Die Welt, in der wir leben, hat an Unsicherheit zugenommen. Zum einen geraten Bereiche der kritischen Infrastruktur immer mehr ins Fadenkreuz terroristischer Vereinigungen, der organisierten Kriminalität und seit Kurzem auch mehr und mehr staatlicher Geheimdienste. Darüber hinaus treten Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen oder Pandemien in immer regelmäßigeren Abständen auf und bedrohen den volkswirtschaftlich zentralen Bereich der kritischen Infrastruktur.
Eine Störung oder ein Ausfall kann in diesem Zusammenhang schwerwiegende Folgen haben und drastische Wechselwirkungen nach sich ziehen. So können aus nur einem kurzen Ausfall des Stromnetzes Produktionsausfälle und dadurch empfindliche volkswirtschaftliche Schäden entstehen. Auch die Transportinfrastruktur und besonders die Schienenverkehrswege sind Lebensadern der Wirtschaft. Sabotageakte auf einzelne Kommunikations- und Stromleitungen der Bahn können zu Einschränkungen im Waren- und Personenverehr führen und entsprechende Schäden bewirken. Selbst kommunale Verwaltungen stehen auf der Agenda von feindlich gesinnten Akteuren, mit dem Ziel beispielsweise durch Hacking-Angriffe die kommunale Selbstverwaltung zu stören, dadurch das Leben vor Ort signifikant zu beeinträchtigen und in der Konsequenz die Bevölkerung zu verunsichern.
Die Kombination aus Anfälligkeit und Abhängigkeit macht die kritische Infrastruktur für Angreifer besonders interessant: Einzelne, präzise Nadelstiche können immense Schäden anrichten. Ein Schutz der Systeme ist vor dem Hintergrund internationaler Krisen wichtiger denn je. Die dafür notwendigen Investitionen sind hoch und erfordern flexible und erfahrene Finanzierungspartner.
Unsere Volkswirtschaft ist verwundbar
Infrastruktureinrichtungen zeichnen sich naturgemäß durch einen hohen Grad der Dezentralisierung aus. Wichtige lokale Organisationen, wie Stadtwerke oder Energieversorger sind mitunter von Standortfaktoren wie Gewässernähe oder einer geringen Entfernung zu ihren Kunden abhängig. Daraus resultiert eine dezentrale „Versorgungsfragmentierung“, die Überwachung und Schutz massiv erschweren oder gar unmöglich machen. Ähnlich verhält es sich mit Verbindungsnetzwerken wie Straßen, Schienen und Bahntrassen, Umspannwerken, Wasser-, Gas- und Internetleitungen, Strom- und Kommunikationskabeln sowie Abwasserrohren, die über ganz Deutschland verteilt und zu einem großen Teil in kommunaler Hand sind. Nicht zuletzt stellen Gebäude der öffentlichen Verwaltung (so z.B. Rathäuser, Kreisverwaltungsreferate und Polizeigebäude) Ziele dar, die teils einfache Möglichkeiten bieten, über Angriffe auf die IT-Infrastruktur das öffentliche Leben empfindlich zu stören.
Die Infrastruktur hat Schwachstellen und bietet Einfallstore, die von Cyber-Angriffen und Sabotageakten mit physischer Gewalt bedroht sind.
Lösungen müssen kommunal und individuell sein
Im Gespräch mit unseren regionalen Kunden stellen wir ein immer stärker wachsendes Bewusstsein für die gravierenden Auswirkungen von Angriffen auf die kritische Infrastruktur fest. Kommunen installieren moderne IT-Lösungen, um sich vor Cyber-Attacken zu schützen. Und auch Energieversorger verstärkten zuletzt massiv ihre Sicherheitsvorkehrungen. Dazu zählen physische Maßnahmen wie Zutrittskontrollen, Zäune und Überwachungskameras ebenso wie digitale Sicherheitssysteme. Zudem werden Ersatzrohre und -leitungen installiert, mit deren Hilfe im Ernstfall die Versorgung aufrecht erhalten werden kann – oder zumindest eine Notversorgung sichergestellt wird. Diese Maßnahmen können zwar keine hundertprozentige Sicherheit bieten, machen Angriffe jedoch aufwändiger und können potenziell erzeugbare Schäden begrenzen.
All diese Maßnahmen kosten Geld. Unternehmen und Kommunen müssen Investitionen tätigen, um einerseits ihre wirtschaftliche Grundlage abzusichern und andererseits die Versorgungssicherheit der Allgemeinheit zu gewährleisten und damit ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachzukommen. Vorkehrungen zur Resilienz-Förderung erfordern erfahrene Finanzierungspartner, die mit entsprechendem Know-how kommunale Unternehmen und staatliche Einrichtungen unterstützen, die lokalen Begebenheiten kennen sowie die individuellen Ansprüche der Akteure verstehen.
Die Absicherung der kritischen Infrastruktur beanspruchen demnach mehr als eine einfache Kosten-Nutzen-Kalkulation. Die Folgen einer möglichen Beeinträchtigung reichen weiter: Es entsteht wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Schaden, was potenzielle Angriffe umso gefährlicher macht. Der Handlungsbedarf ist angesichts der geopolitischen Lage, gepaart mit nicht kalkulierbaren Umweltrisiken groß.
Die Banken müssen verantwortungsvoll agieren
Banken, die selbst Teil der kritischen Infrastruktur unserer Volkswirtschaft sind stellen einen prädestinierten Finanzierungspartner bei der Entwicklung und Umsetzung maßgeschneiderter Lösungen für potenziell betroffene Organisationen dar.
Von der Gewährleistung des globalen Zahlungsverkehrs, über die Sicherstellung der Bargeldversorgung vor Ort hin zur Aufrechterhaltung der Refinanzierungsmärkte, waren und sind ebenso besonders von hybriden Taktiken betroffen und haben sich entsprechend aufgestellt. Das damit verbundene Know-how ist fester Bestandteil der Beratungsdienstleistung für ein breites Kundenspektrum. Eine Verantwortung der wir uns bei der HypoVereinsbank und innerhalb der gesamten UniCredit bewusst sind und entsprechend handeln.
Die erste Verteidigungslinie im Kampf um Versorgungssicherheit ist nicht der Staat, sondern jedes eingebundene Unternehmen, jede Kommune, jedes Werk, jedes Rohr oder Kabel und jeder einzelnen Mitarbeiter. Einen allmächtigen Schutzwall gibt es nicht und die Gefahr durch Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur ist real. Wir benötigen das Engagement der einzelnen Träger unserer Gesellschaft, individuelle Lösungen zu finden – und sind als Kreditinstitut in der Pflicht, die Finanzierung in eine stabile kritische Infrastruktur zu fördern und voranzubringen.