Interview mit Florian Kasper

Welche Herausforderung im Bereich Digitalisierung von Staat und Verwaltung müssen wir jetzt angehen und was sind die nächsten Schritte?

Die größte Herausforderung ist, Legacy-Strukturen und föderale Insellösungen in skalierbare, interoperable Plattformen zu überführen. Verwaltung muss konsequent auf moderne Technologien, Automatisierung und standardisierte Datenmodelle setzen, statt Prozesse nur digital abzubilden. Notwendig sind klare Prioritäten, weniger Parallelprojekte und verbindliche Mindeststandards für Sicherheit, Barrierefreiheit und Cloud-Infrastrukturen. Gleichzeitig braucht es mehr digitale Kompetenzen in Behörden und echte Partnerschaften mit Technologieanbietern, um Projekte iterativ und zukunftsfähig umzusetzen.

Was meinen Sie, wie sehen Staat und Verwaltung in 5 oder 10 Jahren aus?

In fünf bis zehn Jahren wird Verwaltung deutlich stärker daten- und plattformgetrieben arbeiten, wenn wir heute mutige Schritte gehen. Bürger erledigen Leistungen digital und medienbruchfrei, während automatisierte Prozesse Sachbearbeitende entlasten. KI unterstützt Entscheidungen, ohne sie zu ersetzen, und föderale Systeme werden über gemeinsame Standards interoperabel. Der Staat wird effizienter, transparenter und serviceorientierter wahrgenommen – vorausgesetzt, wir setzen jetzt auf skalierbare Lösungen statt auf neue Insellösungen.

Was möchten Sie den Teilnehmern des Gipfels als Message mit auf den Weg geben?

Digitalisierung ist weniger eine technische als eine kulturelle Aufgabe: Mut zu Entscheidungen, Bereitschaft zur Standardisierung und klare Verantwortung sind entscheidend. Skalierbare Plattformen – wie unser Bildungsmanagementsystem in Sachsen-Anhalt – zeigen, dass große Schritte möglich sind, wenn Qualität, Sicherheit und Wiederverwendbarkeit gemeinsam gedacht werden. Mein Appell: Wir können uns den digitalen Rückstand nicht länger leisten. Wenn wir Verwaltung als Produkt verstehen, das kontinuierlich verbessert wird, schaffen wir echten gesellschaftlichen Fortschritt.