Gemeinsam zum Erfolg

Banken und Private Debt: Erfolgsfaktoren der Zusammenarbeit

Artikel aus dem Handelsblatt Journal RESTRUKTURIERUNG von April 2026

Die wirtschaftliche Lage bleibt im Jahr 2026 herausfordernd. Geopolitische Risiken, hohe Finanzierungskosten und eine schwache Handelsdynamik setzen Unternehmen weiterhin unter Druck. Gleichzeitig steigt der Kapitalbedarf der Unternehmen in einem angespannten Finanzierungsumfeld.

In unserer aktuellen Restrukturierungsstudie, die auf einer Expertenbefragung und Analysen von Oliver Wyman beruht, berichten mehr als zwei Drittel der Befragten, dass sich der Zugang zu Finanzierungen zuletzt verschlechtert hat. Gleichzeitig erwarten über 80 Prozent der Marktteilnehmer einen weiteren Anstieg von Unternehmen in der Krise im kommenden Jahr.

Alternative Finanzierungsformen wie Private Debt gewinnen in einer solchen Gemengelage an Bedeutung. Deren Wahrnehmung ist aber ambivalent: Einerseits sehen etwa 83 Prozent der Befragten diese Form der Finanzierung als valide Alternative zu Bankkrediten, andererseits würden mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer Bankkredite den Vorzug geben oder lehnen Private Debt komplett ab.

Allerdings kann Private Debt nicht als universeller Ersatz für Banken auftreten. Schließlich agieren diese Finanzierer mit anderen Rendite- und Exit-Strategien und verändern damit die Dynamik von Restrukturierungen grundlegend.

Die neue Finanzierungsrealität ist ein Spannungsfeld

Zwar kann Private Debt mit Geschwindigkeit, Flexibilität und Krisenlösungskompetenzen den Finanzierungsmix ergänzen. Gleichzeitig macht es Finanzierungsstrukturen aber komplexer – und birgt neue Risiken.

Hier entsteht Reibung, aber auch Potenzial. Unsere Studie hat daher untersucht, wie die Kombination von Banken und Private Debt in der Restrukturierung zu besseren Ergebnissen führen kann.

Als wichtigste Herausforderung haben wir dabei die unterschiedlichen Prioritäten und Entscheidungskriterien identifiziert: Banken agieren typischerweise aus bestehenden Kundenbeziehungen heraus und unterliegen regulatorischen Restriktionen. Daher handeln sie oft mit dem Ziel der Minimierung von Risiken oder Verlusten. Private-Debt-Fonds hingegen entscheiden stärker opportunistisch auf Basis von Chancen zur Werterholung von Krediten und unter Berücksichtigung von zusätzlichen Handlungsoptionen, wie zum Beispiel einer Eigenkapitalbeteiligung.

Diese Unterschiede schlagen sich konkret in zentralen Konfliktfeldern nieder: Unsere Studienteilnehmer nennen Zinshöhen, Sicherheitenstrukturen, Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung sowie Governance- Fragen als häufige Streitpunkte zwischen Banken und Private Debt Fonds in Restrukturierungen.

Kooperation als Chance – unter klaren Bedingungen

Trotz aller Spannungen kann die Kombination aus Banken und Private Debt Restrukturierungen aber auch stabiler und gleichzeitig handlungsfähiger machen: Banken können durch gewachsene Kundenbeziehungen gut besicherte Finanzierungselemente zu günstigeren Konditionen bereitstellen, während Private-Debt-Investoren Geschwindigkeit, Flexibilität und Risikobereitschaft für zusätzliches Kapital liefern. Entscheidend ist jedoch nicht die Kombination an sich, sondern die Ausgestaltung der Zusammenarbeit. Unsere Studie hat dabei drei klare Erfolgsfaktoren gezeigt:

  1. Frühzeitige Transparenz über die Ausgangslage und ein belastbares Restrukturierungskonzept als Entscheidungsgrundlagen
  2. Einigkeit zwischen den Finanzierern über die Ziele und den Zeithorizont der Restrukturierung
  3. Die Expertise und den Willen zur Zusammenarbeit

Erfolgreiche Restrukturierungen benötigen also vor allem ein gemeinsames Zielbild aller Finanzierungspartner – ohne „hidden Agendas“ oder ein gegenseitiges Übervorteilen. Wer die Dynamiken zwischen den verschiedenen Kapitalgebern aber nicht versteht und aktiv steuert, riskiert Verzögerungen und Fehlanreize, und im Extremfall sogar das Scheitern eines potenziell tragfähigen Sanierungskonzepts.

Oliver Wyman

www.oliverwyman.de

Alternative Finanzierungsformen wie Private Debt gewinnen an Bedeutung.

Das aktuelle Handelsblatt Journal
Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „RESTRUKTURIERUNG“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
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