Netzeinschränkungen und Speicher: Das Rückgrat einer resilienten Energiewirtschaft

Die Energiewende schreitet voran, doch das Stromnetz kommt zunehmend an seine Grenzen. Immer wieder müssen erneuerbare Erzeugungsanlagen abgeregelt werden, weil der Strom nicht dorthin transportiert werden kann, wo er gebraucht wird. Zwar zeigen aktuelle Zahlen, dass sich Redispatch-Volumen und -Kosten zuletzt leicht rückläufig entwickelt haben, doch die Eingriffe verdeutlichen weiterhin, wie stark der steigende Anteil fluktuierender Erzeugung Netzplanung, Märkte und Betriebskonzepte herausfordert.

Gleichzeitig verschiebt sich der Engpass im Energiesystem zunehmend von der Infrastruktur hin zu den Märkten: Die sinkenden Marktwerte – vor allem bei Photovoltaik – werden zum zusätzlichen Bremsklotz der Transformation. Durch die hohe gleichzeitige Einspeisung sinken die Preise zu Sonnenstunden so stark, dass sich neue Anlagen kaum noch rechnen. Analysen von Aurora Energy Research zeigen, dass der Marktwert von Solarstrom inzwischen deutlich unter dem durchschnittlichen Börsenstrompreis liegt.

Dabei zeigt sich immer klarer: Speicher statt Netzausbau – das kann die schnellere und kosteneffizientere Antwort auf die Engpässe der Energiewende sein.

Damit rückt ein neues Schlüsselthema in den Mittelpunkt: Flexibilität. Energiespeicher können Überschüsse aufnehmen, Energie zeitversetzt einspeisen und somit auch Preissignale glätten. Sie sind damit nicht nur ein technisches, sondern auch ein marktliches Rückgrat der Energiewende – und der Schlüssel zu einem stabilen, wirtschaftlich tragfähigen Energiesystem. Ohne Speicher bleibt die Energiewende Stückwerk – mit ihnen entsteht ein flexibles, steuerbares und wirtschaftlich tragfähiges System.

Während der Netzausbau Jahre dauert und enorme Kosten verursacht, lassen sich Speicher in wenigen Monaten realisieren – meist durch private Investoren statt durch staatliche Förderung. Sie entlasten Netze und Verbraucher gleichermaßen. Doch damit Speicher ihr volles Potenzial entfalten können, braucht es klare Preissignale und bessere regulatorische Rahmenbedingungen für ihren gezielten Einsatz.

Aus Sicht von Entrix bestehen dabei zwei zentrale Handlungsfelder:

  1. Der Umgang mit Netzrestriktionen braucht klare Preissignale:
    Wenn Netze überlastet sind oder Einspeisungen begrenzt werden, muss das sichtbar gemacht werden: Wo herrscht ein Engpass? Wo ist Flexibilität gefragt? Und wo entsteht Systemwert durch Anpassung? Diese Informationen in dynamische Preise zu übersetzen und somit in Vermarktungsstrategien integrierbar zu machen, ist entscheidend, um Flexibilität effizient zu steuern. Die aktuellen Konsultationen zur Reformierung der Netzentgeltsystematik bieten hier eine wertvolle Chance, um dies umzusetzen.
  2. Speicher sind das verbindende Element des Energiesystems.
    Sie nehmen überschüssige Energie auf, wenn Sonne und Wind Spitzen liefern, und geben sie gezielt zurück, wenn das System sie braucht. Damit glätten sie nicht nur Lastprofile und Preisspitzen, sondern tragen zunehmend auch dazu bei, die aktuelle Herausforderung begrenzter Netzanschlusskapazitäten zu entschärfen. In vielen Regionen können heute nicht alle neuen Erzeugungsanlagen ans Netz gehen, weil die Netzanschlüsse ausgelastet sind – Speicher schaffen hier Flexibilität, indem sie Energie lokal puffern und so Netzengpässe temporär überbrücken. Am Beispiel Kalifornien zeigt sich deutlich, wie durch den Einsatz von Batteriespeichern (BESS) weiterer Photovoltaikzubau ermöglicht wird: Die gespeicherte Energie kann zu wertvolleren Zeiten vermarktet werden, wodurch Netze, Märkte und der Ausbau erneuerbarer Energien gleichermaßen profitieren.

