Energiespeicher als Rückgrat industrieller Transformation

Speicherbedarf im industriellen Maßstab

Die Energiewende verändert die Architektur des Energiesystems grundlegend. Während Photovoltaik und Windkraft die Stromerzeugung dominieren, entsteht auf der Nachfrageseite ein wachsender Bedarf an Flexibilität – vor allem in Industrie und Netzbetrieb. Energiespeicher sind dabei kein optionales Element, sondern die Voraussetzung für eine sichere, planbare und kosteneffiziente Versorgung.

Aktuelle Prognosen verdeutlichen die Größenordnung: Der Netzentwicklungsplan 2023 weist für Großbatteriespeicher einen Zuwachs von heute gut 1,4 GWh auf bis zu 61 GWh im Jahr 2037 und 136 GWh bis 2045 aus¹. Parallel wird der Bedarf an Langzeitspeichern – etwa in Form von Wasserstoff – mit 70 bis 100 TWh für Deutschland bis 2045 beziffert². Diese Zahlen markieren die Lücke zwischen heutigem Ausbau und den Anforderungen einer klimaneutralen Industriegesellschaft.

Vom Netzstabilisator zum industriellen Produktionsfaktor

Für Energieversorger sind Speicher längst mehr als reine Backup-Systeme. Großbatterien sichern die Netzfrequenz, stellen Regelenergie bereit und reduzieren Netzausbaukosten. Sie werden als Handelsinstrument eingesetzt, um Preisschwankungen an den Strombörsen auszugleichen. Für Betreiber bedeutet dies neue Geschäftsmodelle, die sich aus Arbitrage, Systemdienstleistungen und Flexibilitätsmärkten speisen.

In der Industrie wiederum fungieren Speicher als Brücke zur Dekarbonisierung. Besonders energieintensive Sektoren wie Chemie, Stahl oder Papier nutzen bereits heute Speicher, um Lastspitzen abzufedern, Strom aus Eigenerzeugung zwischenzuspeichern und die Produktionsplanung resilienter zu gestalten. Mit zunehmendem CO₂-Preis gewinnt diese Flexibilität nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich an Gewicht.

SolidFlow-Batterien für Rechenzentren

Ein besonders dynamisches Anwendungsfeld für großskalige Energiespeicher sind Rechenzentren. Ihr Energiebedarf wächst kontinuierlich, und gleichzeitig stehen Betreiber unter Druck, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz in Einklang zu bringen.

Rechenzentren zählen zu den wachstumsstarken Verbrauchern digitaler Infrastrukturen – und ihr Energiebedarf ist bereits heute beachtlich. In Deutschland lag der Stromverbrauch im Jahr 2023 bei nahezu 18 Mrd. kWh, was etwa 3,7 % des gesamten deutschen Stromverbrauchs entspricht³. Zudem prognostiziert die Bundesregierung auf Basis von Studien (Bitkom, Borderstep) für 2030 einen Rechenzentrumsbedarf in Deutschland zwischen 25 und 35 TWh jährlich⁴. Auf EU-Ebene zeigt der JRC-Report, dass Rechenzentren 2022 zwischen 45 und 65 TWh Strom verbrauchten – entsprechend 1,8 bis 2,6 % des Gesamtverbrauchs der EU⁵.

CMBlu Energy hat hierfür mit der SolidFlow-Batterie eine Technologie entwickelt, die speziell für lange Speicherdauern (5 bis 10 Stunden) ausgelegt ist und ohne seltene Metalle oder kritische Rohstoffe auskommt. In Kombination mit erneuerbaren Energien ermöglichen diese Speicher zwei zentrale Einsatzszenarien:

  • Off-Grid-Data-Center: In Regionen mit instabilen Netzen oder abgelegenen Standorten können Rechenzentren komplett über erneuerbare Energien plus SolidFlow-Speicher betrieben werden. Das sorgt für 100 % Energieautonomie, ermöglicht den Verkauf überschüssiger Energie am Markt und schafft planbare Energiepreise über den gesamten Lebenszyklus.
  • On-Grid-Data-Center: In netzgebundenen Standorten fungiert die SolidFlow-Batterie als Resilienz- und Optimierungsschicht. Sie bietet unterbrechungsfreie Versorgung während Netzstörungen, senkt Energiekosten durch Peak Shaving und Lastverschiebung und eröffnet zusätzliche Einnahmen durch Teilnahme an Märkten für Systemdienstleistungen.

