Building a circular world that works

Aluminium ist gleich Aluminium? Weit gefehlt! Das silbrige Leichtmetall ist ein echter Tausendsassa in puncto Formbarkeit, Zähigkeit und Beständigkeit. Zurecht gilt es als „Möglichmacher“ für die Energiewende und ist der Werkstoff der Wahl für zahlreiche Anwendungen in den Bereichen Automotive, Bau, Verpackung und Maschinenbau.

Aber seine größte Stärke spielt es beim Recycling aus. Ohne Qualitätsverluste kann Aluminium wieder- und wiederverwertet werden. Und der ökologische Fußabdruck schrumpft auf ein Zwanzigstel gegenüber der primären Erzeugung aus Bauxit – also 95 Prozent weniger Energieverbrauch für die Recyclingschmelze und mithin 95 Prozent weniger CO2-Ausstoß auf dieser sogenannten „Sekundärroute“.

Das verdeutlicht, warum es in der Aluminiumherstellung – als erstem Glied einer langen Wertschöpfungskette – zwar auch um immer effizientere Prozesse geht, der größte Hebel zur Dekarbonisierung aber die Wahl des Ausgangsstoffs ist und Legierungen aus wiederverwerteten Schrotten zusehends stärker nachgefragt werden.

Speira ist dementsprechend aufgestellt, will dieser Entwicklung nicht nur folgen, sondern sie treiben und gestalten und das führende Aluminiumwalz- und -recyclingunternehmen der Welt werden. An elf Standorten in Deutschland und Norwegen plus eigenem Forschungs- und Entwicklungszentrum recyceln wir pro Jahr bis zu 650.000 Tonnen Aluminium und stellen rund eine Millionen Tonnen Walzprodukte her.

Sogenannte „end-of-life scraps“, also Aluminiumschrotte, die in einem Produkt einen Lebenszyklus durchlaufen haben, sind unser begehrter Ausgangsstoff. Dabei können die Lebenszyklen recht unterschiedlich sein: nur wenige Wochen in einer Getränkedose, 15 Jahre in einem Automobilblech oder 30 Jahre in einem Fensterrahmen oder Fassadenelement. Rund 75 Prozent des weltweit jemals produzierten Aluminiums sind immer noch in irgendeiner Anwendung in Benutzung, und mit mehr als 30 Millionen Tonnen, die pro Jahr recycelt werden, ist es eines der meistwiederverwerteten Metalle.

Was tun nun gerade wir bei Speira, um diese 75 Prozent in Richtung einer möglichst vollständigen Zirkularität zu verbessern? Erstens versuchen wir, möglichst viele dieser „end-of-life scraps“ zu sichern und in unseren Anlagen wiederzuverwerten. Dazu investieren wir laufend in neue Recyclinganlagen und verfügen bereits jetzt über weit mehr Recyclingkapazitäten als die Primärerzeugung in unserem Neusser Rheinwerk, die wir im Dezember 2023 nach 61 Jahren heruntergefahren haben.

Just an diesem Standort haben wir die weltweit modernste Anlage für das Recycling von Getränkedosen. Und diesen technologischen Vorteil können wir natürlich umso mehr in CO2-Einsparung ummünzen, je mehr Material in dieser Anlage wiederverwertet wird. Dafür ist die Getränkedose mit ihrem knappen Lebenszyklus bestens geeignet – das in ihr verarbeitete Aluminium kommt rund viermal pro Jahr zu uns zurück und beginnt in unserer Anlage jeweils einen neuen Lebenszyklus.

Zweitens verfügen wir über die Anlagen und das prozessuale Know-how, um auch das noch zu recyceln, was andere nicht im Wertstoffkreislauf halten können. Das sind zum einen stark verunreinigte Schrotte wie ölige oder lackierte oder kunststoffummantelte Metalle – zum Beispiel die allseits bekannte Kaffeekapsel. Zum anderen verwerten wir auch die Nebenprodukte, die beim (Wieder-) Einschmelzen entstehen: Aus Schlacken, also der im Ofen zurückbleibenden Salz- und Fremdstoffmischung, und Krätzen, also der Oxidschicht, die sich beim Erstarren der Aluminiumschmelze bildet, gewinnen wir ein Maximum unseres Werkstoffs zurück.

Drittens arbeiten wir sehr eng mit unseren Kunden und in Entwicklungspartnerschaften zusammen und schauen uns bestehende und potenzielle Anwendungen an: Wo können wir Recyclingaluminium verwenden, wo bislang Primäraluminium oder ganz andere Werkstoffe eingesetzt werden? Mit welcher unserer maßgeschneiderten Legierungen können wir die anwendungsspezifischen Anforderungen unserer Kunden am besten erfüllen – und gleichzeitig mit dem höchstmöglichen Anteil von Recyclingmaterial für die optimale Produktbilanz sorgen?

Das Potenzial vollständiger Zirkularität ist riesengroße: Eben weil unser Dekarbonisierungshebel so effektiv ist, wollen wir ihn so vielfältig wie möglich ansetzen. Und wo wir das bereits tun, zeigen wir das auch gerne her!