Mehr als nur Vorbeugung: Prävention als Antwort auf die Krisen im Gesundheitswesen

Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der fortschrittlichsten der Welt. Doch eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus dem vergangenen Jahr zeigt eine besorgniserregende Diskrepanz: In Westeuropa belegen wir in punkto Lebenserwartung einen der letzten Plätze. Eine Hauptursache hierfür sind Todesfälle, die sich durch Prävention verhindern ließen – etwa auf dem Feld der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Prävention als Wirtschaftsfaktor

Prävention geht jedoch weit über den reinen Gesundheitsaspekt hinaus und kann ein entscheidender Wirtschaftsfaktor sein. Eine aktuelle Untersuchung des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) zeigt den Zusammenhang: Im vergangenen Jahr verursachten krankheitsbedingte Arbeitsausfälle einen volkswirtschaftlichen Schaden von 26 Milliarden Euro. Mit Blick auf die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik haben diese Ausfälle mit einem Minus von 0,8 Prozent gar dazu beigetragen, dass wir als Land in die Rezession gerutscht sind.

Ein Paradigmenwechsel für ein robustes Gesundheitssystem

Fakt ist: Das deutsche Gesundheitssystem konzentriert sich noch zu sehr auf Heilung und zu wenig auf Prävention. Dies muss sich ändern! Wir sind bereit, gemeinsam mit Politik und anderen Akteuren im Gesundheitswesen an dieser Transformation zu arbeiten. Das Ziel ist klar: Vermeidbare Erkrankungen zu stoppen, bevor sie überhaupt entstehen. Dieser Paradigmenwechsel bietet einen dreifachen Gewinn – eine gesteigerte Lebenserwartung in Deutschland, geringere wirtschaftliche Verluste durch Krankheitsausfälle und eine spürbare finanzielle Entlastung unseres unter Druck stehenden Gesundheitssystems.

Politischer Konsens ja, Gestaltungswille nein

Eigentlich besteht breiter Konsens: Keine politische Fraktion im Deutschen Bundestag, keine Bürgerin und kein Bürger würde sich gegen das Ziel einer effektiveren Prävention aussprechen. Was allerdings fehlt, ist der Rahmen: Die politische Initiative sich langfristig einer evidenzbasierten Stärkung von Prävention zu widmen. Dies muss nicht zwingend zusätzliche finanzielle Mittel bedeuten. Eine datengestützte Analyse, wie beispielsweise durch den von Pfizer mit initiierten Präventionsindex, kann aufzeigen, wo und welche Präventionsmaßnahmen sinnvoll sind, um potenzielle Erkrankungen zu verhindern.

Kurzfristig umsetzbar mit direktem positivem Effekt: Niedrigschwellige Impfangebote

Impfungen können Krankheiten effizient und einfach verhindern. In diesem Bereich muss Deutschland dringend aufholen. Ein vielversprechender Ansatzpunkt sind die sogenannten ‚Low-Hanging-Fruits‘, die bereits von unseren europäischen Nachbarn erfolgreich genutzt werden: Durch niedrigschwellige Impfangebote, beispielsweise in Apotheken, konnten sie ihre Impfquoten signifikant steigern. Apotheker sind nicht nur fachlich versiert, sondern genießen auch ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung. Die Einführung ganzjähriger Impfangebote für alle Totimpfstoffe in Apotheken könnte nicht nur Arztpraxen entlasten, sondern auch die Rolle der Apotheken stärken und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsprävention in Deutschland leisten.

Das Beispiel der Impfungen in Apotheken zeigt, wie schnell und effektiv sich Gesundheitsprävention verbessern lässt. Doch viele andere Maßnahmen erfordern einen längeren Atem und kontinuierliches Engagement. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass wir alle gemeinsam – Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft – der Gesundheitsprävention einen dauerhaft hohen Stellenwert einräumen. Wenn das gelingt, profitiert jede und jeder Einzelne von uns davon. Packen wir es an!