Digitalisierung in den Kirchen: Viel Potenzial, wenig Strategie?

Die Digitalisierung hat in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen an Bedeutung gewonnen – auch in kirchlichen Institutionen. Während einige Gemeinden und Kirchen bereits erhebliche Fortschritte gemacht haben, stehen andere noch am Anfang dieses Transformationsprozesses. Unsere aktuelle Curacon-Studie zeigt, wo die Kirchen in ihrer digitalen Entwicklung stehen, welche Hürden es zu überwinden gilt und welche Maßnahmen erforderlich sind, um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten.

Status quo der Digitalisierung

Die Digitalisierung in kirchlichen Institutionen schreitet unterschiedlich schnell voran. Während 43 % der Befragten eine deutliche Entwicklung mit zahlreichen umgesetzten Digitalisierungsprojekten beobachten, geben 18 % an, dass in den vergangenen drei Jahren kaum oder keine Fortschritte erzielt wurden. Diese Ergebnisse sind ernüchternd, insbesondere im Hinblick auf die anfänglichen Erwartungen vieler Teilnehmender der ersten Studie. Damals herrschte die Überzeugung, dass der pandemiebedingte Digitalisierungsschub langfristige Auswirkungen haben würde.

Dennoch ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit der digitalen Transformation in den Kirchen groß. Die Vorteile eines hohen digitalen Reifegrads liegen auf der Hand: Automatisierung und effizientere Prozesse erleichtern den Arbeitsalltag, verbessern die Kommunikation und erhöhen die Effektivität. Doch die Umsetzung gestaltet sich oftmals komplex. Eine nachhaltige Digitalisierung erfordert eine ganzheitliche Strategie, die alle relevanten Bereiche – von Arbeitsabläufen über Software und Hardware bis hin zur Anwenderbetreuung – zentral koordiniert. Trotz eines Anstiegs der Kirchen mit einer Digitalisierungsstrategie bleibt das Gesamtniveau aber weiterhin niedrig.

Ein weiterer besorgniserregender Trend ist der Rückgang der Aktualität digitaler Angebote. 2021 bewerteten noch 46 % der Befragten die digitalen Angebote als (sehr) aktuell – 2024 sind es nur noch 31 %. Dieser Rückgang wirft Fragen zur Weiterentwicklung und Wahrnehmung digitaler Lösungen in kirchlichen Strukturen auf. Um den Bedürfnissen der Mitglieder gerecht zu werden, sollten Kirchen kontinuierlich in die Aktualisierung digitaler Angebote investieren und sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Mitarbeitende aktiv einbinden.

Hindernisse und Lösungsansätze für die digitale Transformation

Lange Entscheidungswege und fehlende strukturelle Veränderungen werden von den Befragten als zentrale Hemmnisse für die Digitalisierung genannt. Die Kirche steht vor der Herausforderung, gewachsene Strukturen zu modernisieren, ohne ihre Identität zu verlieren. Auch die Experteninterviews der Studie bestätigen: Die Anpassung einer fast 2000 Jahre alten Institution an die digitale Ära ist eine immense Aufgabe. Dabei gilt es sicherzustellen, dass Organisationsformen und Unternehmenskultur den digitalen Wandel nicht blockieren.

Ein weiterer Hemmschuh ist die dezentrale Umsetzung digitaler Projekte, die zu ineffizienten Prozessen und langsamer Entwicklung führt. Eine mögliche Lösung könnte in der Bündelung von Ressourcen auf Ebene der Bistümer und Landeskirchen liegen. Eine übergreifende Digitalisierungsstrategie könnte Synergien nutzen und den Fortschritt beschleunigen.

Zudem zeigt die Studie, dass mangelnde digitale Kompetenz ein großes Problem darstellt: 64 % der Befragten geben an, dass es an entsprechenden Fähigkeiten fehlt. Um diesem Defizit entgegenzuwirken, könnten gezielte Schulungsprogramme, themenspezifische Newsletter oder ein HelpDesk implementiert werden. Solche Maßnahmen würden nicht nur die Qualität digitaler Angebote verbessern, sondern auch interne Arbeitsprozesse optimieren. Doch aktuell berichten lediglich 2 % der Kirchen von einer vollständigen Umsetzung solcher Programme, während 45 % zumindest teilweise Maßnahmen ergriffen haben.

Die Ergebnisse zeigen: Die Digitalisierung in der Kirche schreitet voran, aber nicht in dem Tempo und mit der strategischen Klarheit, die erforderlich wären. Um die Chancen der digitalen Transformation bestmöglich zu nutzen, sind eine ganzheitliche Strategie, Investitionen in digitale Kompetenz und eine effizientere Entscheidungsstruktur entscheidend.

Die neue Curacon-Studie Digitalisierung in den Kirchen: