Smart-Meter-Rollout: Warum Deutschland beim Herzstück der Energiewende bummelt

Deutschland möchte die Energiewende beschleunigen, doch beim Smart-Meter-Rollout zeigt sich ein gegenteiliges Bild. Während in den meisten europäischen Ländern intelligente Messsysteme längst Standard sind, laufen bei uns noch Millionen Ferraris-Zähler mit Drehscheibe. Das kostet uns Zeit und Geld im Ausbau der erneuerbaren Energien.

Trotz Zielerreichung abgehängt: Der ernüchternde Stand des Smart-Meter-Rollouts

Offiziell ist der Kurs klar: Bis Ende 2025 sollen mindestens 20 Prozent, bis 2028 mindestens 50 Prozent und bis 2030 mindestens 95 Prozent der Pflichteinbaufälle mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet sein.

Das führt in der Realität zu folgenden Ergebnissen:

  • Ende September 2025 waren nach Daten der Bundesnetzagentur bundesweit nur rund 2,03 Millionen von knapp 53,9 Millionen Messlokationen mit einem Smart Meter ausgestattet. Also eine Quote von 3,8 Prozent.
  • Bei den tatsächlich quotenrelevanten Pflichteinbaufällen wurde der Zielwert für die Einbauquote mit 20,2 Prozent knapp erreicht.

Klar ist: Deutschland hinkt trotz Zielerreichung im europäischen Vergleich meilenweit hinterher. In der EU verfügten Ende 2024 bereits 63 Prozent der Stromkund:innen über einen Smart Meter, Tendenz weiter steigend. Kurz gesagt: Europa digitalisiert das Netz, während wir in Deutschland noch jährlich im Winter die Zählerstände ablesen. Wir haben unsere Ziele also schlicht und ergreifend zu niedrig gesteckt.

Ohne intelligente Messsysteme (iMSys) bleibt die Energiewende blind

Der politische Diskurs dreht sich um Wärmepumpen, E-Autos, PV-Ausbau. Doch das zentrale Nervensystem der Energiewende in Privathaushalten sind nicht diese Anlagen, es sind intelligente Messsysteme (iMSys). Ohne die bleibt das Energiesystem weitgehend blind.

Intelligente Messysteme erfassen nicht nur den Verbrauch, sondern kommunizieren ihn sicher und nahezu in Echtzeit über eine intelligente Kommunikationseinheit, das Smart Meter Gateway. Erst dadurch werden flexible Stromtarife, netzdienliche Steuerung und ein effizientes Lastmanagement möglich. Das ist bares Geld für Verbraucher:innen und ein riesiger Fortschritt in der Netzstabilisierung.

Warum der Smart-Meter-Rollout in Deutschland so langsam vorankommt

Die Ursachen für den schleppenden Fortschritt sind vielschichtig und zum Teil selbstverschuldet. Lange herrschte regulatorische Unsicherheit, weil Normen, Zertifizierungen und technische Standards immer wieder angepasst wurden. Messstellenbetreiber mussten komplexe IT- und Sicherheitsanforderungen erfüllen, bevor überhaupt ein einziger intelligenter Stromzähler verbaut werden durfte. Gleichzeitig ist die Messstellenlandschaft in Deutschland extrem fragmentiert. Hunderte Messstellenbetreiber arbeiten mit unterschiedlichen Prozessen, Systemen und Ressourcen, was Skalierung erschwert. Viele kleinere Akteure haben schlicht nicht die Kapazitäten, um die hohen Anforderungen effizient umzusetzen.

Wie der Smart-Meter-Rollout Fahrt aufnehmen kann

Der Smart-Meter-Rollout wird erst dann Tempo aufnehmen, wenn er als echtes Infrastrukturprojekt verstanden wird. Es braucht klare Prioritäten, verlässliche Rahmenbedingungen und eine Fokussierung auf den Systemnutzen. Intelligente Messsysteme müssen konsequent mit Lastmanagement und steuerbaren Verbrauchseinrichtungen verbunden werden, damit Haushalte von dynamischen Preisen ebenso profitieren können wie das Netz.

Genau darin liegt ein großer Schlüssel: Dynamische Stromtarife bieten Verbraucher:innen die Möglichkeit, Strom zu günstigen Börsenstrompreisen zu beziehen und damit jährliche hunderte Euros zu sparen. Ein so deutlich spürbarer wirtschaftlicher Vorteil kann ein wichtiger Katalysator in der Nachfrage und damit auch im Marktgeschehen werden.

Denn: Der Wettbewerb muss stärker genutzt werden. Wettbewerbliche Messstellenbetreiber (wMSB) können durch skalierbare Prozesse, moderne Plattformen und innovative Energiemanagement-Lösungen einen entscheidenden Beitrag leisten, um das Rollout-Tempo zu erhöhen. Ganz besonders dann, wenn Endverbraucher:innen durch wirtschaftliche Incentivierung verstärkt auf sie zukommen.

Fazit: Ohne Smart-Meter-Rollout bleibt die Energiewende aus

Deutschland kann es sich nicht leisten, bei der Digitalisierung des Stromsystems weiter hinterherzuhinken. Der Smart-Meter-Rollout ist die Voraussetzung dafür, dass erneuerbare Energien effizient genutzt, Netze entlastet und Privathaushalte in die Lage versetzt werden, aktiv am Energiesystem teilzunehmen. Intelligente Messsysteme sind nicht nur digitale Zähler, sondern der Schlüssel zu einer flexiblen, stabilen und bezahlbaren Energiezukunft. Wenn Regulierung, Messstellenbetreiber und Technologieanbieter jetzt gemeinsam handeln, kann aus dem Problemprojekt Smart-Meter-Rollout doch noch die Erfolgsgeschichte werden, die die Energiewende dringend braucht.