Transformation. Gemeinsam.

Die Transformation des Energiesystems ist zweifellos eine gewaltige Herausforderung. Vielleicht ist sie die größte Herausforderung seit Beginn der europäischen Einigung: Richtig gemacht, ist die Transformation auch die größte Chance für Europa in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Dafür brauchen wir weniger Ideologie, mehr Realismus und ein Bekenntnis. Denn Strom folgt nur der Physik.

Es mag unpopulär sein, aber wir brauchen in vielen Bereichen, mehr Europa, nicht weniger. Besser bedingt unter anderem ein klares Bekenntnis zu Europa. Im globalen Wettbewerb kann nur ein geeintes Europa den beiden anderen großen Volkswirtschaften USA und China die Stirn bieten. Das erfordert eine (Rück-)Besinnung auf die zentrale Stärke: den Binnenmarkt. Sei es die Kapitalmarktunion oder der Energiebinnenmarkt, wir sehen uns hier mit Hindernissen und Hürden konfrontiert, die hemmen.

Der Standort Europa bleibt daher weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Eine koordinierte und abgestimmte Transformation des Energiesystems ist bis zu 40 % effektiver und günstiger als nationale Alleingänge. Ein vollständiger Energie-Binnenmarkt, der auf erneuerbaren Energien basiert, verspricht, so der Internationale Währungsfonds, Kostenvorteile von rund 40 Mrd. Euro pro Jahr. Klassische Finanzierungsinstrumente und fehlende Venture-Capital-Ökosysteme lassen Europa in Sachen Kommerzialisierung von Innovationen immer weiter zurückfallen. Das alles mit messbaren Ergebnissen: Europa lässt rund 10 Prozent seines potenziellen BIP ungenutzt.

Europa muss seine grundsätzliche Einstellung zur Transformation ändern. Die USA und China machen es uns vor: Ökonomische Chancen nutzen und die wirtschaftlichen Impulse in den Mittelpunkt stellen. Gerade Europa, das zu Recht stolz auf seine Green-Tech-Kompetenz ist, sollte sich um eine Positionierung als globaler Technologielieferant und Lösungspartner bemühen. Lt. IEA wurden 2025 rund 2.200 Mrd. USD weltweit in saubere Technologien investiert.

Europa hat noch einen weiteren Grund, die Transformation voranzutreiben. Spätestens im Jahr 2022 musste Europa erkennen, dass Abhängigkeiten von Energielieferanten als Waffe gegen uns gerichtet sind. Mehr Eigenverantwortung Europas für die eigene Energieversorgung ist daher alles andere als ein Fehler. Auch aus ökonomischer Sicht: 2024 flossen rund 376 Mrd. Euro aus Europa für fossile Energieimporte ab. Es braucht wenig Fantasie, um sich ein Szenario auszumalen, in dem diese Geldmittel für Wohlstand, Wertschöpfung und Konjunkturimpulse in Europa sorgen.

Es gibt viele gute Gründe für die Transformation des Energiesystems. Wie müssen sie nur richtig machen: gemeinsam.