Ausgezeichnet: 15 kluge Köpfe für die Digitalisierung der Verwaltung

Possible und das Handelsblatt zeichnen Young Leaders in GovTech aus

Artikel aus dem Handelsblatt Journal GovTech vom 20.02.2025

Die GovTech-Idee ist simpel: Staatliche Dienstleistungen sollen auf lange Sicht für alle Bürger:innen einfacher zugänglich werden. Digitalisierung ist dabei der Schlüssel zur Transformation des Verwaltungsapparats. Doch um diesen Weg zu gehen, braucht Deutschland kluge, kreative und engagierte Menschen. Das Gute: Es gibt sie! Nur leider bleiben sie noch zu oft im Schatten. Das möchten Possible und das Handelsblatt ändern – und kürt daher zum zweiten Mal die „Young Leaders in GovTech“. Diese Auszeichnung soll die neue Generation der Führungskräfte auszeichnen und Erfolgsbeispiele nachzeichnen. Dazu können sich die Talente untereinander vernetzen und so die digitale Transformation des Staates zukünftig mit noch mehr Erfolg vorantreiben. Hier die 15 Gewinner für 2025…

Die Jury

Ein herzlicher Dank geht an die Jury der „Young Leaders in GovTech“. Die Top-Talente wurden ausgewählt von Nicole Büttner, Founder & CEO von Merantix Momentum, Nils Hoffmann, Geschäftsführer von Possible, Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, Leiter der AG Digital Public an der Universität Bremen, Dr. Markus Richter, Staatssekretär und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik sowie Nadine Schimroszik, Handelsblatt-Redakteurin.

Possible

Possible berät und vernetzt öffentliche Verwaltung und Tech-Welt. Das Team inspiriert die öffentliche Verwaltung, effektive Innovationsstrategien zu entwickeln, sich mit Hilfe von außen von innen heraus zu transformieren und durch das GovTech-Ökosystem strategische Herausforderungen zu lösen. Possible will Ängste vor dem Experimentieren abbauen und Lust auf eine neue Denk- und Arbeitsweise machen, um Produkte und Services gemeinsam schnell und erfolgreich zu skalieren.

Kategorie: Public Sector

Arne Schömann verantwortet als GenAI Lead die flächendeckende Einführung generativer KI für die Landesverwaltung in NRW bei IT.NRW. Mit NRW.Genius hat er ein Produkt geschaffen, das Generative Künstliche Intelligenz zugänglich macht und eine schnelle, umfassende Nutzung in der Verwaltung ermöglicht. Was ihn jedoch wirklich antreibt, ist die Vision, KI als Commodity zu etablieren. „Mein Ziel ist eine Zukunft, in der selbst kleine Kommunen mit knappen Kassen generative KI nutzen können, um ihre Prozesse effizienter zu gestalten und den Bürgerinnen und Bürgern bessere, effizientere Services anzubieten“, sagt Schömann. Dafür braucht es eine KI-Plattform, die über lokale Lösungen hinausgeht und deutschlandweit Interoperabilität ermöglicht.

Dr. Annerose Nisser hat den bisher analogen Prozess von Konsultationsverfahren für Gesetzgebungsprozesse im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) digitalisiert. Und damit erreicht, dass die Expertise relevanter Stakeholder viel besser in den Gesetzesentwürfen berücksichtigt und die Daten als Open Data veröffentlicht werden können. Sie engagiert sich darüber hinaus für die Zusammenarbeit aller Datenlabore in der Bundesverwaltung. Zuvor hat sie sich als Technologieberaterin bei der VDI Technologiezentrum GmbH für die Datensolidarität bei der Nutzung von Gesundheitsdaten eingesetzt. In Zukunft könnte Dr. Annerose Nisser eine Führungsposition im Bereich der digitalen Bundesverwaltung übernehmen: sie verfügt über fundierte Erfahrung in der operativen Datenarbeit, ausgezeichnetes strategisches Denken und baut schnell Netzwerke auf.

