Die Finanzbranche befindet sich dabei selbst mitten im Wandel. Geschäftsmodelle, Technologien und Kundenerwartungen wandeln sich kontinuierlich. Veränderung ist deshalb kein Ausnahmezustand. Sie ist das Grundprinzip unserer Branche.
Das Tempo dieses Wandels nimmt weiter zu. Technologische Innovationen, neue Wettbewerber, geopolitische Entwicklungen und regulatorische Anforderungen erhöhen die Komplexität wirtschaftlicher Entscheidungen. Anpassungsfähigkeit wird damit zu einer zentralen Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.
Wer darauf wartet, dass sich Rahmenbedingungen vollständig klären oder Unsicherheiten verschwinden, wird den Anschluss verlieren. Entscheidend ist die Fähigkeit, unter veränderten Bedingungen zu handeln, Orientierung zu geben und Zukunft aktiv zu gestalten.
Deutschland und Europa
Besonders sichtbar wird das in Deutschland und Europa. Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind strukturell: Zentrale Industrien stehen unter erheblichem Anpassungsdruck, Investitionsbedarfe wachsen und gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb. Viele Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln, neue Technologien integrieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft sichern.
Die Antwort darauf kann nur konsequentes Handeln sein. Es braucht mehr Investitionen in Digitalisierung, Infrastruktur und nachhaltige Transformation. Und es braucht einen regulatorischen Rahmen, der diese Entwicklung ermöglicht, statt sie zu verlangsamen. Vereinfachung ist dabei keine Schwächung von Standards, sondern eine Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit.
Vor allem aber müssen wir aufhören, Transformation national zu denken. Europas wirtschaftliche Stärke wird sich daran entscheiden, ob es gelingt, Kapital effizient zu mobilisieren und Investitionen schneller zu ermöglichen. Ein leistungsfähiger europäischer Finanzmarkt ist kein politisches Projekt – er ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Unsere Verantwortung
In dieser Situation kommt Banken eine Schlüsselrolle zu. Sie finanzieren Investitionen, begleiten Unternehmen durch Transformationsprozesse und schaffen Stabilität in einem Umfeld, das zunehmend komplexer wird. Sie sind damit nicht nur Teil wirtschaftlicher Entwicklung, sondern eine ihrer wesentlichen Voraussetzungen.
Dass Wandel erfolgreich gestaltet werden kann, zeigt auch unsere eigene Entwicklung.
Die TARGOBANK ist aus der Kundenkreditbank entstanden – mit der damals neuen Idee, privaten Haushalten Zugang zu Finanzierungen zu eröffnen. Seitdem hat sie sich immer wieder neu aufgestellt: technologisch früh, produktseitig innovativ und strategisch konsequent. Vom ersten Einsatz elektronischer Datenverarbeitung über neue Vertriebswege bis hin zum Ausbau neuer Geschäftsfelder zieht sich eine Linie durch unsere Geschichte: Wir haben Wandel nie abgewartet, sondern gestaltet.
Heute sind wir eine wachsende Finanzholding und eine neue Größe am Markt. Neben Privatkrediten bieten wir Lösungen für Geldanlage und Vorsorge, betreiben eine herstellerunabhängige Autobank und unterstützen Geschäftsleute, Mittelständler und große Unternehmen mit passgenauen Finanzlösungen.
Dass wir heute unser 100-jähriges Jubiläum feiern und gleichzeitig mit dem Erwerb der Oldenburgischen Landesbank den Schritt in die Top Ten der privaten Banken in Deutschland nach Bilanzsumme gehen, ist deshalb kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer Transformation, die über Jahre hinweg konsequent umgesetzt wurde.
Führung als Schlüssel
Diese Erfahrung prägt auch meinen eigenen Führungsansatz. Transformation ist keine Reaktion auf äußeren Druck. Sie ist eine dauerhafte Managementaufgabe – mit dem Anspruch, Entwicklungen früh zu erkennen, Entscheidungen zu treffen und Zukunft aktiv zu gestalten.
Die Wettbewerbsfähigkeit Europas wird sich in den kommenden Jahren daran entscheiden, wie konsequent Investitionen ermöglicht, Innovationen gefördert und Transformationsprojekte finanziert werden.
Banken haben dabei eine klare Aufgabe: Sie stellen Kapital bereit, schaffen Vertrauen und ermöglichen wirtschaftliche Entwicklung. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden. Die entscheidende Frage ist, ob wir sie entschlossen genug nutzen. Besinnen wir uns auf unsere Stärken, fördern wir Innovationen, seien wir offen für Veränderungen und auch ein wenig mutig.