So gelingt Unternehmen die strategische grüne Energiebeschaffung

Um die globale Energiewende umzusetzen, ist ein nachhaltiger Energieeinkauf für Unternehmen nicht optional, sondern zwingend notwendig. Sie stehen vor der Herausforderung, ihre Energie nicht nur kosteneffizient, sondern auch umweltfreundlich zu beziehen. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) setzt dafür neue Maßstäbe und hebt die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der EU auf eine neue Stufe. Durch die ausgeweiteten Berichtspflichten sind Unternehmen mehr denn je gefragt, ihre Strategie zur Energiebeschaffung zu überdenken. Nicht nur, um gesetzliche Anforderungen zu erfüllen – sondern auch, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die CSRD sieht vor, dass Unternehmen detaillierte Informationen über ihre Energiequellen und deren Umweltwirkung offenlegen. Dabei handelt es sich nicht nur um eine regulatorische Anforderung, vielmehr fordern relevante Stakeholdergruppen – wie Investoren, Kreditgeber und Kunden – die Einhaltung und das Reporting ein. Dazu braucht es im ersten Schritt eine umfassende Analyse: Wie sieht das Energieportfolio aus? Welche Energieeffizienzmaßnahmen gibt es bereits? Und wie steht es um die Risikoabsicherung? Insbesondere energieintensive Unternehmen, zum Beispiel aus der Metall- oder Chemiebranche, haben hier zwei Hebel: Sie können die Energieintensität ihrer Produktion sowie den sonstigen Energieverbrauch noch stärker reduzieren und ihre Energiebeschaffung dekarbonisieren. Dafür ist eine dedizierte Einkaufsstrategie unerlässlich, denn die bisherigen Beschaffungsstrategien sind den zunehmend komplexen Rahmenbedingungen nicht mehr gewachsen. Für das Thema Strom heißt das: Ein rein preisgetriebener Stromeinkauf unter der Annahme eines liquiden Marktes greift mittelfristig zu kurz und kann die neuen Anforderungen nicht mehr erfüllen.

Fest steht: Wer mit der Transformation noch nicht begonnen hat, sollte die CSRD als Startschuss verstehen. Zeit für Aufschub bieten die Dekarbonisierungsziele jedenfalls nicht. Unternehmensziele sind Leitplanken beim Einkauf Grundlagen für eine gelingende Einkaufsstrategie für grünen Strom bleiben weiterhin Wirtschaftlichkeit und optimale Strommengen. Doch zusätzlich müssen nun eine Vielzahl weiterer Aspekte in die Beschaffung einfließen. Durch die CSRD getrieben erhält die Dekarbonisierung im gesamten Unternehmen eine noch größere Relevanz, eine Schlüsselrolle nimmt dabei der Einkauf ein. Somit müssen Unternehmensstrategie, Nachhaltigkeitsstrategie und Einkaufsstrategie nahtlos ineinandergreifen und gesamthaft gedacht werden. In der Umsetzung bedeutet dies eine Diversifizierung der Beschaffungsmaßnahmen, dazu müssen neue Optionen bewertet und integriert werden. Welcher Bedarf wird über preisstabile PPAs, über Eigenversorgung mittels Brownfield- oder Greenfield-Investitionen oder möglicherweise Kooperationen gedeckt? In welchem Umfang reichen ausschließlich Herkunftsnachweise, um Dekarbonisierungsziele zu erreichen? Diese vielfältigen Fragestellungen sind dabei in eine Übereinstimmung mit dem kalkulierten Energieverbrauch zu bringen. Durch die Diversifizierung der Beschaffungsmaßnahmen nimmt auch die Komplexität zu und die Einkaufshorizonte verändern sich. Zum Beispiel liefert eine PV-Anlage für den Eigenverbrauch günstigen Strom, dies ist aber nicht automatisch kongruent zum Zeitpunkt des Strombedarfs. Langfristige Stromverträge liefern hingegen kalkulierbare und stetige Strommengen, haben aufgrund ihrer Langfristigkeit unter Umständen das Risiko von Preisnachteilen. Das aktive Management wir dadurch zu einer Kernaufgabe eines grünen Einkaufs.

Das Abwägen von Chancen und Risiken stellt die Weichen
Eine frühzeitige Transformation des Energieeinkaufs schafft Vorteile gegenüber dem Wettbewerb. Wer auf
kohlenstofffreie Energiequellen setzt, kann dies in der Vermarktung seiner Produkte berücksichtigen und die Zahlungsbereitschaft seiner Kunden erhöhen. Zudem kann er sich perspektivisch wichtige Wettbewerbsvorteile sichern. Mit Blick auf die künftig EU-weit mandatierten CO2-Preise von 200 Euro je Tonne ab 2027 werden nachhaltige Energiequellen schon mittelfristig zur finanziellen Existenzgrundlage.

Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit sind heute im Einkaufsprozess zentrale Anliegen, um angesichts geopolitischer Spannungen, regulatorischen Drucks und steigender Kundenanforderungen zu bestehen. Chancen und Risiken sind sorgfältig abzuwägen und alle Stakeholder und Unternehmensschnittstellen in die Ausarbeitung der Beschaffungsstrategie für grüne Energie mit einzubeziehen. So können Unternehmen jetzt ihren Einkauf resilient aufstellen und den Anforderungen der CSRD proaktiv begegnen.

Das aktive Management wird zu einer Kernaufgabe eines grünen Einkaufs.

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