Christina Rieke Lang, CEO – DigitalService 

Welche Herausforderung im Bereich Digitalisierung von Staat und Verwaltung müssen wir jetzt angehen und was sind die nächsten Schritte?

Die zentrale Herausforderung liegt in unseren gewachsenen, fragmentierten Strukturen. Wir müssen aufhören, bestehendes Chaos einfach zu digitalisieren. Wenn analoge Komplexität lediglich digital nachgebildet wird, entsteht kein Mehrwert. Im Gegenteil, es erzeugt Frustration bei Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen.

Unsere nächsten Schritte müssen deshalb konsequent und mutig sein: Vereinfachung vor Digitalisierung. Wir müssen Verwaltungsleistungen konsequent Ende-zu-Ende zu denken, Aufgaben bündeln, Zuständigkeiten klar zuordnen und Prozesse standardisieren.

Erst wenn Struktur, Prozess und Digitalisierung gemeinsam gestaltet werden, entsteht ein Staat, der spürbar wieder handlungsfähiger ist. Und weil dieser Ansatz so eine Mammutaufgabe ist, müssen wir mit konkreten Lebenslagen starten, die politische Aufmerksamkeit verdienen und den Menschen einen Mehrwert bringen. Es muss spürbar werden, da tut sich was. Das ist dann die beste Motivation für weitere Use Cases.

Was meinen Sie, wie sehen Staat und Verwaltung in 5 oder 10 Jahren aus?

In fünf bis zehn Jahren müssen Staat und Verwaltung vor allem eines beweisen: dass Demokratie auch im digitalen Zeitalter leistungsfähig, handlungsstark und verlässlich bleibt. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam daran arbeiten können, das Vertrauen in unsere Institutionen nachhaltig zu stärken. Effizienz und Wirksamkeit gehören dabei zu den stärksten vertrauensbildenden Maßnahmen, die der Staat leisten kann.

Unser Anspruch muss sein, das Leben der Menschen spürbar zu erleichtern und nicht komplizierter zu machen. Das bedeutet: Bürgerinnen und Bürger werden staatliche Leistungen so intuitiv nutzen können, wie sie es von heutigen Apps kennen. Verwaltungsprozesse werden transparent, schnell, nutzerzentriert. Unternehmen profitieren von verlässlichen und weitgehend automatisierten Verfahren – in vielen Fällen nahezu in Echtzeit.

Was möchten Sie den Teilnehmern des Gipfels als Message mit auf den Weg geben?

Digitalisierung ist ein Mannschaftssport. Die Herausforderungen sind so komplex, dass sie keine Institution, kein Ressort und keine Disziplin allein lösen können. Nutzen wir daher den Handelsblatt GovTech-Gipfel für Vernetzung, Austausch und Zusammenarbeit über Ebenen-, Organisations- und Ressortgrenzen hinweg. Ich freue mich auf den Dialog und darauf, gemeinsam diese Vision voranzubringen!