Netzanschlussverfahren: Schlankere Prozesse und neue Modelle als Lösung

Der Umbau unseres Energiesystems ist eine zentrale Aufgabe. Damit er gelingt, braucht Deutschland eine Versorgung, die flexibel, dezentral und wirtschaftlich tragfähig ist. Batteriespeicher übernehmen dabei eine Schlüsselrolle: Sie stabilisieren die Netze, gleichen schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarstrom aus und senken die Gesamtkosten der Versorgung. Für Unternehmen bedeutet das mehr Planungssicherheit, geringere Energiekosten und eine höhere Unabhängigkeit von Preisschwankungen an den Strommärkten.

Netzanschluss als zentrales Nadelöhr

Unternehmen und Investoren stehen jedoch vor einer entscheidenden Hürde: dem Netzanschluss. Viele Projekte verzögern sich, weil Verfahren zu komplex, uneinheitlich und langwierig sind. Rund 800 Netzbetreiber mit eigenen Regeln und regional unterschiedlichen Vorschriften schaffen ein Flickenteppich-System, das Vorhaben über Monate oder Jahre ausbremst.

Besonders problematisch wirkt das sogenannte Windhundprinzip: Wer zuerst beantragt, wird zuerst angeschlossen. Das führt oft zu spekulativen Blockaden. Kapazitäten werden reserviert, ohne dass ein Projekt tatsächlich startklar ist. Realisierbare Vorhaben bleiben auf der Strecke.

Die Nachfrage nach Netzanschlüssen übersteigt bereits heute das verfügbare Angebot. Verzögerungen bremsen Investitionen, privates Kapital bleibt ungenutzt und wertvolle Zeit geht verloren. Parallel wächst der Ausbau erneuerbarer Energien, doch ohne Batteriespeicher lassen sich diese Kapazitäten nicht verlässlich und systemdienlich ins Netz integrieren. Für Unternehmen hat das gravierende Folgen: Energieprojekte sind schwer kalkulierbar, Kosten steigen durch verspätete Realisierung, und die Wettbewerbsposition leidet. Insgesamt geraten damit Versorgungssicherheit, Planbarkeit und die Attraktivität des Standorts Deutschland deutlich unter Druck.

Politik und neue Modelle als Ausweg

Die Verantwortung für die Vergabe von Netzanschlüssen darf nicht länger allein bei den Netzbetreibern liegen. Hier ist auch die Politik gefragt. Es geht um nichts weniger als die Frage, wie verlässlich, nachhaltig und dezentral die Stromversorgung künftig sein wird. Diese Dringlichkeit wird durch die aktuellen Ergebnisse des Energiemonitorings im Auftrag des BMWEs unterstrichen. Das Monitoring erkennt die Bedeutung der Netzanschlussthematik an und gibt erste Impulse, etwa durch den Ausbau von Transparenzmaßnahmen, digitalisierten Prozessen, Standort- und Kostenanreizen sowie kooperativen Lösungsansätzen. Diese Schritte sind zwar richtig, müssen jedoch konsequent weiterentwickelt und umgesetzt werden. Die Bundesregierung muss das Thema zur Priorität machen. Die Energierechtsnovelle bietet die Chance, verbindliche Regeln für Investitionen und klare Rahmenbedingungen für den Ausbau von Batteriespeichern zu schaffen.

Dabei reicht es jedoch nicht, Prozesse nur zu beschleunigen. Es braucht neue Modelle. Bislang gilt: Anlagen dürfen nur ans Netz, wenn genügend Kapazität vorhanden ist. Das verursacht Engpässe. Ein Ausweg ist Connect-and-Manage: Projekte werden frühzeitig angeschlossen, Netzverstärkungen folgen. Engpässe werden nicht durch starre Vorgaben gelöst, sondern über marktnahe Flexibilitätsmechanismen, die effizienter wirken. Andere Länder wie Großbritannien, Irland, Spanien und Italien machen das bereits vor.

Denn ohne schnellere und flexiblere Netzanschlussverfahren bleiben viele Innovationen ausgebremst, die notwendige Flexibilisierung unseres Stromsystems kommt nicht ausreichend voran, und Unternehmen können ihre Energieversorgung weder verlässlich noch effizient sichern.

Politik, Netzbetreiber und Unternehmen müssen jetzt gemeinsam handeln, um die Grundlage für eine verlässliche, nachhaltige und wettbewerbsfähige Stromversorgung in Deutschland zu schaffen.

Autor: Johannes Linder ist Group Director für System Design & Innovation bei der Elevion Group und initiierte die ersten großskaligen Batteriespeicherprojekte der Gruppe in Deutschland. Die Elevion Group erwirtschaftet derzeit über 1,3 Milliarden Euro Umsatz, ist in 13 Ländern aktiv und beschäftigt mehr als 5.000 Mitarbeitende.

Weitere Informationen finden Sie unter www.eleviongroup.com