Energiewende im Stau: Speicher statt fossiler Reserve

Das neue Energiewende-Monitoring zeigt ein gespaltenes Bild: Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet schneller voran als erwartet, doch die Flexibilität hinkt hinterher. Photovoltaik und Wind liefern immer mehr Strom, aber immer öfter dann, wenn er im System keinen Platz findet. Die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen hat sich seit 2024 nahezu verdoppelt. Investoren und Verbraucher zahlen am Ende den Preis für fehlende Speicher.

Der Speicherhochlauf benötigt keine Subventionen. Er braucht aber faire Rahmenbedingungen, damit Speicher im Wettbewerb mit fossilen Flexibilitätsressourcen bestehen können.

Unsere Erwartung an die neue Bundesregierung ist klar: Sie muss den Weg frei machen für eine Speicherstrategie, die Markt und Netz gleichermaßen entlastet, sowie Kosteneffizienz sicherstellt und Versorgungssicherheit stärkt.

Technologieoffenheit statt fossiler Lock-in

Der geplante Kapazitätsmechanismus darf nicht zu einem Subventionsprogramm für Gaskraftwerke werden. Heute diskutierte Ausschreibungen konzentrieren sich einseitig auf fossile Technologien. Dabei zeigen Studien längst: Bereits bis 2030 könnten Batteriespeicher den Bedarf an neuen Gaskraftwerken signifikant reduzieren – völlig ohne staatliche Hilfen.

Speicher leisten zudem einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit. Gerade in der vielbeschworenen Dunkelflaute können sie Lastspitzen abfedern und das Netz Hand in Hand mit den – ohne Frage erforderlichen – Gaskraftwerken stabilisieren. Wer also Versorgungssicherheit ernst nimmt, darf Speicher nicht länger in der Nebenrolle sehen.

Wir fordern, dass die neue Bundesregierung technologieoffene Verfahren etabliert, in denen Speicher fair bewertet werden. Dazu gehört auch, De-Rating-Faktoren kritisch zu überprüfen, die Speicher systematisch schlechterstellen als konventionelle Kraftwerke.

Netzentgelte fair gestalten

Im AgNES-Prozess skizziert die Bundesnetzagentur neue Netzentgeltstrukturen und droht damit, Speicher ab 2029 mit zusätzlichen Gebühren zu belasten. Das ist ein Widerspruch: Anlagen, die Netze entlasten, sollen Netzkosten zahlen wie Verbraucher.

Wir erwarten Klarheit. Speicher müssen dauerhaft von Netzentgelten befreit werden, solange sie nachweislich netzdienlich arbeiten. Dabei muss die Prämisse gelten: „Netzdienlich ist, was Netzkosten senkt“. Alles andere schwächt Investitionssicherheit und verteuert die Energiewende unnötig.

Baukostenzuschüsse endlich beenden

Der Bundesgerichtshof hat jüngst entschieden, dass Netzbetreiber Baukostenzuschüsse für Batteriespeicher unterschiedslos wie von Letztverbrauchern erheben dürfen. Ein schwerer Rückschlag und ein Beleg für die regulatorische Schieflage. Speicher sind keine klassischen Letztverbraucher. Sie beziehen Strom, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und speisen ihn zurück, wenn er gebraucht wird. Die Lenkungswirkung, Kernargument für die Erhebung von Baukostenzuschüssen, läuft bei Speichern ins Leere, da Speicher flächendeckend im ganzen Bundesgebiet entstehen müssen.

Die Politik muss hier korrigierend eingreifen: Das aktuelle Verfahren zur Erhebung von Baukostenzuschüssen für Speicher verzerrt den Markt und muss reformiert werden, damit Netzanschlüsse endlich planbar und diskriminierungsfrei werden.

Anschluss beschleunigen, Engpässe entschärfen

Während der Bau von Kraftwerken und Netzen Jahre dauert, sind Speicher innerhalb weniger Monate errichtet. Dieses Potenzial darf nicht länger vernachlässigt werden. Notwendig sind schnellere Genehmigungen, Cluster-Anschlüsse und standardisierte Verträge für Engpassmanagement. Speicher können gezielt dort errichtet werden, wo Netzengpässe wiederkehrend auftreten und so Redispatch-Kosten in Milliardenhöhe vermeiden.

Speicher als Preisdämpfer begreifen

Noch immer hält sich das Missverständnis, Speicher könnten Preise nur in die Höhe treiben. Das Gegenteil ist richtig: Indem sie in Knappheitsstunden teure fossile Spitzenlastkraftwerke verdrängen, senken sie das Preisniveau und glätten extreme Ausschläge. Das macht den Markt berechenbarer, stabilisiert Investitionen und spart Verbrauchern Kosten.

Ein Speicherrahmen statt Stückwerk

Die neue Bundesregierung darf die Speicherfrage nicht länger vertagen. Es reicht nicht, den Ausbau von Erneuerbaren zu feiern und gleichzeitig Milliarden in fossile Reservekapazitäten zu lenken. Entscheidend ist, dass Strom nicht nur erzeugt, sondern auch zur richtigen Zeit verfügbar wird.

Dafür braucht es jetzt einen verbindlichen politischen Rahmen: technologieoffene Kapazitätsmechanismen, die Befreiung von Netzentgelten, die Abschaffung von Baukostenzuschüssen und eine Beschleunigung der Anschlussverfahren.

Und nicht zuletzt braucht es eine politische Entscheidung darüber, wie stark die Bundesnetzagentur über die Zukunft der Speicher bestimmen soll – oder ob diese Weichenstellung nicht klar in die Verantwortung der Politik gehört. Speicher sind kein ‚nice to have‘, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Energiewende sicher, kosteneffizient, bezahlbar und investitionsfreundlich gelingt.