Stahl ist das Rückgrat des modernen Lebens – unverzichtbar für Gebäude, Infrastruktur, Transportwesen und vieles mehr. Der ökologische Preis für dieses integrale Material jedoch ist hoch. Derzeit erzeugt die Stahlindustrie 1,8 Tonnen CO2 pro Tonne produziertem Stahl und ist damit für etwa 9 % der globalen Kohlenstoffemissionen verantwortlich. Obwohl 60 % der größten Stahlproduzenten bis 2030 die Emissionen senken wollen, sind globale CO2-Ziele gefährdet, wenn die Stahlindustrie nicht entschlossen handelt.
Herausforderungen der Industrie bei der Erreichung der Ziele der CO2-Neutralität
Die Dekarbonisierung der Stahlindustrie ist von wesentlicher Bedeutung für das Erreichen der globalen Netto-Null-Ziele. In mehr als 50 Ländern implementieren Regulierungsbehörden derzeit Richtlinien, um durch Emissionsquoten und Kohlenstoffpreise Anreize zur Reduzierung von Stahlemissionen zu schaffen. Darüber hinaus ergreift die Stahlindustrie selbst zahlreiche innovative Maßnahmen zur Dekarbonisierung.
Die Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit gehen jedoch über die Technologie hinaus. Die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff, die Energiekosten und die Volatilität des Strommarktes – insbesondere in Teilen Europas – sind absolute Schlüsselfaktoren. Die zusätzlichen Kosten für die Herstellung von grünem Stahl könnten dazu führen, dass bestehende Unternehmen Investitionen in Stahl im Ausland als strategisch wichtiger erachten.

Die unzureichende Nachfrage nach grünem Stahl außerhalb der Automobilindustrie, auf die nur 12 % des gesamten Stahlverbrauchs entfallen, und die fehlenden einheitlichen grüner Leitmärkte sind ein zentrales Problem der Branche. Auch der asiatisch-pazifische Raum, in dem derzeit 70 % des Stahls hergestellt werden, muss Richtlinien zur Unterstützung der grünen Stahlproduktion einführen, wenn wir die globalen Emissionsziele erreichen wollen.
Außerdem ist die Dekarbonisierung der Industrie kostspielig. Eine aktuelle Studie schätzt, dass die Transformation der Stahlindustrie bis 2050 etwa 4,4 Billionen Euro kosten wird, was einer jährlichen Investition von 15,1 Milliarden Euro zusätzlich zu den regulären jährlichen Investitionsausgaben von 103,8 Milliarden Euro entspricht. Dies wirft die Frage auf: Was braucht die Industrie, um die Dekarbonisierungsziele für 2030 zu erreichen, angesichts der begrenzten Nachfrage und der Notwendigkeit erheblicher finanzieller Investitionen in diese neuen Technologien?
Zugang zu Kapital
Angesichts der Bedeutung der Branche und der Herausforderungen, mit denen Stahlunternehmen konfrontiert sind, stellen Regierungen weltweit finanzielle Unterstützung bereit. Die Europäische Union hat 10,5 Milliarden Euro an Zuschüssen für Unternehmen wie ArcelorMittal, Thyssenkrupp, Tata Steel, Strega und andere Marktteilnehmer bereits zugesagt. Im Rahmen ihrer Inflation Reduction Act (IRA)-Programme hat die US-Regierung bis zu 1 Milliarde US-Dollar für zwei neue Werke zugesagt. Auch Finanzinstitute zeigen zunehmendes Interesse an der Bereitstellung von Finanzmitteln, die direkt mit der Dekarbonisierung in Verbindung stehen.
Trotz erheblicher Subventionen und Zuschüsse stehen Stahlhersteller vor großen Investitionskosten, um ihre Geschäfte in den nächsten zwei Jahrzehnten erfolgreich zu transformieren. Ein Lichtblick für die Branche ist der erleichterte Zugang zu Kapital für anerkannte „nachhaltige“ Unternehmen, was zu wettbewerbsfähigeren Finanzierungskosten führen könnte.
Es sind jedoch weitere Maßnahmen in den globalen Märkten erforderlich, insbesondere in der Asien-Pazifik-Region, wo die Regierungspolitik und die Zuschüsse im Vergleich zu Europa und den USA weniger entwickelt sind. Es gilt sicherzustellen, dass die Ausgaben für grünen Stahl eine sinnvolle Investition darstellen. Der Asien-Pazifik-Raum muss wirksamere politische Maßnahmen einführen, die die grüne Stahlproduktion finanziell unterstützen und regulatorische Rahmenbedingungen bieten, um die Nachfrage nach grünem Stahl aus anderen Branchen zu fördern.
Neue Ansätze fördern positive Veränderungen
Neue Akteure auf dem Markt: ESG-orientierte Start-ups werden zunehmend als positive und disruptive Impulsgeber im Bereich grüner Stahl wahrgenommen und ebnen den Weg für die Dekarbonisierung der Industrie.
Durch den Einsatz neuer Technologien und einem gezielten Fokus auf die Transformation traditioneller Produktionsmethoden in der Wertschöpfungskette, setzen Green-Steel Startups innovative Ansätze um. Diese neuen Akteure nutzen erneuerbare Energien, grüne Wasserstofftechnologien und fortschrittliche Elektroofen-Systeme, um die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren und gleichzeitig die Produktionskosten zu senken. Ihre Innovationen umfassen einzigartige Partnerschaften und Finanzierungsmodelle, was progressive Investoren anzieht und etablierten Stahlherstellern ermutigt, vergleichbare Schritte zu setzen. Der Markt verlangt nach umweltfreundlicheren Quellen, und traditionelle Hersteller riskieren andernfalls, ins Hintertreffen zu geraten.
