Ohne digitale Messung keine intelligente Steuerung
Erneuerbare Energien erzeugen Strom volatil. Gleichzeitig wächst die Zahl steuerbarer Verbraucher rasant: Wärmepumpen, E-Autos, Batteriespeicher, Quartierslösungen. Damit Angebot und Nachfrage zusammenfinden, braucht es Transparenz – auf Gebäude-, Haushalts- und Systemebene. Intelligente Messsysteme sind dafür die zentrale Voraussetzung. Sie ermöglichen flexible Stromtarife, entlasten Netze, senken Systemkosten und machen Verbraucherinnen und Verbraucher zu aktiven Akteuren und Profiteuren der Energiewende. Ohne Smart Meter bleibt Flexibilität ein theoretisches Konzept, mit hohen Folgekosten für Netzausbau und Regulierung.
Deutschland im europäischen Vergleich: zwei Schritte in einem
Deutschland liegt beim Smart-Meter-Rollout im sehr niedrigen einstelligen Prozentbereich. Anders als viele andere Länder setzt Deutschland jedoch von Beginn an auf ein System, das nicht nur Verbrauchsdaten misst und sicher überträgt, sondern auch die aktive Steuerung ermöglicht. Diese ist entscheidend, um steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen oder E-Ladestationen gezielt dann zu betreiben, wenn besonders viel Strom aus Wind- und Solaranlagen verfügbar ist. So werden Stromnetze entlastet, Flexibilitäten genutzt und Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten günstigere Strompreise.
Dass Deutschland beim reinen Rollout-Tempo hinter Ländern wie Schweden, Dänemark, Italien, Frankreich, Spanien oder Portugal zurückliegt, hat daher einen strukturellen Grund: Hierzulande werden Messung und Steuerung in einem Schritt eingeführt. Viele europäische Nachbarn stehen beim Steuerungs-Rollout noch am Anfang, orientieren sich dabei jedoch zunehmend an den hohen deutschen Technik- und Sicherheitsstandards. Denn auch sie müssen Flexibilitäten heben, um Erzeugung und Verbrauch besser in Einklang zu bringen und um variable, günstigere Strompreise zu ermöglichen.
Wettbewerb als Beschleuniger eines digitalen Systems
Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Digitalisierung des Energiesystems ist die Frage, wie Messinfrastruktur organisiert und skaliert wird. In Deutschland ist der Messmarkt liberalisiert. Ein wichtiger und richtiger Schritt für mehr Geschwindigkeit, Effizienz und Innovation. Wettbewerbliche Messstellenbetreiber leisten einen wichtigen Beitrag für den Smart-Meter-Rollout: Sie investieren frühzeitig und substanziell, entwickeln bundesweit einheitliche digitale Rollout-Prozesse und setzen intelligente Messsysteme auch dort um, wo Nachfrage besteht, aber lokale Kapazitäten begrenzt sind.
Gerade in einem fragmentierten Markt mit vielen Akteuren – von Stadtwerken über Netzbetreiber bis hin zu den grundzuständigen Messstellenbetreibern – schafft Wettbewerb zusätzliche Geschwindigkeit und Innovationsimpulse. Er ermöglicht es, neue Technologien schneller in die Fläche zu bringen, Prozesse zu standardisieren und Kosten transparent zu halten. Nicht nur die Kunden der Wohnungswirtschaft profitieren bundesweit und netzgebietsübergreifend von einheitlichen digitalen Prozessen und einem Ansprechpartner. Für ein Energiesystem, das zunehmend auf Flexibilität und Echtzeitdaten angewiesen ist, ist diese Dynamik kein Selbstzweck, sondern ein funktionaler Vorteil. Entscheidend ist daher, dass die Weiterentwicklung des Messwesens vom Ziel eines leistungsfähigen, digitalen Gesamtsystems aus gedacht wird und nicht primär aus der Perspektive einzelner, historisch gewachsener Zuständigkeiten.
Digitalisierung ist eine Gemeinschaftsaufgabe
Ein solches System entsteht nicht im Alleingang. Es braucht eine enge Zusammenarbeit von Politik, Energiewirtschaft und Immobilienbranche. Staatliche Regulierung kann dabei ein entscheidender Wegbereiter sein, wenn sie Systemdenken und Wettbewerb fördert, Investitionssicherheit schafft und digitale Prozesse über Sektor- und Akteursgrenzen hinweg ermöglicht.
Dabei geht es um ein konstruktives Zusammenspiel zwischen grundzuständigen und wettbewerblichen Messstellenbetreibern – mit dem Ziel eines positiven Wettbewerbs, der den Markt stärkt und den Verbraucherinnen und Verbrauchern echten Mehrwert bietet.
Gleichzeitig steht auch die Immobilienwirtschaft in der Verantwortung. Gebäude sind der zentrale Ort, an dem Energie verbraucht, gemessen und gesteuert wird. Umso wichtiger ist es, digitale Gebäudedaten besser nutzbar zu machen – durch gemeinsame Standards, höhere Datenqualität und den Abbau von Silos innerhalb der Branche. Eine offene, DSGVO-konforme Datenökonomie kann die Grundlage schaffen, um aus vorhandenen Informationen gezielte Maßnahmen für mehr Energieeffizienz und Klimaschutz abzuleiten.