Eine nachhaltige Zukunft ist ohne funktionierende Kreislaufwirtschaft nicht möglich. Es muss gelingen, in der Produktion und im Konsum Materialien so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf zu halten. Das heißt konkret: Wiederverwerten, Reparieren, Aufbereiten, Recyceln oder Teilen. Dahinter liegt ein großes Potenzial, das sich auf eine Vielzahl von Branchen und Produkte erstreckt. Der Weg dorthin wird jedoch nur möglich sein, wenn jeder Einzelne, jede Organisation und jede Regierung die Notwendigkeit erkennt und ihr Handeln daran ausrichtet. Auch wir alle als Gesellschaft müssen unsere Denkweisen verändern und Gewohnheiten anpassen. Unternehmen müssen ihre Prozesse und Produkte transformieren, ganze Branchen müssen sich deutlich weiterentwickeln. Regierungen und politische Entscheidungsträger:innen müssen Fortschritt fördern. Und all das müssen wir JETZT tun.
Jeder Schritt in der Wertschöpfungskette zählt
Bei Henkel wollen wir eine Vorreiterrolle beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft einnehmen. Dabei ist ein holistischer Ansatz wichtig, denn das Thema ist eng mit anderen Nachhaltigkeitsaspekten wie Klimaschutz, Biodiversität oder sozialer Verantwortung verknüpft. Wir arbeiten mit Partnern entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette zusammen, um konkrete Verbesserungen zu erzielen. Das beginnt mit der Beschaffung von recycelten oder bio-basierten Rohstoffen und erstreckt sich über die Aufklärung von Verbraucherinnen und Verbrauchern, wie sie unsere Produktverpackungen wiederverwenden oder recyceln können. Wenn wir von nachhaltigen Verpackungen sprechen, so bedeutet das für uns: Verpackungsmaterial so weit wie möglich reduzieren – ohne Abstriche bei Qualität, Leistung oder Sicherheit unserer Produkte. Das heißt auch, 100 Prozent unserer Verpackungen recycelfähig oder wiederverwendbar zu gestalten und möglichst viel Material aus nachhaltigen Quellen einzusetzen. Als globaler Konsumgüterhersteller tragen wir hier eine Verantwortung, doch auch mit unseren vielseitigen Klebstoff-Technologien leisten wir einen entscheidenden Beitrag zu einer Kreislaufwirtschaft. Zum Beispiel durch Innovationen, die das „Debonding“ von mehrschichtigen Verpackungen und damit das fachgerechte Recycling der einzelnen Materialien ermöglichen.
Damit Unternehmen eine wirtschaftlich tragfähige Kreislaufwirtschaft verwirklichen können, müssen die richtigen Rahmenbedingungen auf EU- und globaler Ebene gesetzt werden.
Die richtigen Rahmenbedingungen setzen
Daher sind intensive Diskussionen über Gesetzgebung, die zum Beispiel im Rahmen des United Nations Global Plastic Treaty erarbeitet werden, wichtig. Die Festlegung eines rechtlich bindenden Regelwerks für die Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Kunststoffen wird für Akteure entlang der Wertschöpfungskette mehr Klarheit schaffen. Auch die Europäische Union (EU) hat ein starkes Signal gesendet, indem sie 2020 ihren Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft (CEAP) verabschiedet hat. Dieser stellt das Thema im Kontext des Green Deals der EU in den Vordergrund, der die Gesamtanstrengungen für nachhaltiges Wachstum umfasst. Aber auch die Zusammenarbeit auf lokaler und regionaler Ebene ist wichtig – wie beispielsweise unsere Partnerschaft mit der Circular Valley Stiftung in Nordrhein-Westfalen, die uns hilft, zukünftig mit Start-ups und Wissenschaftler:innen aus aller Welt an innovativen Lösungen für die Kreislaufwirtschaft zu arbeiten.
Um die Anforderungen dieser ambitionierten und wichtigen nachhaltigen Agenda zu erfüllen, ist ein funktionierender EU-Binnenmarkt unabdingbar. Dafür müssen zum Beispiel die Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen sichergestellt, Abfallsysteme harmonisiert und EU-weite „Design für Recycling“-Vorgaben gesetzt werden. Nur so können Unternehmen die Ziele auch erfüllen.
Gemeinsames Handeln über Branchen hinweg
Mit Blick auf die Zukunft sollte die Industrie als Wegbereiter und Anbieter von Lösungen im Einklang mit der Agenda für die Kreislaufwirtschaft gesehen werden. Dies sollte sich auch in einer zukunftsorientierten Industriepolitik widerspiegeln, die eine klimabewusste, zirkuläre und ökologisch sowie sozial nachhaltige europäische Wirtschaft ermöglicht. Dabei brauchen wir auch Technologieneutralität und -offenheit, um wettbewerbsfähig und innovativ zu bleiben.
Als Mitglied des Verbands der Chemischen Industrie schließt sich Henkel den Forderungen nach neuen Maßnahmen zur Förderung von nachhaltigen Technologien, wie chemischem Recycling, an. Mehr Unterstützung von Seiten der Regierung würde wertvolle Fortschritte ermöglichen und Investitionssicherheit schaffen. Darüber hinaus teilen wir Wissen und arbeiten mit anderen Unternehmen im Consumer Goods Forum zusammen, um den Weg zur Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.
Die Notwendigkeit, eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft zu etablieren, um die globalen Herausforderungen zu bewältigen, ist unumstritten. Doch während es Einigkeit darüber gibt, bleibt die Frage nach dem Weg in vielen Fällen offen. Denn Konsens darüber, was getan werden muss, bedeutet noch keinen Konsens darüber, wie es getan werden soll. Eine nachhaltige Veränderung schaffen wir nur, wenn wir die richtigen regulatorischen Rahmenbedingungen setzten, Akteure zusammenbringen und einen konstruktiven Dialog fördern, um gemeinsame Lösungen zu finden. Wir brauchen den Austausch, um neue Ansätze zu finden. Dazu trägt auch die Handelsblatt-Konferenz „Circular Economy“ bei.