Erfahrungen aus der Praxis

1. Komplexität verstehen, nicht vereinfachen.

Netzeinschränkungen sind nie eindimensional. Ob Rampenbegrenzungen, tageszeitabhängige Einspeiseobergrenzen oder dynamische Abregelung – jede Anlage hat eigene Restriktionen. Die Kunst liegt darin, sie zu modellieren, zu antizipieren und in die Handelsoptimierung einzubinden. Ignorieren oder simplifizieren ist keine Option mehr, wenn die Energiewende funktionieren soll.

2. Einschränkungen als Chance begreifen und gemeinsam Lösungen finden.

Herausforderungen im Netzbetrieb können auch Anstoß für Innovation sein. In einem unserer Projekte haben wir eine intelligentere Fahrweise des Batteriespeichers entwickelt, um die Auswirkungen des schnellen „Hochfahrens“ auf das Netz zu minimieren. Parallel entstand ein Prognosemodell für Redispatch, das es ermöglicht, die Fahrweise dynamisch so anzupassen, dass sich der Speicher bei Engpässen netzdienlich verhält.

Zwar sind damit keine unmittelbar höheren Gesamterträge verbunden – betrachtet man jedoch die Rampenlösung isoliert, zeigt sich ein deutlicher Effekt: Durch die optimierte Steuerung konnten die Umsatzeinbußen bei langsamen Rampen von rund –40 % auf –10 % reduziert werden. Das Projekt verdeutlicht, wie sich durch enge Zusammenarbeit mit Netzbetreibern technische Einschränkungen in gemeinsam entwickelte Lösungen verwandeln lassen, die sowohl das Netz stabilisieren als auch den Betrieb wirtschaftlicher machen.

3. Effizienz zählt.

Während Netzausbau oft Jahre dauert und enorme Kosten verursacht, lassen sich Speicher innerhalb von Monaten realisieren. Sie sind damit nicht nur die schnellste, sondern auch die kosteneffizienteste Antwort auf lokale Engpässe und systemische Risiken. Der Netzausbau ist teuer und wird letztlich von der Gesellschaft über

steigende Netzentgelte finanziert. Speicher hingegen werden ohne Förderung, also durch nicht-staatliche Investoren, realisiert. Sie entlasten Netze und Verbraucher gleichermaßen – und leisten so einen doppelt wirksamen Beitrag zu einer wirtschaftlich tragfähigen Energiewende.

Die Diskussion sollte sich nicht länger darum drehen, ob Speicher notwendig sind, sondern wie und wo sie am wirkungsvollsten eingesetzt werden können.

Netzrestriktionen sind im heutigen Energiesystem an manchen Stellen notwendig – entscheidend ist jedoch, dass sie sinnvoll gestaltet sind, und gemeinsam erarbeitet wird, wie mit diesen Restriktionen umgegangen wird und welche Rahmenbedingungen ermöglichen, dass sie sowohl Netzsicherheit als auch Marktdynamik fördern. Speicher und Flexibilitäten können hier eine verbindende Rolle zwischen Markt, und Netz einnehmen. Sie ermöglichen, Energie gezielt dort aufzunehmen oder bereitzustellen, wo sie gebraucht wird – und helfen so, Engpässe zu entschärfen und Systemstabilität zu sichern.

Um diese Potenziale zu heben, braucht es offenen Austausch zwischen Übertragungsnetzbetreibern, Verteilnetzbetreibern, der BNetzA, dem Gesetzgeber und Marktakteuren. Nur gemeinsam lassen sich Restriktionsmodelle gestalten, die für alle Seiten sinnvoll und praktikabel sind. Öffentliche Foren und Konferenzen bieten dabei eine wertvolle Plattform, um Erfahrungen zu teilen und neue Ansätze zu diskutieren – mit dem Ziel, das Beste aus beiden Welten zu vereinen: technologische Stabilität und wirtschaftliche Effizienz.

Speicher sind keine Lückenfüller, sondern ein tragendes Element einer sicheren und zukunftsfähigen Energiewirtschaft.