Ein Beispiel: Ein international tätiges Unternehmen mit zwei Milliarden Euro Umsatz gerät unter akuten Refinanzierungsdruck. Die Liquidität wird knapp, Banken und Gesellschafter verfolgen unterschiedliche Interessen. Die Reaktion ist keine Strategierunde. Ein Chief Restructuring Officer wird eingesetzt mit klarem Mandat: stabilisieren, entscheiden, liefern.
Innerhalb von 24 Monaten werden rund 800 Millionen Euro generiert, die Nettoverschuldung sinkt auf null und das EBITDA steigt deutlich. Die Refinanzierung gelingt. Im Schulterschluss mit Management und Organisation.
Eine solche Entwicklung ist kein Einzelfall, sondern ein Muster, das sich in immer mehr Transformationen zeigt. Zunehmend berufen Unternehmen in kritischen Situationen Interim Executives wie Chief Restructuring Officers (CROs) und Chief Transformation Officers (CTOs) in die Verantwortung als temporäre Führungskräfte mit klarem Ergebnisauftrag.
Disruption erhöht den Handlungsdruck
Gerade jetzt verspüren viele Unternehmen Druck. In Deutschland wurden 2025 rund 24.064 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet. Finanzierungen werden komplexer, Stakeholder-Strukturen dichter, Entscheidungsfenster kürzer. Viele Organisationen sind darauf strukturell nicht vorbereitet. Zusätzliche Führungskapazität aufzubauen braucht Zeit und genau diese fehlt in kritischen Situationen.

Warum Unternehmen auf Interim Executives setzen
Drei Faktoren erklären, warum Unternehmen in Krisen oder tiefen Transformationen zunehmend auf Interim Executives zurückgreifen:
- Geschwindigkeit: Sofortige Führungskapazität auf Vorstandsebene. Dank langjähriger Erfahrung benötigen Interim Executives in der Regel keine lange Einarbeitung und können Entscheidungen unmittelbar vorbereiten und umsetzen.
- Eindeutiges Mandat: Anders als in klassischen Beratungsmandaten übernehmen Interim Executives operative Verantwortung. Sie treffen Entscheidungen, die intern oft schwieriger durchsetzbar wären, und verlassen das Unternehmen wieder, sobald das Ziel erreicht ist – ohne Machtkampf.
- Umsetzungsorientierte Grundhaltung: Interim Executives denken in Konsequenzen. Sie sind auf Umsetzung ausgerichtet und benennen auch unbequeme Wahrheiten. Das macht sie in kritischen Situationen besonders wirksam.
Stabilisierung und Transformation
Der CRO sichert die Liquidität, führt Gespräche mit Banken und Gläubigern und schafft Vertrauen bei allen Beteiligten. Er gibt dem Prozess Struktur und Glaubwürdigkeit.
Der CTO treibt Veränderungen voran, bricht Silos auf und sorgt dafür, dass Transformation nicht im internen Abstimmungsdschungel versandet, sondern tatsächlich in der Organisation ankommt.
In der Praxis vereint häufig eine Person beide Rollen. Der Schwerpunkt verschiebt sich im Verlauf: zunächst Stabilisierung, später Transformation. Eine klare Rollentrennung ergibt meist nur dort Sinn, wo das Problem eindeutig ist, etwa bei einer reinen Refinanzierung oder einer isolierten Transformation
Geschwindigkeit entsteht im Team
CROs und CTOs arbeiten selten allein. Häufig bringen sie ein eingespieltes Senior-Team mit, das spezifische Expertise einbringt. Gleichzeitig bleibt der Erfolg immer eine gemeinsame Leistung mit dem Management und den Teams im Unternehmen. Der Vorteil: Die Zusammenarbeit funktioniert vom ersten Tag an. Analyse und Umsetzung laufen parallel. Gerade in kritischen Phasen ist diese Geschwindigkeit entscheidend.
Der richtige Zeitpunkt ist früher als gedacht
WANN CRO & CTO DEN GRÖßTEN HEBEL ENTFALTEN:

In der Praxis werden CROs und CTOs häufig erst eingesetzt, wenn eine Krise bereits eskaliert ist, dabei ist ihr Hebel bei frühen Anzeichen von Disruption am größten. Je früher ein CRO oder CTO mit echtem Mandat eingesetzt wird, desto größer ist sein Handlungsspielraum und desto besser das Ergebnis für alle Beteiligten.
Zeit ist in Krisen und Transformationen das knappste Gut, deshalb sollten Menschen entscheiden, die wissen, wie man sie maximal ausschöpft.
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