Zur KI kam sie bereits vor ca. 20 Jahren an der Uni – als sie mit anderen Student:innen in einem Studi- Projekt ein einfaches neuronales Netz für Spracherkennung entwickelt und trainiert hat. Seit April 2022 ist Luise Kranich Referatsleiterin im Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI). Derzeit verantwortet sie die Themen „Rahmenarchitektur, Standardisierung für Plattformsysteme und für Digitale Services“, zuvor koordinierte sie mit ihrem Team im Referat „Digitalisierungsprogramme Bund und Föderal“ die Umsetzung des OZG. Somit treibt Luise Kranich die IT-Standardisierung der Verwaltung signifikant voran, was Grundlage für Effizienz und Vertrauenswürdigkeit staatlicher Institutionen ist.

Carolin Frankenhauser hat in den letzten acht Jahren sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene an verschiedenen Projekten an der Schnittstelle zwischen Digitalisierung und nachhaltiger Entwicklung mitgewirkt. Seit 2022 unterstützt sie bei UNICEF den Aufbau des globalen Digital Centre of Excellence in Nairobi. Kern ihrer Arbeit ist die Förderung von internationaler Zusammenarbeit im Bereich GovTech. So setzte sie zum Beispiel für die mauretanische Regierung ein Training mit der Estnischen E-Governance Academy um. Eine bold Idee, die sie gerne umsetzen würde, ist die Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich GovTech. Durch einen systematischen Ausbau der digitalen internationalen Zusammenarbeit könnten grundlegende Herausforderungen wie zum Beispiel fehlende digitale Souveränität adressiert werden.

Ihr Weg in die digitale Transformation des öffentlichen Sektors ist ungewöhnlich: Anna Katharina Frische fing als Offizierin und Soldatin in der Bundeswehr an – eine Zeit, die ihr tiefe Einblicke in die Strukturen und Prozesse des öffentlichen Sektors gegeben hat. Danach studierte sie Public Sector Innovation und eGovernance. Seit 2024 ist sie Trend- und Technologieanalystin bei der Deutschen Bundesbank. Darüber hinaus engagiert sich Anna Frische für den Expert:innen-Austausch zwischen Trendmanagementeinheiten verschiedener öffentlicher Organisationen. Ihre Vision: das „Inter-Agency Rotation Program“. Dieses Programm würde jedem Verwaltungsmitarbeitenden ein festes Kontingent an Tagen pro Jahr gewähren, die er oder sie in einer anderen öffentlichen Organisation verbringen darf – ganz unkompliziert und ohne große bürokratische Hürden.

Kategorie: Private Sector

Seit drei Jahren hat Alexa Möller mit ihrer strategischen Weitsicht und operativen Exzellenz nicht nur die Wachstumsphase von Polyteia maßgeblich geprägt, sondern auch dessen interne Prozesse effizient skaliert. Dabei hat sie Teams aufgebaut, motiviert und zu Höchstleistungen inspiriert. In der Zukunft wird Möller als zentrale treibende Kraft hinter der operativen Skalierung und strategischen Ausrichtung mitwirken. Insbesondere wird sie dazu beitragen, die Vision eines „Government OS“ Wirklichkeit werden zu lassen – einer Plattform, die Öffentliche Verwaltungen dabei unterstützt, interoperable und flexible Lösungen für ihre Verwaltungsprozesse zu entwickeln. Ihre Fähigkeit, Prozesse zu optimieren und nachhaltige Partnerschaften aufzubauen, wird Polyteia dabei helfen, seine Vision zu erreichen: ein europäischer GovTech-Marktführer zu werden.

Als Lead Data Scientist mit über fünf Jahren Erfahrung in der Leitung und Durchführung von KI-Entwicklungsprojekten hat Dr. Marcel Beining maßgeblich dazu beigetragen, Prozesse in der Sozialversicherung effizienter zu gestalten und die Servicequalität zu erhöhen. Dazu sind unter seiner Leitung weitere, teils preisgekrönte KI-Lösungen entwickelt und eingeführt worden. Diese unterstützen Verwaltungsfachkräfte in ihrer täglichen Arbeit und machen Betriebe sicherer. Seine Projekte haben messbare Verbesserungen für die öffentliche Verwaltung erzielt und dienen als Vorbild für innovative Lösungen im GovTech-Bereich. Als Visionär mit praktischem Hintergrund würde er nicht nur technische Lösungen vorschlagen, sondern auch die notwendigen strategischen und organisatorischen Veränderungen voran treiben.

