Interview mit Cihan Sügür, Associated Partner Public & Defense – MHP – A Porsche Company

Welche Herausforderung im Bereich Digitalisierung von Staat und Verwaltung müssen wir jetzt angehen und was sind die nächsten Schritte?

Die größte Herausforderung bei der Digitalisierung von Staat und Verwaltung ist fehlende Geschwindigkeit bei gleichzeitig mangelnder Verbindlichkeit. Entscheidungen dauern zu lange, Zuständigkeiten sind fragmentiert, und Beschlüsse werden zu oft nicht konsequent umgesetzt. Wir brauchen klare politische Führung mit zentralen Zuständigkeiten und echtem Durchgriffsrecht. Einheitliche Standards müssen verbindlich gelten, Abweichungen dürfen nicht mehr finanziert werden. Entscheidend ist eine radikale Fokussierung auf schnelle Umsetzung mit klarer persönlicher Verantwortung statt weiterer Konzepte und Pilotprojekte.

Was meinen Sie, wie sehen Staat und Verwaltung in 5 oder 10 Jahren aus?

In fünf bis zehn Jahren wird Staat und Verwaltung entweder deutlich schlanker, digital nutzbar und entscheidungsfähig sein – oder politisch an Legitimität verlieren. Standardisierte digitale Dienste werden dann der Normalfall sein, nicht mehr die Ausnahme, und Verwaltungsprozesse laufen Ende-zu-Ende ohne Medienbrüche. Führung und Verantwortung werden klar zugeordnet sein, weil Geschwindigkeit zur zentralen Steuerungsgröße geworden ist. Der Föderalismus wird weiterhin bestehen, aber bei IT-Architektur und Kernprozessen seine Grenzen akzeptieren müssen. Gelingt dieser Wandel nicht, wird der Abstand zwischen staatlicher Leistungsfähigkeit und privater Erwartungshaltung weiter gefährlich wachsen.

Was möchten Sie den Teilnehmern des Gipfels als Message mit auf den Weg geben?

Alles lässt sich ändern, wenn wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Geschwindigkeit ist keine technische Frage, sondern eine Frage von Führung und Haltung. Verbindlichkeit entsteht dort, wo Zuständigkeiten klar sind und Konsequenzen folgen. Der Staat kann leistungsfähig, modern und digital sein, wenn wir aufhören, uns hinter Strukturen zu verstecken. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Veränderung möglich ist, sondern ob wir den Mut haben, sie jetzt durchzusetzen.