Damit werden Rechenzentren von reinen Stromverbrauchern zu aktivenAkteuren, die lokale Netze stabilisieren und den Anteil erneuerbarer Energien erhöhen können. Für Betreiber bedeutet das: höhere Resilienz, planbare Energiekosten und die Möglichkeit, ESG- und Net-Zero-Ziele schneller zu erreichen.

Herausforderungen für Versorger und Industrie

Trotz technologischer Reife hemmen drei Faktoren den Markthochlauf:

  1. Regulatorische Unsicherheit – Die Netzentgeltbefreiung für Speicher gilt nur bis zum 4. August 2029, es ist offen, wie Speicher nach diesem Termin im deutschen Energierecht behandelt werden.
  2. Investitionsrisiken – Großspeicher im dreistelligen Millionenbereich erfordern stabile Rahmenbedingungen, um bankable zu sein.
  3. Systemintegration – Speicher müssen intelligent gesteuert werden, um Mehrwert über Energieverschiebung hinaus zu liefern, etwa für Spannungshaltung oder Schwarzstartfähigkeit.

Fazit der Handelsblatt Energiespeicher-Konferenz: Speicher als strategischer Standortfaktor!

Für Industrie, Energieversorger und digitale Infrastrukturen steht fest: Energiespeicher sind nicht nur technische Begleiter, sondern strategische Standortfaktoren. Sie entscheiden darüber, ob die Transformation zur Klimaneutralität gelingt, ohne dass Versorgungssicherheit oder Wettbewerbsfähigkeit gefährdet werden.

Die aktuellen Ausbauzahlen belegen Fortschritte, doch die Diskrepanz zu den Zielwerten bleibt groß. Düsseldorf bot hier die Bühne, um Brücken zwischen Technologie, Regulierung und Markt zu schlagen – und damit die Energiewende vom Schlagwort zur verlässlichen Infrastruktur zu machen.

Auf dem Panel “Welche Speichertechnologien prägen das nächste Jahrzehnt im Markt?” mit Prof. Dr. Alexander Michaelis vom Fraunhofer IKTS plädierte CMBlu Energy CEO Constantin Eis vehement dafür, nun endlich ins Doing zu kommen.

Ein Blick auf die gigantischen Energieerzeugungs- und Speicherprojekte in den USA, die dort derzeit im Multi-Gigawattbereich entstehen, um den Energiehunger der künftigen KI-Rechenzentren zu stillen, ließe die kleinteilige und langwierige Diskussion hierzulande um Regulatorik, Förderbedingungen und Technologieoffenheit, sowie das Hin- und Herschieben der Verantwortung zwischen Bundesnetzagentur und Netzbetreibern, geradezu nebensächlich erscheinen.

Mit der SolidFlow-Technologie von CMBlu, aber auch anderen alternativen Speichertechnologien, die hierzulande entwickelt werden, habe Deutschland und Europa die Chance, nicht nur ein eigenes erneuerbares Energiesystem zukunftsfest, nachhaltig, kostengünstig und resilient zu gestalten, sondern diese Speichertechnologien global zu vermarkten und dort eine Technologieführerschaft zu behaupten, die wir bei Solartechnik und Lithium-Batterien längst an China verloren haben. Und das, obwohl etliche dieser Schlüsseltechnologien hier erfunden wurden, wie Prof. Michaelis betonte.

Literaturverzeichnis

1. Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT, & TransnetBW. (2023). Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045, Version 2023 (NEP 2023). https://www.netzentwicklungsplan.de

2. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). (2023). Langfristszenarien für die Transformation des Energiesystems in Deutschland. BMWK. https://www.bmwk.de

3. Jones Lang LaSalle (JLL). (2023). German data center market: Addressing rising demand. JLL Research. https://www.jll.com/en-de/insights/german-data-center-market-addressing-rising-demand

4. Borderstep Institute. (2022). Data centers 2021: Energy efficiency, sustainability, and innovation in Germany. Borderstep Research Report. https://www.borderstep.de/wp-content/uploads/2022/08/Borderstep_Rechenzentren_2021_eng.pdf

5. European Commission, Joint Research Centre. (2024). Energy consumption in data centres and broadband communication networks in the EU (JRC135926). Publications Office of the European Union. https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC135926