Florian Polak treibt durch seine Arbeit bei tucan.ai die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung entscheidend voran. Seit der Gründung von tucan.ai im Jahr 2019 hat er mit seinem Team KI-gestützte Lösungen entwickelt, die Verwaltungsprozesse effizienter gestalten. Ein zentrales Projekt ist die Einführung der Tucan-KI Technologie im Landtag Mecklenburg-Vorpommern. Diese Lösung automatisiert die Transkription und Protokollierung von Sitzungen, reduziert den Verwaltungsaufwand und verbessert die Barrierefreiheit durch präzise Live-Transkriptionen. Polaks Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung und Effizienzsteigerung in der öffentlichen Verwaltung. Sein Engagement und Vision werden entscheidend dazu beitragen, die Digitalisierung der Verwaltung voranzutreiben und neue Standards für Effizienz und Transparenz zu setzen.

Vor knapp drei Jahren gründete Sarah Delahaye Make.org in Deutschland – die erste Civic-Tech-Organisation, die großangelegte digitale Beteiligungsprozesse für Zehntausende bis hin zu Millionen von Bürger:innen gestaltet. Damals wurde digitale Bürgerbeteiligung vielfach skeptisch betrachtet. Heute, angesichts gesellschaftlicher Polarisierung und dem Erstarken des Populismus, hat digitale Partizipation eine neue Dringlichkeit und Bedeutung erlangt. Beispiele dafür sind das „Forum gegen Fakes“, ein Projekt zur Bekämpfung von Desinformation, oder „Zukunftsgerichtet“, eine Initiative zur Zukunft des Rechtsstaats in Baden-Württemberg. Parallel hat sie die neue Innovation, Panoramic AI, nach Deutschland gebracht. Diese Plattform wird im Rahmen des Projekts „Wahlcheck 2025“ erstmals eingesetzt. Ihre Vision für GovTech: Eine zentrale App für Demokratie und Bürgerbeteiligung.

Danilo Jovicic-Albrecht ist Mitgründer des Stuttgarter Straßenmanagement-Start-ups vialytics und baute es zu einem international tätigen Unternehmen mit 100 Mitarbeiter:innen mit auf. Die Idee des Start-ups: Um den hohen Kosten- und Zeitaufwand einer Straßenzustandserfassung zu reduzieren, entwickelte das Team eine künstliche Intelligenz, die objektiv, schnell und genau die Asphaltoberfläche analysiert. Im November 2024 wechselte Jovicic-Albrecht in den Beirat seiner Firma um sich als Investor im GovTech Segment zu engagieren. Zunächst als Business Angel, jedoch mit der Vision langfristig einen GovTech Fond aufzusetzen. Das fördert den Markt an der genau richtigen Stelle: es entstehen Innovationen, die sich auf dem Markt beweisen können und deren Wachstum gestärkt wird, damit es noch schneller in die Umsetzung geht.

Kategorie: Wissenschaft & Zivilgesellschaft

Sie war Diplomatin, arbeitete in Berlin, Shanghai, Dakar, Maputo und Hanoi. Dabei setzt sich Tiaji Sio seit Jahren für Diversität und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Durch ihre eigene Geschichte war es ihr ein Herzenswunsch im Auswärtigen Amt zu arbeiten und Brücken zu bauen zwischen Deutschland und der Welt. 2019 gründete sie im Auswärtigen Amt die Initiative Diplomats of Color und wurde zu einer treibenden Kraft im Diskurs um die Repräsentation der gesellschaftlichen Vielfalt in Politik und Verwaltung. 2021 folgte das ressortübergreifende Netzwerk DIVERSITRY, das mittlerweile in fast allen Bundesministerien bei der Gründung und Vernetzung von Beschäftigteninitiativen unterstützt. 2023 verließ Sio das Auswärtige Amt. Seitdem verantwortet sie Re:Form – eine Initiative der gemeinnützigen Organisation ProjectTogether, die in Kooperation zwischen dem Staat und der Zivilgesellschaft daran arbeitet, die deutsche Verwaltung zukunftsorientiert, innovativ und bürgerfreundlich zu gestalten.

