Kollaboration ist ein zentraler Baustein der CE Transition
Die Umsetzung der Circular Economy stellt eine systemische Transformation dar. Um den Übergang von den aktuellen, linearen Produkt- und Materialflüssen zu effektiven Kreisläufen zu gestalten, braucht es eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaftsaktivitäten entlang der Wertschöpfungsketten. Viele ambitionierte Unternehmen arbeiten aktuell mit Hochdruck daran, neue Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei stehen die Akteure jedoch oft vor der Herausforderung, dass sie die damit verbundenen notwendigen Veränderungen nicht alleine umsetzen können. Herausforderungen können etwa der fehlende Zugang (z.B. zu den eigenen Produkten am Produkt Lebensende oder zu alternativen Materialien), fehlendes Fachwissen (z.B. Kenntnisse über Recyclingprozesse, die großen Einfluss auf das Produktdesign haben), aber auch die unsichere Wirtschaftlichkeit neuer Lösungen (z.B. mangelnde Skaleneffekte für neue Anwendungen oder unsichere Akzeptanz) sein. Unternehmens-Kooperationen können einen zentralen Beitrag leisten, diese Barrieren zu überwinden und zirkuläre Alternativen zu entwickeln und zu etablieren.
Allerdings: Auch wenn aktuell viel über Kooperationen gesprochen wird, ist die tatsächliche Umsetzung oft herausfordernd. Für eine erfolgreiche Kooperation ist es wichtig, genau zu überlegen, welche Partnerschaften es für welche Ansätze braucht, diese Partnerschaften bewusst aufzusetzen und über die Zeit aktiv zu gestalten.
Den richtigen Partner zu finden, bedarf klarer Ziele und einer breiten Suche
Vielen Unternehmen ist zu Beginn noch nicht klar, wie genau die zukünftige Circular Economy in ihrem Sektor aussieht und welche Rolle sie darin spielen möchten. Dementsprechend unsicher ist häufig auch, mit wem sie genau kollaborieren könnten und zu welchem Zweck. Erschwerend kommt hinzu, dass die benötigten Partner oft auch nicht im direkten Umfeld zu finden sind. Potenzielle Mitstreiter sind manchmal 2-3 Wertschöpfungsstufen entfernt, sind bislang Wettbewerber oder kommen aus anderen Industrien. Es müssen also neue Kontakte geknüpft, Erfahrungen ausgetauscht und neues Vertrauen aufgebaut werden, bevor man eine konkrete Zusammenarbeit beginnen kann.
Für Unternehmen lohnt es sich, schon früh Zeit in die Fragen zu investieren, welches Ziel man selbst verfolgt und wer dafür die richtigen Partner sind. Konferenzen wie die des Handelsblatts bieten eine Möglichkeit des offenen Austauschs und Inspiration. Sektorspezifische Kollaborationsprogramme wie etwa das CiCEL (consumer electronics) Programm von Circularity, CEFLEX (plastics packaging), Circular Republic (battery recycling) oder CatenaX (automotive) geben Raum für die gemeinsame Exploration konkreter Ansätze und die Anbahnung von Partnerschaften.
Partnerschaften leben vom offenen Umgang miteinander
In den meisten Projekten stellt sich relativ schnell heraus, ob man eine ähnliche Vision und Ziele verfolgt, ob das Ambitionsniveau zueinander passt, ob die Wissensstände in den Organisationen ähnlich sind und welche grundsätzlichen Interessenunterschiede es möglicherweise gibt. Vorteile für den einen Partner können Umsatzeinbußen für andere bedeuten, oder sogar ganze Geschäftsmodelle in Frage stellen. Auch kulturelle Unterschiede können für Reibung sorgen.
Daher ist es für den gemeinsamen Erfolg zentral, auf diese Herausforderungen einzugehen und die Kooperation aktiv zu managen.
- Gemeinsame Zielsetzung: Zu Beginn der Kollaboration Zeit nehmen, um sich Klarheit über das Circular Economy Zielbild der Industrie zu verschaffen und den Weg dahin abzustimmen. Diese Arbeit bietet die Grundlage, um anschließend das gemeinsame Ziel für die Kollaboration zu formulieren und das Ambitionsniveau festzulegen.
- Wissen aktiv teilen: Einblicke in die Arbeit des anderen ermöglichen, um ein ganzheitliches Verständnis über die Organisationen hinweg zu erreichen, um darauf aufbauend gemeinsam neue Ansätze entwickeln zu können. Ein organisierter Austausch auf allen Arbeitsebenen hilft, Wissensunterschiede festzustellen und durch entsprechende Peer-learning Formate oder Trainings abzubauen.
- Frühzeitiges Testen: Pilotprojekte organisieren, um die Zusammenarbeit im kleinen Maßstab auszuprobieren und zu validieren.
- Offener Umgang mit Konfliktpotenzialen: Transparenz über die jeweiligen Interessen schaffen und pro-aktiv Kompromisse suchen, um die Zusammenarbeit an einem gemeinsamen höheren Ziel zu ermöglichen.
Erfahrene Facilitatoren können helfen, die gemeinsame Zielsetzung zu schärfen und Kooperationen zu organisieren und zu begleiten.
Fazit: Erfolgreiche Kollaborationen bewusst aufsetzen und managen
Auch wenn der breite Austausch von zufällig zusammenkommenden Akteuren zu Beginn inspirierend sein kann: Für die konkrete gemeinsame Umsetzung der Circular Economy braucht es mehr. Die erfolgreiche Anbahnung von Unternehmens-Partnerschaften und die erfolgreiche Zusammenarbeit gelingt nicht durch Zufall, sondern braucht aktives Engagement für die gezielte Vernetzung, gemeinsames Lernen und gemeinsame Exploration, und bewusstes Management in der Umsetzung. Nur dann können wir gemeinsam Wertschöpfung neu gestalten.
Aus unserer Arbeit
Paul Wöbkenberg und Marianne Kuhlmann sind Mitgründer von Circularity, dem professionellen Netzwerk und Do-Tank für die Circular Economy in Deutschland. Seit 2018 arbeiten sie mit Partnern aus Wirtschaft und Industrie an der Entwicklung und Umsetzung von zirkulären Lösungen, dem Aufbau von Partnerschaften und der gemeinsamen Transformation der Wertschöpfung. Zu der Arbeit von Circularity gehören insbesondere sektorspezifische strategische Programme wie etwa das CICEL Programm für die Consumer Electronics Industrie, Fachveranstaltungen und Konferenzen, sowie kollaborative Workshops und fokussierte Unternehmens-Projekte. Ihre Mission ist es, Gestalter:innen in Wirtschaft und Gesellschaft in der Transformation zu stärken und zu begleiten und starke Kollaborationen zu schmieden, um Circular Economy Ansätze in die Umsetzung zu bringen. Aus der langjährigen Arbeit hat das Team viele Einblicke in die Herausforderung der Entwicklung und Umsetzung der CE gewonnen und Best Practices für die unternehmerische Zusammenarbeit gesammelt.