Diese Entwicklung birgt enorme Chancen – aber auch neue Risiken, etwa durch Angriffe auf vernetzte Systeme, Manipulation von Software-Komponenten oder Schwachstellen in der Lieferkette. Während die vergangenen Jahre stark von der IT-Security-Perspektive geprägt waren, rücken nun Product Security (IoT) und Operational Technology (OT) Security in den Mittelpunkt.
Die besondere Herausforderung dabei: Produkte und Produktionssysteme befinden sich häufig im Feld, also außerhalb des direkten Zugriffs der Hersteller. Updates, Monitoring und Incident Response sind dadurch ungleich komplexer als im klassischen IT-Kontext. Zudem muss für jedes Produkt klar sein, welche Softwarebausteine und -bibliotheken dort verwendet werden.
Product Security muss daher bedeuten, Sicherheit nicht als Zusatz, sondern als Teil des Produktes zu verstehen – von der ersten Codezeile bis zum Betrieb im Feld. Es geht längst nicht mehr nur um IT-Schutz, sondern um Vertrauen in Produkte, Marken und ganze Wertschöpfungsketten.
Drei Gründe, warum Product Security jetzt entscheidend ist
1. Resilienz: Schutz vor Produktionsausfällen
Cyberangriffe auf industrielle Systeme sind keine Seltenheit mehr. Jede Manipulation einer Steuerungseinheit kann ganze Produktionslinien lahmlegen – mit massiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen. Eine durchdachte Sicherheitsarchitektur schützt nicht nur einzelne Maschinen, sondern ganze Werke und Lieferketten. Unternehmen, die Security-by-Design umsetzen, können schneller auf neue Bedrohungen reagieren und so ihre operative Kontinuität sichern.
2. Produktqualität: Sicherheit als Qualitätsmerkmal
Software ist längst Teil des Produkts – und damit auch seiner Qualität. Ein sicher entwickeltes Produkt schützt nicht nur Endkunden, sondern stärkt das Markenvertrauen. Qualität umfasst heute neben Funktionalität und Zuverlässigkeit auch den Schutz vor Cyberrisiken. Unternehmen, die Product Security als integralen Bestandteil ihres Qualitätsmanagements verstehen, schaffen einen klaren Wettbewerbsvorteil.
3. Regulatorik: Neue Pflichten durch CRA und NIS2
Mit dem Cyber Resilience Act (CRA) und der NIS2-Richtlinie schafft die EU verbindliche Sicherheitsstandards für Produkte mit digitalen Elementen. Hersteller müssen künftig nachweisen, dass ihre Produkte grundlegende Cybersecurity-Anforderungen erfüllen..
Ab 2026 wird es ernst: Hersteller müssen dann gemäß Cyber Resilience Act Sicherheitsvorfälle für ihre Produkte melden. Spätestens ab 2027 dürfen sogar nur noch Produkte auf den Markt gebracht werden, die die neuen Sicherheitsanforderungen vollständig erfüllen. Unternehmen, die bis dahin keine durchgängigen Prozesse etabliert haben, riskieren nicht nur Bußgelder – sondern auch Wettbewerbsnachteile.
Jetzt handeln – mit klarer Roadmap zur Compliance
Wer frühzeitig beginnt, kann Product Security strukturiert und effizient verankern – statt später unter hohem Druck reagieren zu müssen.
Drei Schritte für den Weg zur Compliance:
- Assess & Prioritize
Unternehmen sollten ihre Produkte und Systeme gründlich analysieren: Welche Software-Komponenten sind sicherheitsrelevant? Welche Prozesse und Lieferanten sind betroffen? Diese Bestandsaufnahme bildet die Basis jeder zu treffenden Maßnahme. - Integrate & Secure
Security-by-Design muss in Entwicklung und Betrieb verankert werden. Dazu gehören sichere Entwicklungsprozesse, regelmäßige Schwachstellenanalysen, Patch-Strategien und klare Verantwortlichkeiten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. - Monitor & Report
Schließlich sollten Unternehmen ein kontinuierliches Sicherheits- und Vorfallmanagement etablieren – inklusive Meldeprozessen für Sicherheitsvorfälle gemäß CRA und NIS2. Transparente Reporting-Strukturen schaffen Vertrauen und beugen Sanktionen vor.
Security wird zum strategischen Differenzierungsmerkmal: Wer jetzt investiert, schafft nicht nur Compliance, sondern stärkt Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und das Vertrauen der Kunden.