3 Fragen an Daniel Kreienkamp, Bereichsleiter Vermögensschaden-Haftpflicht / Financial Lines – ERGO Versicherung

1. Welche Entwicklung oder welcher Risikotreiber wird die Branche 2027 besonders prägen – und warum?

Die wirtschaftliche Gesamtlage und die höhere Anzahl an Unternehmensinsolvenzen prägen die Branche weiterhin. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden Managemententscheidungen stärker hinterfragt, wodurch auch das Risiko von D&O-Ansprüchen steigt, nicht nur durch Insolvenzverwalter. Die finanzielle Stabilität und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen werden daher noch stärker in den Fokus rücken.

2. Vor welchen konkreten Herausforderungen stehen Unternehmen, Versicherer und Makler aktuell, und welche Maßnahmen sind jetzt besonders wichtig?

Unternehmen müssen in einem zunehmend anspruchsvollen Haftungsumfeld ihr „Corporate Housekeeping“ im Griff haben: klare Governance, saubere Prozesse und konsequentes Risikomanagement sind wichtiger denn je. Versicherer sind gefordert, underwritingseitig diszipliniert zu bleiben und Risiken nachhaltig zu bewerten. Auch eine qualifizierte Schadenbearbeitung bleibt unerlässlich. Für Makler gewinnt die Beratungsqualität weiter an Bedeutung. Der Preis allein wird immer seltener das entscheidende Differenzierungsmerkmal sein.

3. Was wird in der Diskussion über neue Haftungsrisiken, Versicherbarkeit und Risikotragung noch unterschätzt?

Viele würden hier Künstliche Intelligenz nennen. Ich halte jedoch den demografischen Wandel für mindestens ebenso relevant. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Wissensträger zu ersetzen und gleichzeitig tiefgreifende Transformationsprozesse zu bewältigen. Gelingt der Wissenstransfer nicht, können daraus operative Fehler, Governance-Probleme und letztlich auch neue Haftungsrisiken entstehen. KI ist hier Treiber und kann Teil der Lösung sein.