Mit Künstlicher Intelligenz und in Kooperation können wir Krebs die Stirn bieten

Die Anzahl an Krebsneuerkrankungen wird in den kommenden Jahren beträchtlich steigen. Deshalb sollten wir neue Technologien und die Kompetenz vieler richtig nutzen.

Die Zahl ist beklemmend: weltweit 77 Prozent mehr Krebsneuerkrankungen als im Jahr 2022 – diese Prognose für das Jahr 2050 veröffentlichte jüngst die Internationale Behörde für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dies wird in großem Umfang Industrieländer wie Deutschland und andere europäischen Staaten treffen. Zuallererst die Menschen, die sich dieser Diagnose stellen müssen. Zudem gehen damit volkswirtschaftliche Konsequenzen einher. Schon heute werden die gesamten wirtschaftlichen Folgekosten von Krebs in Europa auf mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Durch bessere Prävention Krebs vermeiden

Die Gründe für die Zunahme an Neuerkrankungen sind vielfältig. Wichtige Einflussfaktoren sind die Alterung der Bevölkerung, die sozioökonomische Entwicklung und Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Alkohol und Umweltfaktoren.

Nun gilt es, die Gesundheitssysteme an diese Entwicklungen anzupassen. Dazu gehört, mehr dafür zu tun, Krebs und andere Erkrankungen zu vermeiden. Das Potenzial dafür ist bei weitem nicht ausgeschöpft, wie mein Kollege Sebastian Zirfas an dieser Stelle ausgeführt hat. Für Krebserkrankungen gehen Schätzungen davon aus, dass mehr als 40 Prozent vermieden werden könnten, wenn das bestehende Wissen dazu angewendet würde.

Todesfälle vermeiden – Krebs besser behandeln

Optimistisch stimmt mich der wissenschaftliche Fortschritt in der Onkologie: Obwohl die Neuerkrankungen steigen, sinkt aktuell der Anteil der Menschen, die an einer Krebserkrankung sterben. Dazu möchte auch Pfizer beitragen. Wir haben uns als ehrgeiziges Ziel gesetzt, bis 2040 die Überlebensrate bei vielen der tödlichsten Krebsarten zu verdoppeln. Dazu setzen wir zum einen auf innovative Wirkmechanismen. Wir fokussieren in unserer Forschung auf zielgerichtete Therapien – dazu gehören Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, bispezifische Antikörper, kleine Moleküle sowie Immunonkologika. Zum anderen setzen wir auf die Nutzung neuer technologischer Möglichkeiten, um dazu beizutragen, dass Patient:innen die für sie optimale Therapie erhalten. Der Bedarf hierfür ist hoch, denn aktuell wird nur rund die Hälfte der Menschen mit Krebs leitliniengerecht behandelt.

OPTIMA: Künstliche Intelligenz nutzen, Therapie optimieren

Daran knüpft das öffentlich-private Forschungsprogramm OPTIMA (Optimal Treatment for Patients with Solid Tumours in Europe Through Artificial Intelligence) an, das ich von Unternehmensseite herleite: Es geht im Wesentlichen um zwei Dinge. Einerseits möchten wir durch OPTIMA sicherstellen, dass Patient:innen mit Brust-, Lungen- oder Prostatakrebs die für sie bestmögliche Therapie bekommen. Andererseits möchten wir mit Daten aus dem Versorgungsalltag Behandlungsrichtlinien ergänzen, wenn es darin keine Empfehlungen für bestimmte Patient:innengruppen gibt. Dafür entwickeln wir im Konsortium mit knapp 40 Partnern aus mehr als zehn Ländern eine europäische Datenplattform und nutzen das Potenzial von Künstlicher Intelligenz in der Medizin. Dabei sind Fachgesellschaften, Patientenvertreter:innen, Kliniken, wissenschaftliche Einrichtungen und mehrere Unternehmen mit an Bord. Alle Akteure haben bestimmte Kernkompetenzen und diese bündeln wir für den optimalen Einsatz der bestehenden und zukünftigen Therapiemöglichkeiten. Wenn wir auf öffentlicher und privater Seite kooperieren, die neusten technologischen Möglichkeiten nutzen und unser geballtes Wissen einsetzen, können wir Menschen mit Krebs in Zukunft immer besser helfen.