Drei Jahre lang haben wir Perception-Architektur für autonome Fahrzeuge entwickelt. Dann kamen Kunden aus dem Verteidigungs- und Infrastrukturbereich mit einem anderen Problem auf uns zu, eines, das ihre bestehenden Systeme nicht lösen konnten: die zuverlässig Erkennung und Klassifizierung kleiner, kostengünstiger Drohnen, die zunehmend eine Bedrohung für kritische Infrastrukturen darstellen.
Dieser Wandel hin zu Drohnenerkennung, Perimetersicherheit und Infrastrukturschutz ist inzwischen weit fortgeschritten. Er hat uns einiges darüber gelehrt, wie Perception-Technologie in einem sicherheitskritischen Umfeld tatsächlich funktionieren muss, und ich denke, das ist für alle relevant, die für den Schutz kritischer Infrastruktur verantwortlich sind.
Die Lücke, die herkömmliche Radarsysteme offenlassen:
Günstige, leicht verfügbare Drohnen sind heute eine ernste und wachsende Bedrohung für kritische Infrastruktur. Viele von ihnen durchdringen bestehende, mehrschichtige Detektionssysteme problemlos, indem sie eine Nahbereichslücke ausnutzen, die konventionelle Radarsysteme – ursprünglich für Flugzeuge und größere Drohnen entwickelt – nie schließen sollten. Betreiber stehen dadurch vor der Herausforderung, große Flächen, heterogene Infrastrukturen, hohe Fehlalarmraten und begrenzte personelle Ressourcen gleichzeitig zu bewältigen.
Der Unterschied liegt in der Architektur, nicht im Radar:
Unsere Antwort bestand nicht darin, bestehende Radarsystem schrittweise zu verbessern. Wir mussten uns auf eine grundlegend andere Perception-Architektur konzentrieren, aufgebaut auf einem proprietären Silizium-Photonik-Chip und einem faserbasierten, verteilten Sensorikkonzept.
Dieser Ansatz liefert rund die zehnfache Winkelauflösung konventioneller Radarsysteme, und weil die Technologie verteilt ist statt auf einen einzelnen Sensor angewiesen. Um präzise zu sein, muss sie über verschiedene Umgebungen hinweg skalieren, ohne einen einzelnen Ausfallpunkt, und auch unter widrigen Bedingungen wie Nebel, Regen und schlechter Sicht zuverlässig bleiben.
In der Praxis bedeutet das die Erkennung kleiner Ziele – darunter Drohnen der Klasse 1, FPV-Plattformen und tieffliegende Luftfahrzeuge – genau in dem Nahbereich, in dem aktuelle Systeme die größten Schwachstellen aufweisen. Unsere Technologie muss Drohnen von Vögeln unterscheiden können und sogar einzelne Drohnen innerhalb eines Schwarms identifizieren.
Warum die Architektur wichtiger ist als jeder einzelne Sensor:
Die wichtigste Erkenntnis aus unserem Wandel ist, dass Resilienz nicht aus einer einzelnen Technologie entsteht. Sie ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Sensorik, Systemintegration und operativen Prozessen. Wir haben unsere verteilte Perception nicht als fertiges Produkt verstanden, sondern als Baustein: als Mittel, um Wahrnehmung, Klassifizierung und die Qualität von Entscheidungen zu verbessern.
Erst wenn sie in die bestehenden Leit-, Kontroll- und Reaktionssysteme eines Betreibers integriert wird, entfaltet sie ihren tatsächlichen Mehrwert.
Was das für Infrastrukturbetreiber bedeutet:
Für Betreiber lautet die Frage selten „welcher Sensor ist der beste“. Sie lautet vielmehr, wie viel Komplexität wirklich nützlich ist und woher operative Robustheit tatsächlich kommt.
Eine Technologie, die sich nicht in bestehende Betriebsabläufe integrieren lässt oder ein kleines Team mit Fehlalarmen überhäuft, trägt nicht zur Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur bei – ganz gleich, wie leistungsfähig sie für sich genommen erscheinen mag.“
Dies ist die Perspektive, die wir im Laufe unserer Entwicklung gewonnen haben und die ich auf der KRITIS 2026 weiter vertiefen werde.
Ein Ausblick für Europa:
Die Bedrohungen für kritische Infrastrukturen werden nicht verschwinden, und Systeme, die für eine frühere Generation von Flugzeugen und großen Drohnen entwickelt wurden, werden diese Lücke nicht allein schließen können.
Entscheidend wird sein, ob Europa eigene technologische Antworten entwickeln kann: praktikabel, integrierbar und resilient.Unser Schritt von der autonomen Mobilität hin zum Schutz kritischer Infrastrukturen ist ein Hinweis darauf, dass solche Antworten bereits Gestalt annehmen – entwickelt auf Grundlage der tatsächlichen Bedrohungslage von heute und nicht der Herausforderungen vergangener Jahrzehnte.