Start-ups im Defence-Tech-Sektor: Finanzierungslücken und die Rolle von Growth Debt

Die sicherheitspolitische Lage hat den Verteidigungs- und Technologiesektor in Europa ins Zentrum strategischer Investitionen gerückt. Innovationen in Bereichen wie Sensorik, Cyberabwehr oder KI sind entscheidend für die technologische Souveränität. Doch gerade die Unternehmen, die diese Innovationen vorantreiben – Start-ups und spezialisierte Mittelständler – stoßen auf eine strukturelle Hürde: Finanzierung.

Die Herausforderung

Defence-Tech-Unternehmen bewegen sich in einem komplexen Umfeld. Hohe technologische Anforderungen, lange Entwicklungs- und Produktionszyklen sowie strenge regulatorische Vorgaben prägen den Markt. Gleichzeitig fehlt ihnen oft die finanzielle Tiefe großer Konzerne. Klassische Fremdfinanzierung ist schwer zugänglich, da viele junge Unternehmen noch keinen positiven Cashflow erzielen. Eigenkapitalrunden sind eine Lösung, aber sie führen zu Verwässerung der Eigentumsanteile und sind zeitintensiv. Das Ergebnis: Wachstumsphasen geraten ins Stocken – mit Folgen für die Innovationskraft und letztlich die Verteidigungsfähigkeit Europas.

Warum Growth Debt?

Hier setzt ein Finanzierungsinstrument an, das im Tech-Sektor zunehmend an Bedeutung gewinnt: Growth Debt. Es schließt die Lücke zwischen Eigenkapital und traditionellem Kredit. Die Idee: Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell bereits validiert haben und von namhaften Venture-Capital-Fonds unterstützt werden, erhalten Fremdkapital für die kritische Phase zwischen zwei Eigenkapitalrunden.

Der Vorteil: Gründer behalten ihre Anteile, die Kapitalkosten sinken, und die Zeit bis zur nächsten Finanzierungsrunde wird strategisch genutzt – etwa für Produktentwicklung, Skalierung oder Markteintritt.

Marktdynamik und strategische Bedeutung

Laut einem Bericht von Dealroom und Resilience Media erreichte das Volumen von Defence Venture Capital in Europa 2025 rund 2,3 Mrd. USD – Deutschland ist dabei der am schnellsten wachsende Markt. Theoretisch ergibt sich daraus ein Marktpotenzial von über 1 Mrd. USD für Growth Debt, wenn die Hälfte der Eigenkapitalfinanzierungen flankiert wird. Die größten Dynamiken liegen im Bereich Tech-Defense: Unternehmen wie Helsing, Quantum Systems oder ARX Robotics haben zuletzt hohe Bewertungen erzielt. Bisher dominierte Eigenkapital, doch die Kapitalkosten sind langfristig hoch. Private Credit und Venture Debt öffnen sich als Alternativen.

Mehr als Finanzierung: Ein Beitrag zur Souveränität

Die Diskussion um Defence-Tech-Finanzierung ist nicht nur eine Frage unternehmerischer Liquidität. Sie berührt die strategische Autonomie Europas. Ohne verlässliche Finanzierung geraten Schlüsseltechnologien ins Hintertreffen. Instrumente wie Growth Debt sind daher nicht nur ein Finanzprodukt, sondern ein Hebel für industrielle Resilienz.

Die Rolle der Banken

Große Verteidigungskonzerne haben Zugang zu Kapitalmärkten, kleinere Zulieferer profitieren von Nähe zu diesen Akteuren. Doch weiter hinten in der Wertschöpfungskette fehlt Kapitalzugang. Hier können Banken eine entscheidende Rolle spielen: als Schnittstelle zwischen Defence-Unternehmen und Kapitalgebern. Sie bringen Branchenexpertise, Risikomanagement und Netzwerke ein – und decken die gesamte Wertschöpfungskette ab, vom Konzern bis zum Start-up.

Fazit

Start-ups im Verteidigungs- und Technologiesektor brauchen flexible Lösungen, die ihre Besonderheiten berücksichtigen. Growth Debt bietet eine Möglichkeit, Wachstumsphasen zu überbrücken, ohne Eigentumsanteile zu verwässern. Damit wird nicht nur die Innovationskraft einzelner Unternehmen gestärkt, sondern auch die technologische Handlungsfähigkeit Europas.