Interview mit Ulrich Freude, Head of Defense Solutions – Schwarz Digits

Welche Herausforderung im Bereich Digitalisierung von Staat und Verwaltung müssen wir jetzt angehen und was sind die nächsten Schritte?

Die größten Herausforderungen liegen meiner Meinung nach in der Überwindung von Datensilos und der Gewährleistung digitaler Souveränität. Wir müssen uns von geschlossenen Einzellösungen lösen und hin zu resilienten, europäischen Infrastrukturen bewegen, die Sicherheit und Flexibilität vereinen. Nur so können wir kritische Abhängigkeiten wirksam reduzieren.

Die nächsten Schritte sind:

  • Infrastruktur konsolidieren: Der Aufbau einer souveränen Infrastruktur, die den strengen europäischen regulatorischen Anforderungen entspricht.
  • Standardisierung: Wir müssen einheitliche Schnittstellen für den sicheren Datenaustausch zwischen Verwaltung und Sicherheitsbehörden schaffen. Dies ist ein entscheidender Hebel für die Cybersicherheit, da klare Standards die Komplexität reduzieren, Angriffsflächen minimieren und die systemweite Resilienz stärken.
  • Skalierbarkeit: Wir müssen belastbare Lösungen entwickeln, die den Sprung aus dem Labor in die Fläche meistern – von der zivilen Verwaltung bis hin zur operativen Unterstützung der Bundeswehr auf taktischer Ebene.

Was meinen Sie, wie sehen Staat und Verwaltung in 5 oder 10 Jahren aus?

Der Staat der Zukunft wird zwingend digitaler und resilienter sein müssen, um handlungsfähig zu bleiben.

  • Digitale Transformation als Notwendigkeit: Angesichts des demografischen Wandels und des daraus resultierenden Fachkräftemangels ist es unabdingbar, Verwaltungsvorgänge durchgängig digital abzubilden. Nur durch Automatisierung und effiziente Prozesse sichern wir die staatliche Leistungsfähigkeit langfristig.
  • Resilienz durch Design: Angesichts täglicher Cyberbedrohungen ist Cybersicherheit für uns bereits heute kein “Add-on”, sondern integraler Bestandteil unserer Architektur. Mit dem Zielbild einer „Cybernation“ schaffen wir in den nächsten 5 bis 10 Jahren eine flächendeckende Widerstandsfähigkeit. Unser Ziel muss sein, dass Cyberangriffe nicht mehr zu tagelangen Stillständen führen, sondern durch intelligente, dezentrale Strukturen und automatisierte Wiederherstellungsmechanismen unmittelbar abgefangen werden.

Was möchten Sie den Teilnehmern des Gipfels als Message mit auf den Weg geben?

Technologie ist ein mächtiges Werkzeug und das Fundament unserer Arbeit – aber sie ist nicht die alleinige Lösung. Meine Kernbotschaft lautet: Technologie ist die Basis, aber der entscheidende Faktor ist der Mensch.

Wir müssen ein gemeinsames Verständnis dafür schaffen, dass die digitale Transformation hin zu mehr Souveränität und Resilienz für unsere Handlungsfähigkeit existenziell ist. Vor Herausforderungen dieser Tragweite darf kein Akteur im Alleingang stehen. Es gilt, Silodenken konsequent aufzubrechen und in einem starken Schulterschluss die Verantwortung für die Sicherheit und Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu übernehmen.