In diesem Umfeld kommt es darauf an, technische Innovation, wirtschaftliche Investitionsbereitschaft und verlässliche Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen. Für uns bei LEAG heißt das: Wir müssen Flexibilitäten schaffen, die ein erneuerbares Energiesystem überhaupt erst betreibbar machen. Und genau hier spielen Energiespeicher im Gigawatt-Maßstab eine tragende Rolle.
Vor diesem Hintergrund stellt sich eine zentrale Frage: Wie verankern wir Stabilität und Flexibilität systemisch – gleichzeitig, nicht nacheinander? Mit der LEAG GigawattFactory geben wir darauf eine Antwort. Das integrierte Konzept verbindet Erneuerbare Energien, große Energiespeicher und flexible Kraftwerke intelligent miteinander.
Großspeicher sind ein Systemstabilisator
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien schneller vorankommt, als viele erwartet haben. Damit dieses Wachstum optimal im Energiesystem ankommt, braucht es den beschleunigten Netzausbau und flexible Kapazitäten, die die volatilen Einspeisemengen aus Wind und Sonne ausgleichen können. Ohne Speicher im Gigawatt-Maßstab lässt sich ein zunehmend wetterabhängiges Energiesystem nicht stabil betreiben – weder technisch noch wirtschaftlich.
Deshalb bereiten wir in der Lausitz zwei der leistungsstärksten Batteriespeicher Europas vor: die GigaBattery Jänschwalde 1000 mit 1.000 MW Leistung und 4.000 MWh Speicherkapazität sowie die GigaBattery Boxberg 400 mit 400 MW und 1.600 MWh. Die Anlagen sind als vier Stunden Speicher beauftragt, das heißt sie können jeweils vier Stunden geladen oder entladen werden. Damit werden sie uns mittelfristig ermöglichen, Erneuerbare Energien deutlich effizienter zu nutzen und ihren Anteil im Netz weiter zu erhöhen.

Visualisierungen der GigaBatteries Jänschwalde 1000 (links) und Boxberg 400 (rechts)
Diese Speicher werden innerhalb weniger Sekunden Regelenergie bereitstellen, Frequenzschwankungen im Netz ausgleichen und die volatilen Einspeisemuster von Wind- und PV-Anlagen glätten. Sie ersetzen kein Kraftwerk, aber sie machen Erneuerbare Energien „planbarer“ – und damit industriell besser nutzbar.
Die GigawattFactory: Ein belastbarer 24/7-Versorgungsverbund
Unsere Strategie geht bewusst weiter als der Bau einzelner Energiespeicher. Mit der GigawattFactory entwickeln wir ein skalierbares Energiesystem aus drei sich ergänzenden Säulen:
- Erneuerbare Erzeugung auf Bergbaufolgeland
- Batteriespeicher im Gigawattmaßstab für Flexibilität
- Wasserstofffähige Gaskraftwerke für Versorgungssicherheit und als Backup für längere Erzeugungslücken
Dieses Systemkonzept adressiert die eigentliche Herausforderung der Energiewende: eine 24/7-Versorgung zu gewährleisten, die unabhängig von Tageszeit und Wetter funktioniert. Neue H2-ready Gaskraftwerke und Speicher sind dabei keine optionalen Elemente, sondern zwingend notwendige Komponenten für die Sicherheit unserer Stromversorgung.
Entscheidend ist: Wir nutzen bestehende Kraftwerksstandorte weiter – ihre Netzanschlüsse, Leitungswege, Infrastruktur und das Know-how der Menschen vor Ort.
Welche Weichen das Energiesystem jetzt braucht
Um Großspeicher, erneuerbare Erzeugung und flexible Gaskraftwerke optimal in den Fahrplan der Energiewende integrieren zu können, sind klare und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen entscheidend. Drei Handlungsfelder stehen dabei im Vordergrund –
- ein weiterentwickeltes Marktdesign, das Flexibilitäten honoriert und systemdienliche Leistung angemessen vergütet;
- eine Kraftwerksstrategie ab 2026, die durch fair ausgestaltete Ausschreibungen ausreichender Kapazitäten einen attraktiven und verbindlichen Investitionsrahmen schafft;
- planbare und zügige Genehmigungsverfahren, die für alle Beteiligten möglichst rasch barrierefreie und verlässliche Projektbedingungen herstellen.
Die Lausitz als Modellregion
Mit den beiden GigaBattery-Projekten zeigen wir, wie traditionell geprägte Energieregionen eine Vorreiterrolle bei der Energiewende einnehmen können. Die Lausitz hat dafür ideale Voraussetzungen: verfügbare Flächen, leistungsfähige Netzanschlüsse, energiepolitische Unterstützung und ein tiefes industrielles Verständnis für Systembetrieb.
Der Baubeginn für die GigaBattery Jänschwalde ist im Frühsommer 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme soll Ende 2027 bis Anfang 2028 erfolgen. Nur wenige Monate später gehen am gleichen Standort die beiden letzten Braunkohleblöcke des Kraftwerkes Jänschwalde außer Betrieb – der Umbau folgt also ein Ersatzlogik, auch wenn Batterien als temporäre Stromlieferanten nur ein Teil der Lösung sein können.
Der Brückenschlag zwischen Investition, Innovation und Akzeptanz
Speicher, flexible Kraftwerke und Erneuerbare Energien sind Bausteine eines ganzheitlichen Systems, das zukünftig Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit miteinander vereint.
Mit der GigawattFactory leisten wir unseren Beitrag zu diesem Brückenschlag. Wir bauen ein Energiesystem, das stabil, flexibel und bezahlbar bleibt – und das den Anspruch hat, dauerhaft tragfähig zu sein.