Banking für KMU: Warum einfach nur ein Konto heute nicht reicht

Selbstständige und kleine Unternehmen stoßen bei Banken oft an Grenzen. Holvi-Gründer und CEO Tuomas Toivonen erklärt, warum das so ist – und wie die nordische Einfachheit, Echtzeitüberweisungen und KI das Banking für KMUs neu definieren könnten.

Aus englischem Original-Interview übersetzt

Herr Toivonen, Sie sind sowohl Gründer als auch Fintech-CEO. Wie prägt diese doppelte Perspektive Ihre Arbeit?

Als Gründer habe ich eines schnell – und schmerzhaft – gelernt: Kaum ist ein Problem gelöst, steht schon das nächste vor der Tür. Unternehmertum fühlt sich an wie ein endloser Hindernisparcours, und Finanzen und Buchhaltung sind dabei eine besonders große Hürde. Genau deshalb haben wir Holvi gegründet: eine Banking-Lösung, die Gründer:innen und Unternehmer:innen den Rücken frei hält. Eine Plattform, die nicht nur ein Konto bietet, sondern den gesamten Weg begleitet – von der digitalen Firmengründung bis zum täglichen Finanzmanagement, mit allen Schnittstellen, die man dafür braucht.

Als CEO sehe ich meine Rolle darin, unserer Vision Struktur zu geben. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass wir nicht nur im Heute Lösungen liefern, sondern auch morgen schon da sind, wo unsere Kund:innen uns brauchen.

Banking darf nie nur reagieren – es muss einen Schritt voraus sein.

Viele Banken sprechen davon, KMUs besser zu bedienen. Warum fühlen sich Selbstständige dennoch oft übersehen?

Weil Banken dort hinschauen, wo das große Geld liegt: bei Konzernen. Für Gründer:innen und Unternehmer:innen bedeutet das, dass sie sich durch Bürokratie kämpfen müssen – allein, um ein Konto zu eröffnen.

Doch kleine Unternehmen brauchen vor allem drei Dinge: Geschwindigkeit, Klarheit, einfache Prozesse. Stattdessen stoßen sie häufig auf versteckte Kosten und Systeme, die mit ihrem Alltag nichts zu tun haben.

Wenn man jedes Mal sein Geschäftsmodell erklären muss, nur um ein Konto zu eröffnen, zeigt das, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Realität ist.

Worin unterscheiden sich Fintechs wie Holvi von traditionellen Banken?

Wir haben Holvi von Tag eins so gebaut, wie Unternehmer:innen es wirklich brauchen, ein Konto für Money in&out, Ausgabenmanagement und Firmenkarten, kurzfristiges Cash-Parken mit Rendite und einfaches Fremdwährungsmanagement. Jede Funktion wird am realen Workflow getestet. Viele Banken betrachten KMUs noch immer als „zu klein“ für echte Innovation. Für uns gilt das Gegenteil: Sie sind der Ursprung unserer Innovation.

KMUs gelten als vorsichtig, wenn es ums Geld geht. Wie überzeugt man sie, eine digitale Bank zu nutzen?

Vertrauen entsteht nicht durch glänzende Features, sondern durch Verlässlichkeit. Konto eröffnen, sofort loslegen, Gebühren glasklar. Und dann muss alles einfach laufen: Zahlungen, Support, Sicherheit.

Unser stärkstes Argument ist Zeitersparnis. Wer merkt, dass Rechnungen und Buchhaltung mit Holvi im Hintergrund erledigt werden, gewinnt plötzlich Raum fürs eigentliche Geschäft.

Man könnte fast sagen: Wir sind der Dinosaurier unter den Fintechs – seit 2011 im Markt.

Holvi stammt aus Finnland. Was bedeutet die „nordische DNA“ für Ihre Produktphilosophie?

Unsere DNA ist schlicht: Dinge müssen funktionieren. Punkt. In den Nordics baut man Lösungen nicht fürs Schaufenster, sondern für den Alltag. Deshalb ist das Vertrauen in digitale Lösungen so hoch.

Ein Beispiel: E-Invoicing. In Finnland ist das einfach selbstverständlich. In Deutschland wird es noch diskutiert, dabei könnte es kleinen Unternehmen enorm helfen. Genau diese Selbstverständlichkeit wollen wir nach Deutschland bringen.

KI ist gerade das große Thema im Banking. Erwarten KMUs überhaupt, dass KI im Hintergrund arbeitet?

Die meisten Gründer:innen fragen nicht: „Habt ihr KI?“, sondern: „Was nimmt mir Arbeit ab?“. Wenn KI Routineaufgaben übernimmt, Betrug erkennt oder meinen Cashflow vorausschauend anzeigt, dann wird sie zum virtuellen CFO.

Natürlich gibt es Bedenken beim Thema Daten. Deshalb ist für mich klar: Transparenz ist die Eintrittskarte in die Workflows von Unternehmer:innen. Nur wenn sie verstehen, wie KI arbeitet, wird sie vom Buzzword zum echten Game Changer.

Ab Oktober 2025 werden Instant Payments in der EU verpflichtend. Welche Chancen sehen Sie – und wo Risiken?

Instant Payments oder Echtzeitüberweisungen sind ein Turbo für die Liquidität kleiner Unternehmen. Geld ist sofort da, Zahlungen laufen in Sekunden. Das verbessert den Cashflow und macht unabhängiger von Kreditlinien.

Aber: Je schneller Geld fließt, desto schneller fließt auch der Betrug. Sicherheit muss also Schritt halten mit Geschwindigkeit. Und Regulierung muss sicherstellen, dass Instant Payments kein Luxusgut werden. Wenn die Kleinsten die höchsten Gebühren zahlen, haben wir das Ziel verfehlt.

Blick nach vorn: Wie sieht Banking für KMUs in fünf Jahren aus – und welche Rolle will Holvi spielen?

Banking sollte unsichtbar sein – wie Strom aus der Steckdose. Niemand fragt sich, ob das Licht angeht, man schaltet es einfach ein. So muss Banking funktionieren: integriert in den Arbeitsalltag, immer verfügbar, in Echtzeit.

Die Anbieter, die bleiben, sind die, die Banking mit echten Business-Tools verbinden – nicht mit Versprechen, sondern mit Lösungen. Holvi will genau dieser Partner sein: smarter als eine klassische Bank, verlässlicher als ein Fintech-Experiment.

In Zukunft werden Unternehmer:innen ihre Bank nicht mehr wahrnehmen – und genau deshalb wird sie unverzichtbar sein.