Agentic AI: Vom Transaktionsdienstleister zum proaktiven Lebenspartner

Agentic AI: Vom Transaktionsdienstleister zum proaktiven Lebenspartner

Die Bankenwelt steht vor einem Paradigmenwechsel. Jahrzehntelang war die Rolle der Bank klar: Transaktionen abwickeln, Konten verwalten, Kredite vergeben. Mit der Digitalisierung kamen Self-Service-Portale und Chatbots – doch die Grundlogik blieb reaktiv. Jetzt kündigt sich eine Technologie an, die dieses Modell radikal infrage stellt: Agentic AI. Sie ist nicht bloß ein weiteres Tool, sondern das Fundament des Bankings von morgen.

Mehr als nur Chatbots: Was Agentic AI wirklich bedeutet

Agentic AI unterscheidet sich grundlegend von bisherigen KI-Ansätzen. Während klassische Systeme auf Eingaben warten, agieren Agentic Agents autonom. Sie planen, handeln und lernen selbstständig – erkennen Muster, treffen Entscheidungen und orchestrieren komplexe Workflows ohne menschliche Anleitung. Doch bei aller Euphorie: der Human-in-the-Loop bleibt unverzichtbar. Er trifft die kritischen Entscheidungen hinsichtlich Compliance und Risikomanagement. Und das ist gut so!

Wie autonome Systeme das Banking neu definieren

Agentic AI erlaubt es Banken, die Bedürfnisse und Lebenslagen der Kunden kontinuierlich zu erkennen und vorherzusehen. Sie nimmt nicht nur eingehende Fragen entgegen, sondern initiiert aktiv passende Angebote und Lösungen. So überwacht der Agent etwa das Finanzverhalten, erkennt wichtige Lebensereignisse oder Marktveränderungen und empfiehlt oder erledigt in Echtzeit passende Maßnahmen, noch bevor der Kunde aktiv wird.

Beispiele aus der Praxis illustrieren schon heute, wie fundamental Agentic AI das Banking verändert. So ermöglichen autonome Systeme eine Echtzeit-Betrugserkennung, die Transaktionen und Kontextdaten kontinuierlich analysiert und so potenzielle Schäden verhindert, bevor sie entstehen können. Auch die Kreditvergabe wird durch dynamische Bewertungen intelligenter: Kreditlinien passen sich automatisiert an die sich verändernde Bonität an. Für Kunden bedeutet das mehr Flexibilität, für Banken geringere Risiken. Darüber hinaus können Agentic AI-Lösungen Lebensereignisse wie einen Umzug oder Jobwechsel erkennen und proaktiv passende Finanzprodukte vorschlagen. So wird die Bank zum echten Begleiter in unterschiedlichen Lebensphasen.

So wird Banking 2030 aussehen

Im Jahr 2030 werden Kunden Banking grundlegend anders erleben. Der Kontakt mit Banken wird nicht mehr von Formularen bestimmt sein, sondern von natürlicher, dialogischer Interaktion. Kunden treten in den Austausch mit ihrer Bank – per Voice, Chat oder über Augmented Reality. Intelligente Agenten übernehmen Kommunikation und Handlung, komplizierte Anträge gehören der Vergangenheit an. So erhält ein Kunde etwa automatisch eine Budgetanpassung, wenn sein digitaler Assistent steigende Lebenshaltungskosten erkennt. Eine Kundin wird proaktiv auf eine günstige Umschuldung hingewiesen, weil ihr Agent Zinssenkungen in Echtzeit analysiert. Unternehmer wiederum bekommen laufend Liquiditätsprognosen und konkrete Handlungsempfehlungen, ohne selbst aktiv werden zu müssen. Banking der Zukunft ist damit nicht nur digital, sondern auch vorausschauend und individuell.

Warum der Wandel unvermeidbar ist

Der Wandel hin zum „Agentic Banking“ ist unvermeidbar. Doch Realität wird er erst, wenn regulatorische Vorgaben, Datenschutzanforderungen und bestehende Legacy-Systeme überwunden sind. Diese Hürden bremsen die Umsetzung derzeit. Sie ändern aber nichts am grundsätzlichen Trend, hinter dem drei zentrale Treiber stehen: technologischer Fortschritt, gesellschaftlicher Wandel und ökonomischer Druck.

Fortschritte bei Large Language Models, Reinforcement Learning und der Integration digitaler Tools schaffen die Basis für autonome Systeme, die selbstständig Entscheidungen treffen und handeln können. Gleichzeitig erwarten Kunden zunehmend Echtzeit-Services, persönliche Lösungen und mehr digitale Souveränität. Ökonomisch wiederum stehen Banken unter starkem Effizienzdruck: Sie müssen Kosten senken, Risiken minimieren und neue Ertragsquellen erschließen. Dass Agentic AI in dieser Hinsicht ein echter Game-Changer sein kann, zeigen verschiedene Studien und Marktanalysen.¹²

Jetzt ist der Moment

Agentic AI ist nicht bloß ein Add-on, sie definiert die neue Infrastruktur des Bankings. Sie verändert nicht nur Prozesse, sondern die Rolle der Bank selbst: Banken entwickeln sich von reinen Transaktionsverarbeitern hin zu Lebensbegleitern, von Anbietern statischer Produkte und Services zu dynamischen Kommunikationsplattformen und von reaktiven Dienstleistern zu vorausschauenden Partnern. Dieser Wandel hat bereits begonnen – und wer ihn jetzt gestaltet, definiert die Zukunft des Bankings mit.

¹https://www.capgemini.com/at-de/news/press-releases/bei-aktiver-einbindung-von-menschen-wirtschaftliches-potenzial-von-ki-agenten-agentic-ai-bis-2028-liegt-bei-bis-zu-450-milliarden-us-dollar/;

²https://www.ki-im-personalwesen.de/roi-von-agentic-ai-2025-fruehadopter-rendite-und-neue-prioritaeten/