Welche Herausforderung im Bereich Digitalisierung von Staat und Verwaltung müssen wir jetzt angehen und was sind die nächsten Schritte?
Die Digitalisierung wird nicht nur durch unnötig komplizierten Datenschutz und die teils redundante Entwicklung in allen Bundesländern gebremst, sondern hängt auch technologisch hinterher. Wir brauchen mehr Standardlösungen, die idealerweise auf gemeinsamen Standards und mehr Quelloffenheit setzen. Hier gibt es mehrere positive Beispiele aus der EU, an denen wir uns orientieren können. Weiterhin muss auch die Bevölkerung hierauf besser vorbereitet werden; die Berichterstattung in den Medien ist sehr negativ konnotiert und torpediert dabei die notwendige Digitalisierung auf unnötige Art und Weise.
Was meinen Sie, wie sehen Staat und Verwaltung in 5 oder 10 Jahren aus?
Ich bin hier leider weniger optimistisch: Aus eigener Erfahrung der letzten Jahre ist nicht nur eine immense technologische Aufholjagd notwendig, sondern es hat sich zusätzlich auch ein Zustand emotionaler Frustration entwickelt – sowohl aufseiten der Ämter als auch der Bürger. Ich erwarte hier weiterhin einen kuriosen Mix aus mehr oder weniger funktionierenden digitalen Services sowie einer fragmentierten Landschaft und Datenhaltung, die nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Verwaltung unnötig aufhalten wird. Damit wird Deutschland international weiterhin als bürokratisch komplexer Wirtschaftsstandort gebrandmarkt sein.
Was möchten Sie den Teilnehmern des Gipfels als Message mit auf den Weg geben?
Wir müssen stärker in den Dialog gehen und alle Perspektiven der längst überfälligen Digitalisierung betrachten. Deutschland muss wieder ein attraktiver Standort werden. Weiterhin ist es notwendig, alle Beteiligten in die Lage zu versetzen, mehr Zeit in effektive Arbeit zu investieren sowie organisatorische Hürden und Zeitfresser durch fehlende oder schlechte Digitalisierung zu eliminieren. „Made in Germany“ war über viele Jahrzehnte ein Garant für Effizienz und Qualität; diesem Anspruch werden wir schon lange nicht mehr gerecht.