Seit Beginn der Industrialisierung herrschen in den Wertschöpfungsketten lineare Prozesse vor, die dazu geführt haben, dass anfallende Abfallstoffe größtenteils entsorgt bzw. deponiert wurden. Dies hat zu einem hohen Umwelt- und Ressourcenverbrauch geführt. In den letzten Jahren sind die Preise für Primärrohstoffe auf den Weltmärkten stark geschwankt und oft besteht eine Abhängigkeit von nur einem oder wenigen Förderländern, sodass die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft in jedem Fall wirtschaftlich sinnvoll wäre. Durch die Schaffung einer Kreislaufwirtschaft wäre man zudem unabhängiger von krisenbedingten Lieferschwierigkeiten.
Was heißt „Circular Economy“?
In einer Circular Economy bzw. Kreislaufwirtschaft werden Abfälle (und Abwässer) nicht zurück zur Umwelt geleitet, sondern weitergenutzt und als Rohstoff erneut innerhalb der Liefer- und Wertschöpfungskette eingesetzt. Dazu gibt es verschiedene Ansätze. Eine Kreislaufwirtschaft dient in erster Linie der Müllreduktion, aber auch der konsequenten Vermeidung und adäquaten Deponierung von Restmüll. An erster Stelle sollte die Vermeidung (Zero Waste, „Null Müll“) stehen, denn Abfall, der erst gar nicht entsteht, kann die Umwelt nicht gefährden.
Berücksichtigte Nachhaltigkeitsziele durch eine Kreislaufwirtschaft
Die Vereinten Nationen haben auf einer Generalversammlung im Jahr 2015 die Wichtigkeit einer Kreislaufwirtschaft in den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals) durch das Ziel Nr. 12 hervorgehoben. Dieses Ziel widmet sich der Fragestellung, wie mit knappen Ressourcen umgegangen werden soll? Dazu ist ein tiefgreifender Wandel vorherrschender Produktions- und Konsumpraktiken notwendig. Bis 2030 soll das Abfallaufkommen durch Vermeidung, Verminderung, Wiederverwertung und Wiederverwendung deutlich verringert werden.
Das Schließen von Kreisläufen in Wertschöpfungsketten ist insbesondere für Europa und auch für Deutschland notwendig, denn viele Rohstoffe sind hierzulande als kritisch einzustufen, weil diese entweder in Europa nicht vorkommen oder eine große wirtschaftliche Bedeutung haben. Die weltweit ungleiche Verteilung von Rohstoffen und die Konzentration der Rohstoffe auf wenige Förderländer führen dazu, dass die Versorgung mit Rohstoffen unsicherer geworden ist.
Welche Ansätze der Circular Economy gibt es?
Die wesentlichen Stufen in einer Circular Economy sind in Abbildung 1 dargestellt.

Eine Umstellung zu zirkulären Prozessen kann durch verschiedene Maßnahmen gelingen. Man unterscheidet entlang der Produktlebenszykluskette verschiedene Ansätze der Kreislaufwirtschaft. Die Vermeidung von Abfallstoffen sollte hier an erster Stelle stehen, gefolgt von der Vorbereitung zur Wiederverwendung (Re-use), welche gemeinsam mit dem „Reparieren“ direkt beim Konsumenten ansetzt. Dies könnte durch ein in der derzeitig politisch geführten Diskussion um ein „Recht auf Reparatur“ noch weiter verstärkt werden. Bei der Wiederverwendung werden Güter beziehungsweise deren Bestandteile so aufbereitet, dass sie für den gleichen Zweck erneut eingesetzt werden können. Ebenfalls beim Verbraucher setzen Second-Hand-Läden, Repair-Cafés und Tauschbörsen (Sharing-Economy) an. Weitere Strategien betreffen den Produzenten. Dies sind „Re-manufacturing“ und „Re-furbishing“ (Überholung und Instandsetzung von Produkten zum Zweck der Wiederverwendung und -vermarktung). Dabei werden Teile eines Altgerätes in ein neues eingesetzt. Eine besondere Form stellt das „Retrofit“ bzw. „Reengineering“ dar. Hier werden aufbereitete Anlagenteile oder -komponenten in bestehende Maschinen oder auch Produktionsstraßen eingesetzt. Die letzte Kreislaufwirtschaftsstufe bildet das Recycling, gefolgt von der energetischen Verwertung. Unter Recycling wird dabei die stoffliche Wiederverwertung und Verarbeitung zu einem rezyklierten Rohstoff bzw. zu Rohstoffen mit einem hohen Recycling-Anteil verstanden.
Nutzen durch eine Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft
Global werden laut der Studie „Circularity Gap Report“ der Circle Economy lediglich 7,2 % aller Materialien wieder den Kreisläufen zurückgeführt. Leider hat sich dieser Anteil in den letzten Jahren sogar weiter reduziert. Die globale Situation verschlechtert sich zunehmend. Mehr als 90 % der Materialien werden entweder verschwendet, gehen verloren oder werden über Jahre hinweg nicht wiederverwendet. Die Circle Economy kommt auch zu dem Schluss, dass eine Verdoppelung der globalen Recyclingrate auf 15 % eine Einsparung an Treibhausgasemissionen von ca. 40 % bringen wird. Damit würde ein Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft auch das Klima schützen und die Klimaziele laut Pariser Klimaschutzverordnung einhalten.
Eine Umsetzung wichtiger Schritte erfordert das Zusammenspiel wichtiger Akteure (Designer, Konsumenten, Produzenten, Staat). Auch an das Produkt werden Bedingungen angeknüpft. Dies sind Langlebigkeit, einfache Reparierbarkeit, möglichst wenige unterschiedliche Werkstoffe, möglichst standardisierte Bauteilkomponenten, leichte Montage und Demontage bzw. Austauschbarkeit einzelner Bestandteile (Modularität) sowie werkstofflich wiederverwertbare Komponenten. Zudem werden geeignete Infrastrukturen und Geschäftsmodelle benötigt, mittels derer die Stoffe gesammelt und einer Wiederverwertung zugeführt werden können. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist auch eine Veränderung gesellschaftlicher Wertvorstellungen, wie z. B. das Leasing und Sharing von Produkten, notwendig.
Gelingt die ganzheitliche Umstellung einer Kreislaufwirtschaft, profitiert nicht nur die Umwelt davon, sondern in den neu entstehenden Kreislaufmärkten werden neue Arbeitsplätze geschaffen.
Fazit
Eine Kreislaufwirtschaft bietet sowohl ökonomische als auch ökologische Nutzenpotenziale. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist das Zusammenspiel wichtiger Akteure und eine Umgestaltung des Produktes notwendig. Auf EU-Ebene könnte der derzeit diskutierte Digitale Produktpass (DPP) eine gute Basis zur Unterstützung einer Kreislaufwirtschaft bilden.