Ein kürzlich in Nordeuropa durchgeführtes Projekt veranschaulicht dies: Ein Konsortium aus führenden Technologie- und Energieunternehmen hat sich zusammengeschlossen, um ein emissionsarmes
Stahlwerk mit Energie zu versorgen. Es wurden Investitionsmittel bereitgestellt, um dieses nachhaltige Start-up zu unterstützen und die erforderliche Energie als Dienstleistung bereitzustellen.
Das Werk nutzt erneuerbare Energie von Versorgungsunternehmen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und produziert daraus Eisenschwamm (DRI) welcher dann in einem Lichtbogenofen (EAF) eingeschmolzen und veredelt wird. Der Produktionsprozess ist auf maximale Effizienz und optimale Leistung ausgelegt und sollt insgesamt zu einer CO2-Reduktion von 95 % gegenüber konventionellen Produktionsrouten führen, bei einer CAPEX Einsparung von 25 %.
Diese positive Entwicklung hat bereits eine starke nachgelagerte Nachfrage von Automobilherstellern ausgelöst, die sich eine zuverlässige Versorgung mit emmisonsreduziertem, „grünem“ Stahl sichern wollen.
Energie als Service-Option
Ein neues Modell, das Stahlunternehmen beim grünen Wandel unterstützt, ist „Energy-as-a-Service“ (EaaS). Technologieanbieter wie Schneider Electric bieten umfassende Lösungen, die von der Designberatung und Geräteinstallation bis hin zur Echtzeitüberwachung des Stromnetzes eines Unternehmens reichen. Diese Dienstleistungen werden im Rahmen eines Vertrags erbracht und bezahlt, was die Investitionskosten massiv senken kann.
Ob nun ein Modell verwendet wird, bei dem der Lieferant Systeme für einige Zeit betreibt und wartet, oder das Unternehmen von einem Partner finanzierte Assets verwaltet, dieser Ansatz bietet erhebliche Vorteile:
- Erschwingliche Dekarbonisierung und geringere finanzielle Risiken
- Keine Vorabkosten für Upgrades
- Vereinfachter Zugang zu erneuerbaren Energiequellen
- Verbesserte Energie und Asset Verfügbarkeit & Resilienz
Möchten Sie wissen, ob Energy-as-a-Service das Richtige für Sie ist? Lesen Sie jetzt unser Meisterwerk „Industry Perspectives“13.
Ein Übergang mit globaler Dringlichkeit
Zwar gibt es bereits Technologien zur Reduzierung von CO2-Emissionen, doch für die Dekarbonisierung der Stahlindustrie bedarf mehr als nur neuer Produktionsrouten. Es sind starke politische und regulatorische Eingriffe in mehreren Branchen erforderlich, um sicherzustellen, dass die Nachfrage nach grünem Stahl die globale Dringlichkeit des Übergangs widerspiegelt. Ein weiterer Schwerpunkt muss auf der Erzeugung und Verfügbarkeit von sauberem Strom, grünem Wasserstoff und der umweltfreundlichen Beschaffung von emissionsarmem Stahl liegen.
Eine zusätzliche Methode für Stahlhersteller zur Ermittlung ihrer CO2-Bilanz besteht darin, den Fußabdruck ihrer gesamten Lieferkette, einschließlich der Betriebsabläufe der Lieferanten, zu analysieren. Obwohl dies anspruchsvoll erscheinen mag, hat die gemeinnützige Global Mining Guidelines Group (GMG) in Zusammenarbeit mit Schneider Electric ein Programm namens „Materialize“ ins Leben gerufen. Materialize bietet Unternehmen einen Rahmen für die Zusammenarbeit mit Lieferanten und anderen Herstellern, um eine umfassende Datenbank für CO2-Emissionen aufzubauen und so die Bemühungen zur Dekarbonisierung weiter voranzutreiben. Es unterstützt die teilnehmenden Unternehmen auch durch die Bereitstellung von Möglichkeiten, sich mit erneuerbaren Energien, Initiativen für saubere Energie und Kreislaufplanung für den gesamten Produktlebenszyklus zu befassen.
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Über Schneider Electric
Das Ziel von Schneider ist es, Wirkung – IMPACT – zu erzielen, indem wir die optimale Nutzung von Energie und Ressourcen für alle ermöglichen und damit den Weg zu Fortschritt und Nachhaltigkeit ebnen. Bei Schneider nennen wir das Life Is On.
Unser Ziel ist es, ein zuverlässiger Partner für Nachhaltigkeit und Effizienz zu sein.
Wir sind ein global führendes Unternehmen im Bereich der industriellen Technologie und verfügen über eine weltweit führende Expertise in den Bereichen Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung für intelligente Industrien, widerstandsfähige Infrastrukturen, zukunftssichere Rechenzentren, intelligente Gebäude und zukunftsfähige Wohnhäuser. Verankert in unserem fundierten Fachwissen bieten wir integrierte, KI-gestützte industrielle IoT-Lösungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg mit vernetzten Produkten, Automatisierung, Software und Dienstleistungen, die digitale Zwillinge liefern, um unseren Kunden profitables Wachstum zu ermöglichen.
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