Deutschlands Unternehmen brauchen Resilienz
Wie sich der Welthandel verändert, zeigt unter anderem ein Blick auf Deutschland. Laut dem DHL Global Connectedness Tracker – einer Studie zu Globalisierung und Welthandel, die DHL in Partnerschaft mit der New York University Stern School of Business veröffentlicht – gingen Deutschlands Exporte nach China Anfang 2025 um 13,2 Prozent zurück. Gründe unter anderem: China versorgt sich zunehmend selbst, und Nachfragemuster verändern sich. Gleichzeitig steigen die Importe aus China, weil chinesische Hersteller ihre globale Präsenz mit wettbewerbsfähigen Produkten ausbauen.
Das Beispiel Deutschlands verdeutlicht: Unternehmen müssen sich heute nicht nur mit Zöllen und geopolitischen Veränderungen auseinandersetzen, sondern auch mit härterem Wettbewerb und neuen Konsumentenvorlieben. Deutschlands traditionelles exportorientiertes Modell steht unter Druck. Entscheidend für den künftigen globalen Erfolg seiner Unternehmen ist Resilienz. Wer sie lebt, passt sich dem Wandel nicht nur an – sondern profitiert von ihm.
Welthandel kalibriert sich neu
Denn trotz manch düsterer Schlagzeilen über angebliche „Deglobalisierung“ ist klar: Der Welthandel wächst weiter. Laut Gesamtprognose des DHL Global Connectedness Tracker wird das globale Handelsvolumen von 2025 bis 2029 jährlich um durchschnittlich 2,5 Prozent zulegen – und damit etwa gleich schnell wachsen wie im vergangenen Jahrzehnt. Die durchschnittliche Entfernung, die Waren zurücklegen, erreichte mit 4.990 km soeben einen neuen Rekord, und der Anteil des Handels innerhalb großer Regionen sank auf 50,7 Prozent. China konnte den Rückgang seiner Exporte in die USA vollständig ausgleichen – durch verstärkte Lieferungen in die ASEAN-Region sowie durch deutlich mehr Exporte nach Afrika, in die EU und weitere Märkte. Kurz: Der Welthandel hat nicht den Rückwärtsgang eingelegt, sondern kalibriert sich neu.
Resilienz durch Diversifizierung
Unternehmen kehren internationalen Märkten in diesem Umfeld keineswegs den Rücken. Sie erhöhen ihre Resilienz – indem sie sich flexibler aufstellen und Risiken streuen. Dabei haben sie vier strategische Optionen:
- Sie können ihre Produktion und Lieferanten auf verschiedene Länder und Regionen verteilen, um geografische Abhängigkeiten zu reduzieren (Multishoring).
- Sie können mehrere Lieferanten für dieselbe Komponente einbinden, um Ausfallrisiken einzelner Lieferanten zu minimieren (Multisourcing).
- Sie können unterschiedliche Transportarten parallel nutzen, um Flexibilität zu sichern.
- Sie können mehr Lager und Umschlagpunkte betreiben, um ihre logistische Basis zu verbreitern.
Unternehmen können sich für eine oder mehrere dieser Optionen entscheiden. Je breiter die Diversifizierung, desto besser lassen sich Schocks abfedern und Störungen ohne Serviceeinbußen bewältigen.
Logistik als strategischer Hebel
Logistikdienstleister spielen dabei eine zentrale Rolle. Mit multimodalem Transport, Zollkompetenz, Echtzeittransparenz und nachhaltigen Versandoptionen helfen sie, Komplexität und Herausforderungen zu bewältigen.
Nachhaltigkeit etwa ist für Unternehmen im globalen Wettbewerb längst kein „Nice-to-have“ mehr. Der Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor – ebenso Lieferungen im sogenannten „Book-and-Claim“-Verfahren, bei dem Emissionsminderungen, die im jeweiligen Transportmodus erreicht werden, über Zertifikate nachgewiesen werden. Der aktuelle DHL E-Commerce Trends Report zeigt: Nachhaltigkeit wird für Online-Shopper immer wichtiger. Jeder Dritte (33 Prozent weltweit, 29 Prozent in Deutschland) bricht Käufe aus Nachhaltigkeitsgründen ab.
Unternehmen müssen heute außerdem Bestände schnell anpassen und zügig auf Nachfrageschwankungen reagieren können. Digitale Werkzeuge und KI-gestützte Prognosen machen das möglich: Sie simulieren Szenarien, optimieren Lagerbestände und verbessern Entscheidungen. So wird Logistik vom Kostenblock zum strategischen Vorteil.
Gewinner in einer komplexeren Handelswelt
Die Spielregeln des Welthandels ändern sich – und mit ihnen die Erfolgsfaktoren. Wer heute nur auf Effizienz setzt, beschneidet seine eigenen Handlungsspielräume. Resilienz ist das Gebot der Stunde. Dies bedeutet nicht, Risiken zu vermeiden, sondern sie beherrschbar zu machen – durch Diversifizierung, Technologie und kluge Partnerschaften. Unternehmen, die diese Denkweise verankern, sind nicht nur krisenfest. Sie sind die Gewinner in einer neuen, komplexeren Handelswelt.
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