Mittel- bis langfristig entscheidet aber nicht allein die Anzahl der Systeme über die militärische Wirksamkeit, sondern, dass diese in den militärischen Führungsprozess integriert sind und in künftigen Innovationszyklen flexibel weiterentwickelt werden können.
Technologie-Silos müssen aufgebrochen und Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern vermieden werden, damit Folgebeschaffungen nicht teuer, langsam und unflexibel werden. Der Modular Open Systems Approach (MOSA) kann hier eine zukunftsorientierte Grundlage schaffen.
Flexibilität durch modulare Architektur und offene Standards
Der Modular Open Systems Approach ist eine technologie-übergreifende Strategie für die Entwicklung moderner Waffensysteme. Anstelle geschlossener, monolithischer Systeme eines einzelnen Herstellers setzt STARK auf eine modulare Architektur mit standardisierten Schnittstellen. MOSA beschreibt die Aufteilung komplexer Waffensysteme in einzelne, lose gekoppelte Software- und Hardwaremodule. Diese sind über offene, nicht-proprietäre Schnittstellen verbunden und lassen sich bei Bedarf flexibel zusammenstellen.
Damit dieser Ansatz wirksam eingesetzt werden kann, muss der zentrale Software-Kern einschließlich der entscheidenden IP-Rechte bei der Bundeswehr selbst liegen. So lassen sich Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern (Vendor Lock-in) vermeiden und zugleich ein hohes Maß an Cybersicherheit und Datenhoheit über MOSA und die angebundenen Waffensysteme sicherstellen.
Die dabei anfallenden Daten können von der Bundeswehr genutzt werden, um den Einsatz der Systeme zu optimieren, ihre Weiterentwicklung voranzutreiben und KI-Modelle gezielt zu trainieren. Der Betrieb der Software auf Bundeswehr-eigener Infrastruktur erhöht zudem die Zuverlässigkeit, ermöglicht zudem höhere Verlässlichkeit, den Zugang zu gesicherten Netzwerken und schnellere Reaktionszeiten bei Systemfehlern und Angriffen.
Beispiel MOSA in den US-Streitkräften
Ein Blick in die USA zeigt, wie MOSA bereits jetzt zivile und militärische Innovationen schneller in die Streitkräfte bringt. Dort ist MOSA seit 2019 die Grundlage aller Beschaffungsvorhaben.
Ein Beispiel ist das VICTORY-Programm der US Army zur Modernisierung von Fahrzeugen. Komplexe alte Verkabelungen werden hier durch ein gemeinsames Ethernet-Netzwerk ersetzt und mit einheitlichen Standards für den Datenaustausch ergänzt. So lassen sich neue Technologien über austauschbare Hard- und Softwaremodule in bestehende Systeme integrieren.
Einzelne Komponenten können modernisiert oder ersetzt werden, ohne ein komplett neues System beschaffen zu müssen. Neue Module bauen auf der bestehenden Architektur auf und ermöglichen schnelle Iterationszyklen. Gleichzeitig senken offene Schnittstellen die Markteintrittsbarrieren für neue Anbieter fördern den Wettbewerb und vermeiden Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern.
Souveränität als Strategie
Die aktuelle sicherheitspolitische Lage und das außergewöhnlich hohe Beschaffungsvolumen eröffnen der Bundeswehr eine strategische Chance: nicht nur Fähigkeitslücken zu schließen, sondern die strukturellen Grundlagen zukünftiger Waffensysteme neu zu definieren. Entscheidend darür ist ein Kulturwandel. Weg von geschlossenen Einzellösungen, hin zu modularen, softwarezentrierten Architekturen mit klaren Integrationsstandards. Ein konsequent umgesetzter Modular Open Systems Approach verankert diese Prinzipien von Beginn an und schafft messbare strukturelle Vorteile.
Damit dieser Ansatz seine Wirkung entfalten kann,, braucht es einen engen Schulterschluss zwischen den Innovationsakteuren der Bundeswehr, bspw. dem neu geschaffenen Innovationszentrum der Bundeswehr und dem Cyber Innovation Hub, sowie der Industrie. Klare vertragliche und rechtliche Vorgaben sind ebenso entscheidend wie Industriepartner mit ausgewiesener Expertise, insbesondere im Bereich unbemannter Systeme. So kann aus schneller Beschaffung nachhaltige militärische Handlungsfähigkeit werden.