeigen, wie gebündelte europäische Initiativen strategische Unabhängigkeit fördern können. Gleichzeitig müssen aber auch die Exportbedingungen effizient und zielgerichtet bleiben, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden.

Appell an die Politik

Mit ihren Technologien, ihrer Innovationskraft und ihrer Erfahrung ist die deutsche Verteidigungsindustrie ein verlässlicher Partner für die Sicherheit Deutschlands und Europas. Von meiner Seite aus gibt es schon jetzt eine Zusage: Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sieht sich Stand heute in der Lage, die Bundeswehr bis 2029 mit der nötigen Ausrüstung kriegstüchtig auszustatten.

Voraussetzung hierfür ist jedoch eine klare Kommunikation seitens der Politik: Welche Kapazitäten werden in welcher Stückzahl und bis wann benötigt, beauftragt und abgerufen? Unterstützende Rahmenbedingungen, agile Prozesse und langfristige Finanzierungszusagen sind der Schlüssel zum Erfolg. Mit der neuen Strategie wurde ein wichtiger Grundstein gelegt.

Jetzt liegt es an uns allen, diesen Weg konsequent weiterzugehen und die Sicherheitsinteressen Deutschlands und Europas nachhaltig zu sichern.

mbda-deutschland.de

MBDA Deutschland GmbH

 

Advertorial aus dem Handelsblatt Journal Sicherheit und Verteidigung vom 04.02.2025

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