Software Defined Defence ist daher das neue zentrale Paradigma für die Entwicklung der Streitkräfte der Zukunft. Im Mittelpunkt steht das Ziel, die enormen Potenziale von Software für die stetige Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Streitkräfte zu nutzen. Militärische Systeme sollen digital ertüchtigt und fortlaufend adaptiert werden, damit schnelle Anpassungen an sich ändernde Bedrohungen durch Software-Updates ohne physische Modifikationen an der Hardware möglich werden.
Darüber hinaus zeigt sich in der Ukraine, dass nicht nur klassische militärische Systeme einen entscheidenden Beitrag leisten, sondern beispielsweise herkömmliche Internet of Things(IoT)-Geräte zu großen Sensornetzwerken zusammengebunden werden, um bei der Luftraumüberwachung zu unterstützen und den Mangel an Radarsystemen auszugleichen. Diese Entwicklungen stellen unsere bisherigen Systemlogiken vor große Herausforderungen, da wir nach wie vor stark auf die Anbindung einzelner Plattformen, z. B. Fahrzeuge, fokussiert sind.
Open Source als Wegbereiter für Integration und Sicherheit
Es erfordert echte Kollaboration staatlicher Akteure sowie der Industrie, um Modularität, Systemoffenheit, Interoperabilität und tiefe Integrierbarkeit zu erreichen. Dies ist in Europa nur durch einen Open-Source-Ansatz realisierbar. Warum? Weil offene Standards und transparente Entwicklungsprozesse die Grundlage für echte Interoperabilität und Harmonisierung bilden. Open-Source-Software erlaubt es, Systeme schnell anzupassen und Sicherheitslücken unmittelbar zu schließen. Sie fördert Innovation, indem Entwicklerteams auf behördlicher und ziviler Seite europaweit ihre Ressourcen bündeln und langfristig den öffentlichen Auftraggeber befähigen, seine Systeme selbst zu betreiben und weiterzuentwickeln. Dies verhindert gleichzeitig die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern – ein entscheidender Aspekt, um die strategische Souveränität Europas zu wahren.
Schutz kritischer Infrastruktur als Argument für Kollaboration
Ein weiterer Faktor, der die Bedeutung von Open Source unterstreicht, ist der Schutz kritischer Infrastruktur, denn moderne Konflikte werden nicht nur auf militärischen Gefechtsfeldern ausgetragen. Der Schutz kritischer Infrastruktur, die Versorgung der Bevölkerung und die Aufrechterhaltung von Kommunikationsnetzen sind ebenso entscheidend. Dazu muss eine enge Verzahnung zwischen militärischen und zivilen Akteuren sichergestellt sein. Ein Open-Source-Ansatz ermöglicht es, dass Streitkräfte und zivile Behörden auf dieselben Software-Plattformen zugreifen können, ohne in Konkurrenz zueinander zu treten. Dies wäre ein entscheidender Schritt, um die Resilienz Europas gegenüber hybriden Bedrohungen zu stärken.
Warum Europa eine andere Strategie als die USA braucht
Während die USA mit Initiativen wie JADC2 (Joint All-Domain Command and Control) bereits große Fortschritte in der Harmonisierung gemacht haben, steht Europa vor erheblichen Herausforderungen. Der europäische Verteidigungsmarkt ist weiterhin stark fragmentiert. Nationale Einzelinteressen dominieren häufig über die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und die kollektive Effizienz. Gleichzeitig sind europäische Beschaffungsprozesse langsamer und zielen auf die Einführung langentwickelter und komplexer Produkte. In den USA sind Entwicklungszyklen – zumindest in Bezug auf Software – agiler und schneller, da es eine größere Offenheit für das Testen von Prototypen gibt. Gleichzeitig arbeiten viele Tech-Talents für oder mit staatlichen Behörden. Dadurch können Softwarelösungen gemeinsam entwickelt und Feedbackschleifen verkürzt werden.
Fazit: Open Source um Standortnachteile auszugleichen
Die Softwareentwicklung befindet sich in der Transformation. Open-Source-Software wird ein Schlüssel sein, um die strategischen Standortnachteile auszugleichen und Europa souveräner, sicherer und resilienter zu machen. Deutschland kann mit einer umfassenden Open-Source-Strategie Vorreiter sein, um die zwingend notwendige Harmonisierung von Verteidigungsfähigkeiten in Europa voranzutreiben.
Advertorial aus dem Handelsblatt Journal Sicherheit und Verteidigung vom 04.02.2025
