Europa darf nicht nur Markt, sondern muss auch Hersteller sein

Europas Wasserstoffwirtschaft steht an einem Scheideweg. Im Gespräch mit der
Handelsblatt-Journal-Redaktion erläutert Michael Alexander Meister, CEO von Quest One, warum wir jetzt auf industrielle Skalierung, technologiepolitische Weichenstellungen und eine starke lokale Wertschöpfung setzen müssen.

Artikel aus dem Handelsblatt Journal Energiewirtschaft vom September 2026

Der Wasserstoffhochlauf verläuft schleppend. Wo stehen Deutschland und Europa heute?

Die Bundesregierung erwartet bis 2030 einen Wasserstoffbedarf von 95 bis 130 TWh. Dieser soll in Sektoren eingesetzt werden, in denen die direkte Elektrifizierung nicht sinnvoll oder nur schwer möglich ist. Allerdings sind in Deutschland momentan nur rund 193 MW Elektrolysekapazität in Betrieb, weitere 1,2 GW befinden sich im Bau. Gleichzeitig zeigen geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie mit Russland, wie wichtig grüner Wasserstoff als strategischer Baustein für Energiesicherheit und technologische und wirtschaftliche Souveränität ist. Wer seine Energieversorgung diversifiziert und zentrale Zukunftstechnologien ausbaut, stärkt die eigene Resilienz in einem geopolitisch unsicheren Umfeld. Die Herausforderung besteht nun darin, Angebot, Infrastruktur und Nachfrage synchron zu entwickeln.

Welche politischen Weichen sind dafür jetzt unabdingbar?

Die europäischen Länder brauchen einen konsequenten „Made-in-Europe“-Ansatz: Die Energiewende kann nur dann dauerhaft Innovation und Wertschöpfung sichern, wenn die zugrunde liegenden Technologien in Europa entwickelt und produziert werden. Instrumente wie der Net-Zero Industry Act oder der Industrial Accelerator Act gehen in die richtige Richtung, müssen aber in ihrer Anwendung näher an die industrielle Realität rücken. Bei Ausschreibungen und Förderprogrammen müssen Kriterien wie europäische Wertschöpfung, Cyberresilienz sowie technologische Exzellenz explizit berücksichtigt werden. Europa soll nicht nur Leitmarkt sein, sondern auch Leitproduzent werden. Sonst entstehen neue Abhängigkeiten genau in den Technologien, die unsere wirtschaftliche Zukunft prägen werden.

Wie stellt sich Quest One konkret auf die nächste Phase des Hochlaufs ein?

Der Trend geht weg von kleinen lokalen Lösungen, hin zu Großanlagen in der Industrie. Deren Anforderungen bedient das jüngste Update der Modular-Hydrogen- Platform (MHP) nun noch besser. Die MHP basiert auf 10-MW-Blöcken und skaliert bis in den dreistelligen MW-Bereich. Neu sind unter anderem eine Outdoor-Variante sowie integrierte Lösungen für Kühlung, Frischwasseraufbereitung und Wasserstoffreinigung. So sinken Schnittstellenrisiken und Projektkosten unserer Kunden. Gleichzeitig erreicht Quest One marktführende Wirkungsgrade von bis zu 77 Prozent und bietet hohe Flexibilität bei Lastwechseln. Das bedeutet höhere Betriebssicherheit und eine noch einfachere Integration in industrielle Prozesse. Diese Schritte braucht es jetzt, um von Pilotprojekten in die industrielle Skalierung zu kommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.questone.com

Die Herausforderung besteht darin, Angebot, Infrastruktur und Nachfrage synchron zu entwickeln.

Michael Alexander MeisterCEO, Quest One
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Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „ENERGIEWIRTSCHAFT“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
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