Im CityLAB Berlin verantwortet Niklas Kossow die Zusammenarbeit mit der Berliner Senatskanzlei zur Smart City-Strategie „Gemeinsam Digital: Berlin“ (GD:B). Er war wesentlich an der Ausarbeitung der strategischen Ausrichtung und dem Aufbau der begleiten den Community beteiligt. Neben der politischen Ausrichtung und Maßnahmenentwicklung der Strategie, umfasst GD:B die Unterstützung verschiedener Projekte bei der Entwicklung von Angeboten für ein digitaleres Berlin, wie z.B. das Projekt „Digital-Zebra“, das Berliner:innen in Bibliotheken einen besseren Zugang zur digitalen Teilhabe ermöglicht. Kossow organisiert zudem weitere Netzwerkaktivitäten wie die Austauschreihe „Verwaltung gestalten“ und „Meetup Öffentliches Gestalten“ mit dem Digitalservice Bund. Er leitet das Team „Smart City & Verwaltungsinnovation“ und koordiniert die Team-Unterstützung von Digitalisierungsprojekten der Berliner Verwaltung.

Im Rahmen eines JRC-Projekts war Dr. Gerhard Klassen an der Studie ‚GovTech: Influencing Factors, Common Requirements and Recommendations‘ beteiligt, die Erfolgsfaktoren und Herausforderungen von GovTech Startups in Europa untersucht. Zusätzlich leitete Dr. Klassen das Projekt ‚Urban Data Challenge‘ der Stadt Hamburg, bei dem ein Analyse Dashboard entwickelt wurde, das mithilfe von statistischen Analysen und KI zentrale Fragestellungen beantwortet. In der Zukunft kann er in einer führenden Position in der Wissenschaft als Mentor und Innovator Raum für neue Talente schaffen sowie exzellente Forschung zu GovTech-Themen und deren Transfer in Gesellschaft und Wirtschaft leisten.

Nach sechs Jahren in der IT-Sicherheitsbranche, unter anderem als QA-Engineer, entschied sich Yannic Plumpe für ein Studium der Politikwissenschaften, das er erfolgreich an der Technischen Universität München abschloss. Seine Erfahrungen in IT-Sicherheit und Politikwissenschaft führten ihn in den Bundestag, den Land tag und eine große Unternehmensberatung. Plumpe baute den GovTech Campus Baden-Württemberg auf und leitete dort das Team, bevor er als Projektkoordinator der GovTech-Initiative des TUM Think Tanks tätig wurde. Zudem ist er Mitbegründer der Initiative Public Makers, die Public Entrepreneurship fördert und junge Talente für den öffentlichen Sektor begeistert. Seit November 2024 ist er Fellow für Internationale Digitalpolitik beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV).

Die Digitalisierung in Deutschland (politisch) vorantreiben und innovative Lösungen für Verwaltung und Demokratie ins Bewusstsein rücken – das ist die Leidenschaft von Ann Cathrin Riedel. Als Geschäftsführerin von NExT e.V. hat sie Verwaltungsnetzwerke weiterentwickelt und gestärkt, um den Wissenstransfer und die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu fördern. Dazu hat Riedel als Beirätin in Sachsen-Anhalt und beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr wichtige Impulse für die Politik gesetzt, ins besondere bei der Umsetzung der deutschen Digitalstrategie. Riedel ist überzeugt: Sehr gute innovative Ideen existieren bereits in den Köpfen der Verwaltungsmitarbeiter:innen. Es braucht Strukturen, die ihre Umsetzung fördern, mutige Führungskräfte, die Innovationen zu lassen, und eine Beförderungskultur, die Fortschritt belohnt statt bestraft.

Das aktuelle Handelsblatt Journal
Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „GovTech“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
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