Ohne intelligente Speicher scheitert die Energiewende

Die Energiewende steht an einem Wendepunkt. Ohne eine klare Speicherstrategie drohen steigende Kosten, Wettbewerbsnachteile und neue Abhängigkeiten. Intelligente Speicher sind der Schlüssel zu Flexibilität und Zukunftsfähigkeit – für Energiesystem und Industrie gleichermaßen.

Milliarden für Symptome – statt für Lösungen

Deutschlands Energiesystem ist aus dem Gleichgewicht geraten: Jedes Jahr fließen zweistellige Milliardenbeträge in zentralen Netzausbau, Redispatch-Maßnahmen und pauschale Entlastungen. Allein Eingriffe zur Netzstabilisierung kosteten 2023 rund 3,2 Mrd. €, finanziert über Netzentgelte, die letztlich alle Stromkunden tragen. Hinzu kommen über 1,4 Mrd. € jährlich, die stromintensive Betriebe durch individuelle Netzentgelte einsparen – bislang ohne nachweislich systemdienlichen Beitrag. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) kritisiert diese Schieflage in ihrem aktuellen Diskussionspapier und fordert einen Kurswechsel: weg von pauschaler Kompensation, hin zu gezielten Investitionen in Flexibilität.

Diese Entwicklung ist ein Weckruf für die Industrie. Wer sich auf bestehende Privilegien und Subventionen verlässt, riskiert bei regulatorischen Veränderungen – etwa beim Bandlastprivileg (reduzierte Netzentgelte bei konstantem Verbrauch) – schnell massive Mehrkosten und Wettbewerbsnachteile.

Speicher: Fundament statt Zusatzoption

Intelligente Speicher sind weit mehr als eine technische Ergänzung – sie sind das Fundament einer modernen Energieinfrastruktur. Sie verschieben Energie dorthin, wo sie gebraucht wird, glätten Lastspitzen, stabilisieren Netze und machen Strom planbar und günstiger. Damit werden sie zum entscheidenden Hebel, um erneuerbare Energien zu integrieren, Engpässe zu vermeiden und milliardenschwere Netzausbauprojekte zu verhindern.

Modellstudien zeigen, dass ein gezielter Ausbau von Speicherflexibilität den Bedarf an teuren Höchstspannungsnetzen um eine deutlich zweistellige Prozentspanne reduzieren kann. Für die Industrie ist das ein strategischer Vorteil: Wenn Energie lokal gespeichert und flexibel genutzt wird, sinken Netzentgelte, Engpässe werden vermieden – und Standortkosten bleiben beherrschbar.

Blick über den Tellerrand: Speicher als globaler Wettbewerbsfaktor

Ein Blick ins Ausland zeigt: Speicher sind längst ein strategischer Baustein moderner Energiesysteme. In Kalifornien stabilisieren heute über 15 GW Batteriespeicher ein Netz mit mehr als 35 % Solarstromanteil – und vermeiden so Milliardenkosten im Netzausbau. Selbst das konservative Texas mit seinen reichen Öl- und Gasvorkommen hat nach der Netzkrise 2021 massiv investiert: Ende 2024 waren dort bereits rund 8,6 GW Batteriespeicher installiert, allein im Jahr 2024 kamen 6,5 GW hinzu. Und China baut Speicher inzwischen im Gigawattmaßstab: Allein 2024 wurden 42 GW neu installiert – womit die kumulierte Kapazität auf fast 74 GW wuchs, mehr als 40 % der weltweiten Gesamtkapazität.

Dort wird deutlich, dass Speicher nicht nur Energietechnik, sondern auch industriepolitisches Instrument sind. Deutschlands Chance liegt behind the meter, hinter dem Zähler: in der Industrie. Hier entscheidet sich, ob Unternehmen ihre Flexibilität nutzen, Kosten kontrollieren und Versorgungssicherheit selbst gestalten. Intelligente Speicher und digitale Steuerung machen genau das möglich – direkt am Standort, dort, wo es für Wettbewerbsfähigkeit zählt.

Dezentral denken, lokal handeln

Denn die Energiewelt der Zukunft lässt sich nicht zentral steuern. Rund 400.000 RLM-Messstellen im industriellen und gewerblichen Bereich sowie Millionen dezentrale Erzeuger und Verbraucher erfordern lokale Intelligenz. Speicher schaffen dafür die Grundlage: Sie ermöglichen aktives Lastmanagement – mit höherem Verbrauch bei Stromüberschuss und geringerer Nachfrage bei Knappheit – und machen Flexibilität wirtschaftlich nutzbar. Ohne Speicher und digitale Steuerung bleibt das System reaktiv – und teuer.

Politik als Hebel – Industrie als Treiber

Damit sich das ändert, braucht es neue politische Rahmenbedingungen:

  1. Zeitvariable Netzentgelte: Dynamische Tarife müssen Flexibilität belohnen und Preissignale setzen, wann Stromverbrauch systemdienlich ist.
  2. Gezielte Investitionsanreize: Sofortabschreibungen und zinsfreie Kredite können Investitionen in Speicher, Power-to-Heat-Anlagen und digitale Steuerung beschleunigen.
  3. Offene Steuerungsarchitektur: Standardisierte und interoperable Technik „Made in Germany“ stärkt Souveränität und reduziert Abhängigkeiten.

Doch auch die Industrie ist gefragt. Wer heute in Speicher, Flexibilität und intelligente Steuerung investiert, reduziert nicht nur seine Energiekosten und CO₂-Emissionen, sondern macht sich unabhängiger von politischen Entscheidungen. Mit KI-optimierten Steuerungslösungen wie denen von neustrom lassen sich Energieflüsse in Echtzeit steuern, Flexibilitäten vermarkten und Stromkosten deutlich senken.

Speicherpolitik ist Standortpolitik

Energiespeicher entscheiden nicht nur über Netzstabilität und Klimaziele – sie entscheiden über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Wer sie ignoriert, riskiert hohe Kosten, regulatorische Abhängigkeiten und eine wachsende Standortlücke. Die neue Bundesregierung muss umsteuern: weg von Symptombekämpfung durch milliardenschwere Subventionen – hin zu einer Strategie, die dezentrale Speicher, Flexibilität und intelligente Steuerung ins Zentrum stellt.

Und die Industrie? Sie sollte nicht warten, bis die Politik handelt. Wer jetzt in die Transformation investiert, verwandelt das größte Risiko in den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Über neustrom

neustrom – powered by Frequenz ist ein führender Partner für energieintensive Industrie- und Gewerbeunternehmen in Deutschland. Mit dem KI-Piloten – einer KI-basierten Steuerungs- und Softwarelösung – stellt neustrom die digitale Infrastruktur für das neue Energiezeitalter bereit. Prognosen und Optimierung in Echtzeit senken Energiekosten um bis zu 30 % und verringern Beschaffungsrisiken sowie CO₂-Emissionen. Die Lösung ermöglicht eine flexible Nutzung von Eigenerzeugung, Speichern und Marktzugängen durch automatisierte, präzise Steuerung.

Bild: Intelligente Speicher stabilisieren Netze, senken Kosten und sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende. © neustrom – powered by Frequenz